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Kariesdiagnostik

Synonym: Untersuchungsmethoden zur Feststellung von Karies · Englisch: caries diagnostics

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Die Kariesdiagnostik hat das Ziel, Karieserkrankungen möglichst früh zu erkennen, noch bevor grob sichtbare Veränderungen ("Löcher") oder Schmerzen (Pulpitis) auftreten. Dadurch kann frühzeitig eine Prophylaxeempfehlung gegeben oder eine minimalinvasive Therapie (sog. Handlungsoptionen) durchgeführt werden. Es stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die häufig miteinander kombiniert werden:

Die Inspektion mittels Mundspiegel, Zahnsonde und Pinzette bei guter Beleuchtung, ggf. unterstützt durch eine Lupenbrille (2,5-fach), verbunden mit Druckluft zum Trockenblasen des Zahnes (~5 Sek.), ist auch heute noch die standardmäßige Diagnosemethode. Allerdings erkennt sie fast die Hälfte aller Karieserkrankungen an den von außen nicht zugänglichen Stellen (Approximalkaries) nicht. Trotz neuerer Diagnosemethoden gilt die visuelle Inspektion, unterstützt durch vorsichtige taktile Anwendung einer Sonde (ohne Druck!), nach wie vor als der Goldstandard bei der Eingangsuntersuchung. Die WHO empfiehlt für die taktile Kariesdiagnose eine CPI- oder Parodontalsonde, da spitze Sonden bei zu hohem Druck Schmelzdefekte verursachen können.

Die Röntgendiagnostik wird vor allem für die nicht einsehbaren Zahnzwischenräume (Interdentalkaries) eingesetzt, zur Bestimmung der Tiefenausdehnung und zur Kontrolle von Bereichen an/unter bereits bestehenden Füllungen (Kariesrezidiv, Sekundärkaries). Bewährte Aufnahmen für diese Untersuchungsmethode sind Bissflügel-Röntgenaufnahmen ("bite wings"). Eine röntgenologische Erkennung ist jedoch erst ab einer Entkalzierung von ca. 20 % möglich. Etwa 55 % der kariösen Veränderungen werden mit dieser Technik erkannt.

Die Diaphanoskopie oder faseroptische Transillumination ist eine Methode, bei der Zähne mit starken Lichtquellen, z.B. einer Kaltlichtsonde, durchleuchtet werden. Es tritt keine Strahlenbelastung auf. Diese Methode eignet sich zur Sichtbarmachung von Zahnzwischenraumkaries im Frontzahnbereich und als Ergänzung zur Bissflügel-Röntgenaufnahme, um Schmelzsprüngen oder Erosionen zu erkennen. Die Fiberoptiktransillumination (FOTI) wertet den Intensitätsverlust bei der Durchstrahlung des Zahnes aus (z.B. mit der "Pieper-Sonde"). Bereiche mit Karies weisen vergrößerte Poren auf, die eine unterschiedliche Lichtintensität erzeugen. Eine Weiterentwicklung dieser Methode ist das DIFOTI-Verfahren, das Glasfasertechnik mit Bildgebung kombiniert und es ermöglicht, die FOTI-Befunde mit einer CCD-Kamera zu dokumentieren. Diese Ergebnisse sind einfach zu interpretieren und können prinzipiell auch für ein quantitatives Kariesmonitoring genutzt werden. Als alleiniges Verfahren ist es jedoch nicht geeignet. Ein Schwachpunkt ist, dass die Aufnahmetechnik verschattete Areale zeigt, die nicht unbedingt mit einer tatsächlichen Demineralisation übereinstimmen.

Die chemische Anfärbung der Karies während der Präparation des Zahnes (Ausbohren) wird ebenfalls verwendet, ebenso wie der Kariesdetektor. Bei der Laserfluoreszenz wird die Eigenschaft genutzt, dass durch Kariesbakterien verändertes Zahnmaterial nach Bestrahlung mit Licht fluoresziert. Diese Fluoreszenz ist eine Folge von Stoffwechselprodukten der Mikroorganismen (sog. Porphyrine). Eine Laserdiode erzeugt gepulstes Licht, das auf den Zahn trifft. Veränderte Zahnsubstanzen fluoreszieren mit Licht einer anderen Wellenlänge. Mit dieser Technik können bis zu 93 % der kariösen Veränderungen bei korrekter Anwendung an von außen zugänglichen Stellen erkannt werden. Sie ist besonders nützlich bei Zähnen mit scheinbar intakter Oberfläche (Hidden Caries) und zum Kariesmonitoring. Das Verfahren ist jedoch bei bestehenden Belägen oder Zahnverfärbungen anfällig und sollte immer nur unterstützend zu anderen Verfahren angewendet werden.

Die digitale Laserfluoreszenz (DIAGNOdent, VistaProof) hat sich als eines der erfolgreicheren Verfahren etabliert. Weitere Methoden wie QLF (quantitative light-induced laser fluorescence) und LIFE-D.T.-Methode zeigen ebenfalls Fortschritte, werden jedoch klinisch noch nicht weit verbreitet.

Die elektrische Widerstandsmessung (ECM-Methode) nutzt die physikalische Eigenschaft des Zahnschmelzes, ein guter elektrischer Isolator zu sein. Bei Karies verringert sich der elektrische Widerstand aufgrund der Entkalkung und Porenbildung im Zahnmaterial. Diese Methode hat eine Treffergenauigkeit von ca. 85 % und ist vor allem für das Kariesmonitoring geeignet.

Kariesrisikotests, wie die Speicheltests auf Laktobazillen oder Streptococcus mutans, stellen eine wertvolle Ergänzung zur Kariesdiagnostik dar, wenn sie in eine erweiterte Diagnostik eingebunden und korrekt interpretiert werden. Sie allein bieten wenig Aussagekraft und variieren je nach Person und Testbedingungen.

Bis auf die beiden ersten Methoden (Inspektion und Röntgendiagnostik) sind die neueren Verfahren oft kosten- und zeitintensiv und weisen in Bezug auf Sensitivität und Spezifität noch Schwächen auf. In der Regel werden diese Methoden von gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Expertensysteme konnten sich bisher noch nicht durchsetzen.