Kariesrisiko
Synonym: Kariesrisikofaktoren · Englisch: caries risk (factors)
Das Kariesrisiko beschreibt die statistische Wahrscheinlichkeit (engl.: (statistical) probability, likelihood), zukünftig an Karies zu erkranken. Die Faktoren, die dazu führen, basieren – wie aus der Medizin bekannt – nur auf dem statistischen Risiko. Dieses kann jedoch individuell erheblich abweichen. Bis heute (2007) gibt es noch kein sicheres Verfahren, um eine zukünftige Karies mit ausreichender Sicherheit vorherzusagen. Trotz negativer Prognose kann Karies auftreten, da noch unbekannte individuelle Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Die folgenden Faktoren sind entscheidend für das Auftreten von Karies, wobei die individuelle Einschätzung durch den Untersucher (Zahnarzt) einen hohen Stellenwert hat:
Kariesaktivität in der Mundhöhle Aufnahme/Vorhandensein von Fluoriden (Fluoridexposition) Vorkommen von kariogenen Bakterien des Streptococcus-mutans-Typs ("Kariesbakterien") sowie von Lactobazillen im Speichel und in der Plaque Ernährungsgewohnheiten und -qualitäten, z.B. häufiger Verzehr von niedermolekularen Kohlenhydraten (Zucker) Ernährung mit antikariogenen Lebensmitteln: Zuckerhaltige Nahrungsmittel zu meiden, ist ein Weg, das Kariesrisiko zu senken. Ein anderer Weg besteht in der vermehrten Aufnahme von antikariogenen Nahrungsbestandteilen wie bestimmten Fettsäuren, Vitamin C oder grünem Tee. Vorhandensein von Plaque (Plaqueindex) durch ungenügende Mundhygiene Vorhandensein von erkrankten, fehlenden und gefüllten Zähnen (DMF-T-Wert) Menge des Speichels (Speichelfließrate) Beschaffenheit des Speichels (Speichel-Puffer-Kapazität) Zahnfehlstellungen, schlechte oder erneuerungsbedürftige zahnärztliche Versorgungen (Füllungen, Kronen, Zahnersatz) Fehlen von Fluoriden in ausreichender, lokaler Konzentration Allgemeine körperliche Faktoren wie Lebensweise, Stress, chronische Erkrankungen, reduzierte Immunlage Drogen- und Alkoholmissbrauch Chemotherapie, radiologische Therapie (Strahlenkaries) Zwischen dem Streptococcus-mutans-Befall mit behandlungsbedürftiger Karies der Mutter und dem Auftreten aktiver Milchzahnkaries beim Kind lässt sich eine eindeutige Korrelation herstellen. Der Gesetzgeber definiert im Einklang mit der DAJ ein hohes Kariesrisiko bei Kleinkindern wie folgt:
3 Jahre mit einem dmf-t-Wert von 0 4 Jahre mit einem dmf-t-Wert von 2 5 Jahre mit einem dmf-t-Wert von 4 6 Jahre mit einem dmf-t-Wert von 5 Beim Kariesrisiko kennt man sogenannte Kariesrisikogruppen:
Soziales Umfeld: Der Anteil kariöser, fehlender oder gefüllter Zähne ist bei Kindern aus sozial schwachen Familien erheblich höher als bei anderen Kindern. Anders formuliert: Ein sehr großer Teil unserer Kinder hat wenig oder keine Karies, aber ca. 10 Prozent der Kinder aus sozialen Problemfeldern vereinen bis zu 60 Prozent der insgesamt vorhandenen Karies ihres Jahrgangs auf sich (SiC-Index).
Bildungsniveau: Die besten Zähne haben 12-jährige Kinder, die das Gymnasium besuchen. Hier liegt der dmf-t-Mittelwert bei 0,6, und 73 Prozent der Gymnasiasten haben naturgesunde Zähne. Bei den Realschülern liegt der dmf-t-Mittelwert bei 1,0, und 60 Prozent der Realschüler haben naturgesunde Zähne. Die Schüler von Hauptschulen schneiden hingegen deutlich schlechter ab: Sie haben im Schnitt 1,5 kariöse Zähne, und nur 45,6 Prozent der Hauptschüler können auf ein naturgesundes Gebiss stolz sein. Daraus folgt: Wer ein Gymnasium besucht, hat mehr als doppelt so viele gute Zähne wie ein Hauptschüler. Insgesamt hat sich jedoch die Zahn- und Mundgesundheit an allen Schulen bemerkenswert verbessert.
Anzahl der Mutans-Streptokokken in der Mundhöhle: Die Besiedlung mit diesen "Kariesbakterien" erfolgt relativ früh. So wurde festgestellt, dass bereits 38 % der Kinder im Alter von 30 Monaten von Streptococcus mutans befallen sind. In mehr als 70 % der Fälle ist die Mutter für die Übertragung verantwortlich. Weiterhin ist bekannt, dass bei einem hohen Kariesbefall im Milchzahngebiss dieser auch auf das bleibende Gebiss übertragen wird.
Kariesrisikotests (z.B. Speicheltestung auf Laktobazillen oder St. mutans): Diese Tests stellen eine wesentliche Bereicherung der diagnostischen Möglichkeiten dar, wenn sie im Rahmen einer erweiterten Diagnostik sinnvoll angewendet, kombiniert und interpretiert werden. Allein sind sie wenig aussagekräftig und individuell sehr unterschiedlich zu werten.
Praktische Empfehlungen nach Prof. Zimmer:
Milchgebiss: Bei kariesfreien 2- bis 5-Jährigen Nachweis von Mutans-Streptokokken in der Plaque mit Hilfe eines Chairside-Tests (z.B. CRT). Ein Kind mit Karies im Milchgebiss muss immer als Kariesrisiko-Kind betrachtet werden. Wechselgebiss: Dentoprog-Verfahren Bleibendes Gebiss: Cariogram Patienten mit festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen müssen grundsätzlich als Kariesrisiko-Patienten betrachtet werden. In der präventiven Zahnheilkunde wird die Erhebung von Kariesrisikoprofilen bereits als Standard vor Therapiebeginn angesehen.
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