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Kariogen

Synonym: kariogenKariogenität, Karies verursachend/auslösend · Englisch: cariogenic

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Kariogen ist das Vermögen eines (Nahrungs-)Stoffes, die Kariesentstehung zu fördern. Hierzu gehören insbesondere leicht abbaubare Kohlenhydrate wie Saccharose, aber auch Glukose, Fruktose, Laktose und Süßmittel wie Honig und viele "Natursüßmittel". So enthalten beispielsweise (Zuckergehalt in % vom Gewicht der Grundsubstanz; Limonaden schneiden aufgrund ihres hohen Wassergehalts "unauffällig" ab; ausgesagt wird nichts über die "Klebrigkeit" der Substanzen auf der Zahnoberfläche):

Bonbons 90% Honig 75% Marmelade, Schokolade 60% Trockenfrüchte i.d. 55% Banane 18% (dieser Wert bezieht sich nur auf den Zuckeranteil, da ein hohes Potenzial im Zahnzwischenraum und am Zahnhals besteht) Cola 11% (s.o.) Nüsse 4% Stoffe, die vordergründig nicht "süß" schmecken, wie z.B. Ketchup (versteckter Zucker) Aktion zahnfreundlich-Stoffe praktisch Null Die Kariogenität hängt nicht nur von der Menge, der Verweildauer ("Klebrigkeit") und der Abbaubarkeit ab, sondern auch davon, wann diese Stoffe aufgenommen werden: Beispielsweise ist der Verzehr eines "Schokoriegels" während einer Mahlzeit weitaus weniger kariogen als dieser vor dem Einschlafen.

Zuckerhaltige Nahrungsmittel zu meiden (Aktion zahnfreundlich) ist ein Weg, das Kariesrisiko zu senken. Ein anderer besteht in der vermehrten Aufnahme von antikariogenen Nahrungsbestandteilen wie bestimmten Fettsäuren, Vitamin C oder grünem Tee. So kann die gleichzeitige Anwesenheit bestimmter Nahrungsstoffe die Wirkung von sonst Karies auslösenden Lebensmitteln deutlich reduzieren:

Pyridoxin, das in bestimmten Fettsäuren enthalten ist, hat einen Karies hemmenden Effekt, vermutlich weil die Dekarboxylierung (= - CO2) in der Plaque beeinflusst wird. Fett selbst trägt zur Reinigung der Zähne bei. Proteine bewirken eine Neutralisierung des pH-Werts. Kalzium und Phosphor bewirken eine (Re-)Mineralisierung und neutralisieren den pH-Wert. Ascorbinsäure - Vitamin C - zeigt ebenfalls einen Karies hemmenden Effekt. So ist bei Versuchspersonen mit einem hohen Vitamin C-Blutwert deutlich weniger Plaque gefunden worden als bei solchen mit geringen Werten – bei sonst gleichem Mundhygieneverhalten. Zusätzlich sind bei Parodontitispatienten nach hohen Vitamin C-Gaben Besserungen der Erkrankung zu erzielen; vermutlich beruht diese Eigenschaft auf einer antioxidativen Wirkung dieses Vitamins. Fluoride wirken antibakteriell und tragen zur (Re-)Mineralisierung bei. Phosphathaltige Nahrungsmittel haben ein größeres hemmendes Potenzial, wie beispielsweise bestimmte Käsesorten. So konnte gezeigt werden, dass nach dem Verzehr von natürlich gereiftem Käse ein saurer pH-Wert deutlich schneller neutralisiert wird als nach dem Verzehr anderer Speisen. Man führt dies auf die relativ hohen Anteile von Proteinen, Kalzium und Phosphat zurück, welche die aus der Plaque entstehenden Säuren neutralisieren und zu einer schnelleren Remineralisation beitragen. Grüner Tee besitzt durch seinen hohen Anteil an Katechinen (Polyphenolen) einen schädigenden Einfluss auf das Kariesbakterium St. mutans. Einerseits wird die Haftfähigkeit dieser Erreger am Zahnschmelz herabgesetzt, zum anderen greifen die Katechine in den Stoffwechsel der Zellmembran ein. Diese Fähigkeit des Tees kommt aber nur dann richtig zum Tragen, wenn damit gespült wird. Außerdem ist Tee generell durch einen hohen Gehalt an Fluoriden gekennzeichnet. Im Laiensprachgebrauch findet häufig eine Begriffsverwechselung statt: Kariogen ist eine Substrateigenschaft (z.B. Zucker). Kariespathogen ist eine Eigenschaft von Mikroorganismen, Karies auszulösen (z.B. St. mutans).