Röntgendiagnostik
Synonym: Röntgenuntersuchung, Röntgenographie · Englisch: radiographic examination, X-ray inspection, radiodiagnostics
Die Röntgendiagnostik nutzt die Eigenschaft der Röntgenstrahlen, auf fotografischen Filmschichten, Sensoren oder Speicherfolien sogenannte "Schatten" zu erzeugen. Diese Schatten entstehen durch die unterschiedliche Strahlendurchlässigkeit von Körpergewebe oder Fremdkörpern, abhängig von der Art und Dicke des Materials. Je höher das Atomgewicht, desto undurchlässiger ist das Material.
Auf der nebenstehenden Fernröntgenaufnahme sind diese Eigenschaften gut erkennbar: Weiches Gewebe wie Nasenknorpel oder Lippenpartien lässt wesentlich mehr Strahlen durch (Transluzenz, "röntgenpositiv") als dichteres Material wie Zähne oder Knochen der Wirbelsäule (Opazität, "röntgennegativ"). Falls kein ausreichender Kontrast vorhanden ist, können künstliche Unterscheidungen durch den Einsatz von Kontrastmitteln erzielt werden.
Nach der Röntgenverordnung (2011) besteht eine Röntgenuntersuchung aus drei Grundelementen: rechtfertigende Indikation, technische Durchführung und Befund der Röntgenuntersuchung.
Es gibt zwei grundlegende Verfahren: Analoge oder konventionelle Verfahren, bei denen ein Röntgenfilm verwendet wird, der in einem chemischen Prozess entwickelt und fixiert werden muss, und digitale Techniken, die ohne chemische Prozesse auskommen und nachträgliche Bearbeitungen wie Kontrast- oder Helligkeitsanpassungen erlauben. Digitale Verfahren haben sich in den letzten Jahren durchgesetzt, auch wenn sie höhere Anschaffungs- und Betriebskosten verursachen. Der digitale Sensor benötigt kürzere Belichtungszeiten, was die Strahlenbelastung verringert. Weitere Vorteile sind die Möglichkeit der Bildbearbeitung, der Wegfall chemischer Abfälle, die schnelle Verfügbarkeit der Befunde und die digitale Speicherung auf Datenträgern.
Die traditionellen intraoralen Zahnaufnahmen (Zahnfilme) waren über Jahrzehnte Standard. Im zweidimensionalen Bereich unterscheidet man Röntgenschichtaufnahmen, die durch gleichzeitige Bewegungen der Röntgenröhre und des Films entstehen. Diese Technik eignet sich zur orientierenden Erst- und Kontrollaufnahme des Kiefers bei geringer Strahlenbelastung, zeigt jedoch oft keine Details und ist nicht maßstabgetreu. Aufbissaufnahmen werden erstellt, indem die Film- oder Sensorebene parallel zur Okklusionsebene positioniert wird, ideal für Übersichtsaufnahmen oder Teilbereiche des Kiefers. Fernröntgenaufnahmen sind seitliche Schädelaufnahmen, die in der Kieferorthopädie standardmäßig genutzt werden. Die Röntgendurchleuchtung (Diaskopie) ist aufgrund der hohen Strahlenbelastung in der Zahnmedizin unüblich. Bewegungsabläufe wie Kiefergelenksbewegungen können durch die Röntgenkinematographie gefilmt und zur Analyse in Zeitlupe dargestellt werden.
Die räumliche Darstellung in drei Dimensionen bringt entscheidende Vorteile, insbesondere in der Kieferchirurgie und Implantologie. Sie ermöglicht die genaue Darstellung der Lagebeziehungen von Zähnen oder Implantaten zu den umliegenden anatomischen Strukturen. Die Computertomographie (CT) erstellt Schnittbilder durch ein eng begrenztes Röntgenstrahlenbündel, das verschiedene Körperschnittebenen abtastet. In der Zahnmedizin wird das CT selten verwendet. Die digitale Volumentomographie (DVT) gilt als Zukunftstechnologie in der Zahnmedizin. Sie bietet eine geringere Strahlenbelastung als das CT und ermöglicht präzisere Diagnosen. Ein Nachteil sind mögliche Bildartefakte, die durch metallische Restaurationen entstehen können.
Nicht alle krankhaften Veränderungen lassen sich durch Röntgenaufnahmen erfassen. Ein negativer Befund bedeutet nicht zwangsläufig das Fehlen einer Erkrankung. Beispielsweise müssen mindestens 30 % der anorganischen Knochensubstanz durch einen krankhaften Prozess abgebaut sein, damit dieser röntgenologisch nachweisbar wird.
Ein angemessener Strahlenschutz ist essenziell. Dies beinhaltet die strikte Indikationsstellung und die Einhaltung der Vorschriften der Röntgenverordnung.
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