Karies
Synonym: Zahnkaries, Zahnfäule, ordinär, Loch im Zahn · Englisch: (dental) caries, tooth decay
Karies, vom lateinischen „caries“ = „Fäulnis“, ist die häufigste Zahnerkrankung, bei der von Bakterien produzierte Säuren die Zähne angreifen. Diese Säuren lösen die in Zahnschmelz, Zahnbein (Dentin) und Wurzelzement enthaltenen Mineralien heraus. Es handelt sich um einen dynamischen Demineralisationsprozess, der im Spätstadium auch den Zahnnerv angreifen kann (Pulpitis). Karies gilt als eine der häufigsten „Infektionskrankheiten“ des menschlichen Körpers. Weit über 95 % der Europäer sind davon betroffen, und in Deutschland verfügen nur etwa 1 % der Bevölkerung über naturgesunde Zähne. Vier von fünf Menschen weltweit hatten oder haben Karies. Die Behandlung von Karies in Deutschland hat laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2008 etwa 7,9 Milliarden Euro gekostet.
Von der Zahnkaries abzugrenzen ist die sogenannte Knochenkaries, die eine entzündliche Zerstörung des Knochengewebes bezeichnet, insbesondere bei der Knochentuberkulose.
Die erste Theorie über die Entstehung von Karies stammt aus der Zeit um 1.800 v. Chr. und wurde bis ins 19. Jahrhundert vertreten: Sie besagt, dass ein „Zahnwurm“ der Übeltäter sei, der sich ins Innere des Zahnes frisst, ihn aushöhlt und dadurch die schrecklichen Schmerzen verursacht. Auf einer altbabylonischen Tontafel wird das Vorgehen des Wurmes folgendermaßen beschrieben: „…Aus dem Zahn will ich saugen sein Blut und vom Zahnfleisch aus das Mark saugen. So habe ich Zugang zum Zahn…“
1889 erforschte der amerikanische Zahnarzt Willoughby Dayton Miller die Ursache der Karies. Er fand heraus, dass Bakterien, die sich von Zucker ernähren, Karies verursachen. Miller war der Begründer der sogenannten „chemisch-parasitären Kariestheorie“ (Zucker + Kariesbakterien = Säurebildung → Entkalkung → Karies), die im Prinzip heute nur noch eingeschränkte Gültigkeit hat, da sie die körpereigenen immunologischen Faktoren bei der Entstehung nicht berücksichtigt.
Karies bedeutet eine Zerstörung der Zahnhartsubstanz durch Stoffwechselprodukte dieser Bakterien, die sich auf der Zahnschmelzoberfläche in einer Plaquematrix (Biofilm) anlagern. Aus nahrungsbedingten Kohlenhydraten bilden diese Bakterien Säuren, die zu einem Absinken des pH-Wertes unter die für Schmelz (pH 5,5–5,7) und Dentin (pH 6,3–6,5) kritische Grenze führen, was dazu führt, dass der Hydroxylapatit der Schmelzoberfläche zunächst chemisch verändert wird und schließlich in Lösung geht. Der Zahnschmelz wird demineralisiert, und Bakterien sowie deren Stoffwechselprodukte können in tiefere Dentinschichten eindringen. Der natürliche Wiederanstieg des pH-Wertes – meist durch den Speichel – auf ungefährliche Werte dauert etwa 20 Minuten. In dieser Zeit entsteht eine „Schutzlücke“, in der die gebildeten Säuren ungehindert den Zahnschmelz angreifen können.
Obwohl die Entstehung der Karies bis heute noch nicht vollständig geklärt ist, steht fest, dass es ohne Kohlenhydrate und Bakterien – vor allem das Bakterium Streptococcus mutans – keine Karies gibt. Dabei gilt die Milchsäurefreisetzung als aussagekräftige Messgröße für das Kariespotential. Nicht die Zahl einzelner Bakterienarten, sondern deren Stoffwechselaktivität ist entscheidend für den Verlauf des Kariesprozesses.
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