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Fissurenversiegelung

Synonym: (Zahn-) Versiegelung · Englisch: fissure sealant

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Präventiver/therapeutischer Verschluss der besonders kariesanfälligen Okklusalfläche mit einem dünnfließenden Kunststoff; bewährte zahnärztliche Präventions-Maßnahme zur Verhinderung einer sich bildenden Karies, besonders auf den Kauflächen: Die Kauoberfläche der Backenzähne besteht besonders bei Kindern und Jugendlichen aus z.T. tiefen Grübchen (Fissurenform), welche sich mit einer Zahnbürste nur schwer oder gar nicht reinigen lassen. Hiergegen kann in einer Zahnarztpraxis nach gründlicher Säuberung und Vorbehandlung des Zahnes eine Versiegelung (hauptsächlich) mit einem Methacrylat-basierten Kunststoff erfolgen. Wichtig bei dieser Maßnahme ist, dass sie rechtzeitig, bald nach dem Durchbruch erfolgt: Wenn der Zahn noch völlig gesund oder nur leicht oberflächlich erkrankt ist. Trotz F. muss die tägliche Zahnreinigung beibehalten werden. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind ebenfalls nötig, um Materialbeschädigungen rechtzeitig zu erkennen und zu beheben. Eine intakte Versiegelung verhindert, dass Bakterien in die Zahngrübchen eindringen und darin den Zahn entkalken - dies führt letztendlich zur " Fissurenkaries " und muss durch eine aufwendigere Zahnfüllung behandelt werden. Die Lebensdauer einer F. wird mit 7 bis 10 Jahren angegeben. Nebenwirkungen (z.B. Allergien) auf das angewandte Material sind bisher extrem selten und beschränken sich auf weltweit 2 bekannt gewordene Fälle. Ein neuartiges Material - Embrace Wetbond™, Vertrieb über die Fa. Gaba - ist erstmalig hydrophil ("wasserfreundlich"), erfordert also keine absolute Trockenheit mehr und ist so besonders gut für den Einsatz im Milchzahngebiss oder bei nicht kooperativen Jugendlichen geeignet. Durch die kontinuierliche Fluoridfreisetzung bietet Embrace einen zusätzlichen Schutz vor Karies. Die Frage, ob bei jedem Kind generell versiegelt werden sollte, wird verneint: Liegt ein geringes Kariesrisiko und/oder eine flache/gut zugängliche Fissur in einem kariesfreien/-armen Gebiss vor, so ist dieser Eingriff nicht sinnvoll. Es gelten folgende Grundsätze für eine F.: (siehe dazu auch die äußerst ausführliche " Leitlinie Fissurenversiegelung " unter: Leitlinie zur Fissurenversiegelung: Zahnarztversion; Patienteninformation; Langfassung nur dann, wenn die Fissur eindeutig kariesfrei ist nur dann, wenn der gesamte Vorgang ordnungsgemäß durchgeführt werden kann (Cave nicht kooperative Kinder!) nur dann, wenn das Material werkstoffgerecht gehandhabt wird nur dann, wenn das individuelle Kariesrisiko und die Fissurenform (Fissurenarten) ein Versiegeln tatsächlich erforderlich macht nur dann, wenn keine hohe Kariesaktivität vorhanden ist, denn Studien belegen, dass Versiegelungen nur bei geringer Kariesaktivität die Kauflächen wirksam vor Karies schützen. Bei hoher Kariesaktivität führen dagegen Versiegelungen allein sogar zu mehr Karies. keine Versiegelungsmaßnahme befreit von einer ordnungsgemäßen Mundhygiene und einer abgestimmten Fluoridzufuhr! in jüngerer Zeit (2006) wird die F. auch zum Schutz der Approximalflächen propagiert. Da derartige Zonen bei durchgebrochenen Nachbarzähnen nicht mehr direkt zugänglich sind, werden kieferorthopädische Separiergummis gelegt, um kurzfristig Zugang zum Interdetalraum zu erhalten. Folgendes Vorgehen hat sich bewährt (herkömmliche Materialien, die Klebkraft einer Fissurenversiegelung ist bei separater Anätzung mit anschließendem Bonding signifikant höher als bei Verwendung eines Einphasenadhäsivs.): Gründliche Reinigung der Fissuren (mechanisch, Pulverstrahlgerät), gutes Trockenlegen der zu versiegelnden Zähne (falls möglich: Einsatz von Kofferdam), Säurekonditionierung über 60 sec., grazile Applikation des Kunststoffs im Fissurenrelief, (Licht-)Polymerisation, Kontrolle des Zusammenbisses ("Okklusionskontrolle"), abschließende Fluoridierung. Empfohlen wird die Anwendung eines von der Zahnfarbe geringfügig abweichenden Kunststoffs, um so Beschädigungen der Versiegelung besser erkennen zu können. Nach einer neuen Studie der Universität Greifswald, ist die Versiegelung deutlich wirksamer als eine Fluoridierung des Zahnes. Weiter ist bestätigt, dass Jugendliche mit F. nur ca. 50% des DMF-T-Wertes (eine Messzahl für Kariesfolgen) von Jugendlichen ohne Fissurenversiegelung aufweisen. 1997 war nach einer Studie des Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) bei 53% der 12jährigen Deutschen mindestens ein Zahn mit diesem wirksamen Schutz versehen. Entsprechend ist die Auswirkung auf die Mundgesundheit: Der DMFT-Wert lag mit Versiegelung bei 1,3 im Gegensatz zu 2,2 bei den nicht geschützten Zähnen. Nicht angewandt werden kann die F. bei schon bestehender Karies (auch versteckter Karies) und in den Fällen, wo keine absolute Trockenlegung möglich ist (z.B. bei Kleinkindern). Die Fissurenversiegelung zählt bei den gesetzlichen Krankenkassen zu den individual- und kariesprophylaktische Leistung und wird als sog. "IP5" bei den 6 -19-jährigen als Sachleistung übernommen. Bei Erwachsenen erscheint eine Fissurenversiegelung nicht mehr sinnvoll: Entweder hat die Fissur schon bis dahin eine Karies bekommen und ist mit einer Füllung versehen, oder der Zahn ist gegen äußere Einflüsse widerstandsfähig. Die teilweise propagierte F. mit Glasionomerzementen (GIZ) kann durch mangelnde Haftkraft in den Fissuren nicht überzeugen; sie kann u.U. vorübergehend bei dem Patientenkreis eingesetzt werden, bei welchem eine korrekte Trockenlegung nicht möglich ist. Unter einer.