Zahnhartsubstanzdefekte
Englisch: defects (faults) of calcified tooth structure
Als Folge von versch. Einflüssen, welche präeruptiv (vor dem Durchbruch) oder posteruptiv entstehen können und das Zahnbein (Dentin) und/oder den Zahnschmelz betreffen. Unterteilung z.B. nach: prä-eruptive Schäden: Hypo- oder Dysplasien von Schmelz und/oder Dentin während der Zahn-Bildungs- und -Reifungsperiode. Entstanden entweder durch genetische Fehlfunktionen (Zähne isoliert oder als Teil eines Syndroms) oder als infektiös-entzündlicher, pharmakologischer, alimentärer (ernährungsbedingter), metabolischer (Stoffwechsel bedingter) und traumatischer Schaden perinatal (Zeit um die Geburt, d.h. zwischen 39. Schwangerschaftswoche und 7. Lebenstag) bzw. postnatal (nach der Geburt). Genetisch bedingte Schäden: Bei diesen angeborenen Erkrankungen können Schmelz und/oder Dentin betroffen sein. Ursache sind meist einzelne defekte Gene. Amelogenesis imperfecta abnorme Schmelz(miss)bildung; eigenes Stichwort Dentinogenesis imperfecta Dentinfehlbildungen; eigenes Stichwort Systemische Erkrankungen und Syndrome Schmelzdysplasien können auftreten in Verbindung mit:
- dem Amelo-Onychohypohydrose-Syndrom
- der Epidermolysis bullosa
- Mukopolysaccharidosen
- der okulodentoossären Dysplasie
- dem trichodentalosteosklerotischen Syndrom Dentindysplasien können auftreten in Verbindung mit:
- der hereditären (angeborenen) Ostodystrophie Albright
- dem brachioskeletalgenitalen Syndrom
- der Hypophosphatämie
- der Hypophosphatasie
- dem trichodentalsklerotischen Syndrom Erworbene Schmelz- und Dentinhypoplasien sehr viel häufiger als genetische Ursachen treten peri- und postnatal erworbene (alimentäre, infektiöse, metabolische und pharmakologische) Zahnhartsubstanzdefekte auf. Dabei ist der Zeitraum ziemlich genau bekannt: Bei den Milchzähnen auf das erste Lebensjahr und bei den bleibenden Zähnen bis zum 7. Lebensjahr hin. Klinisch bedeutsam sind ab diesem Zeitpunkt fast nur die Schmelzhypoplasien. Von den Mineralisationszeiten her gibt es sog. "kritische Zeitintervalle:
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- Monat pränatal bis 3. Monat postnatal = betroffen sind die Milchschneidezähne
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- Monat pränatal bis 9. Monat postnatal = betroffen sind die Milcheckzähne
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- Monat postnatal bis 6. Lebensjahr = betroffen sind die bleibenden Schneide- u. Eckzähne Durch Infektion bedingte Schäden diese können durch lokale oder generalisierte Infektionen ausgelöst werden:
- Turner-Zahn; eigenes Stichwort - angeborene Syphilis; Lues connata
- Röteln, Scharlach; Abb. s.u. Schmelzhypoplasien - Salmonelleninfektionen verbunden mit starken Diarrhöen während des 1. Lebensjahres pharmakologisch bedingte Schäden bekannt fast nur in Form von Tetrazyclinschädigungen alimentär bedingte Schäden - Fluoride; hauptsächlich im Trinkwasser (natürlich o. zugesetzt), Summationseffekte mit künstlich angereicherten Nahrungsmittel; eigenes Stichwort (Fluorose)
- Strontium: Aufgrund der Substitutionsfähigkeit von bis zu vier Calcium-Ionen pro Apatitkristall bedingen hypoplastische, weißliche linienförmige Schmelzstreifen an den oberen Frontzähnen
- Mangel an Vitamin A und C metabolisch bedingte Schäden
- durch Sauerstoffmangel um den Geburtsvorgangs herum als sog. Geburtslinien (Neonatallinien); diese sind bei Frühgeburten mit ca. 50 % deutlich häufiger vorkommend
- durch eine Tetanie bedingte Hypokalzämie (chronischer Vitamin-D-Mangel der Mutter oder des Kleinkindes)
- mütterlicher Diabetes
- Down-Syndrom
- diverse andere Stoffwechselstörungen posteruptive Schäden: neben den durch Unfälle bedingten Schäden (traumatische Zahnverletzungen) sind dies besonders zwei große Verursacher: Erosionsbedingte Zahnschäden; eigenes Stichwort Strahlungsbedingte Zahnschäden (Radatio-Nebenwirkungen); eigenes Stichwort ("Strahlenkaries") Osteogenesis imperfecta, Sichelzahn, Tetrazyklin, Zahndysplasie, Zahnentwicklungsstörungen Tiermodell-Studie zu Fluorose: Gestörter Eisenspeicher im Zahnschmelz (zm, 2020) Metaanalyse aus China: Warten mit Zähneputzen nach erosiven Speisen ist unnötig (zm, 2020) Erosives Potenzial von Getränken, Speisen und Medikamenten (zm, 2019; mit ausführlicher Tabelle der Wirkung vieler Substanzen)