Zum Hauptinhalt springen

Leitlinie

Synonym: Richtlinie, Handlungsanweisung, Vorgabe · Englisch: guideline

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Die Leitlinie der ZWP schreibt im Jahr 2020 hierzu: "Was sind eigentlich S3-Leitlinien? Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte, wissenschaftlich begründete und praxisorientierte Entscheidungshilfen, die Ärzte, Zahnärzte, Angehörige anderer Gesundheitsberufe und Patienten bei ihren Entscheidungen über die angemessene Gesundheitsversorgung unterstützen sollen. Im Gegensatz zu Richtlinien sind Leitlinien nicht bindend. Sie bieten Orientierungshilfen im Sinne von Handlungs- und Entscheidungskorridoren, von denen in begründeten Fällen abgewichen werden kann oder sogar muss. Ebenso berücksichtigen Leitlinien auch ökonomische Aspekte der Behandlung. Sie werden in einem systematischen Prozess erstellt, der Fachleute, Vertreter verschiedener Fachbereiche und Arbeitsgruppen sowie Patientenvertreter und potenzielle Anwender einbezieht. Während S1-Empfehlungen auf einer repräsentativ zusammengestellten Expertengruppe beruhen, stützen sich S2-Leitlinien entweder auf eine formale Konsensusfindung (S2k-LL) oder auf eine systematische Evidenzrecherche (S2e-LL). Innerhalb einer S3-Leitlinie werden alle Elemente der systematischen Entwicklung vereint, was sie zur höchsten Qualitätsstufe der Entwicklungsmethodik macht."Diese Empfehlungen, die sich ständig weiterentwickeln, beruhen auf dem Konsens mehrerer Experten aus verschiedenen Fachbereichen. Sie sind in erster Linie ohne juristische Bedeutung und haben nur einen "Empfehlungscharakter" im Rahmen der medizinischen Qualitätssicherung. Leitlinien geben den Stand des Wissens zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wieder und sollen dazu beitragen, Therapiebeliebigkeiten zu verringern. Sie beziehen sich in der Regel auf Standardfälle und Durchschnittspatienten. In Deutschland gibt es über 1.000 Leitlinien, die der medizinischen Qualitätssicherung dienen sollen.Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren, um für mehr Sicherheit in der Medizin zu sorgen. Gleichzeitig sollen auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden. Leitlinien sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.Im Gegensatz zu Richtlinien und Standards werden Leitlinien in der Praxis oft von denen entwickelt und erlassen, die sich zuständig fühlen. Die konkrete medizinische Behandlung, die auch von der Individualität des Patienten geprägt ist, kann ein Abweichen von den Leitlinien erfordern. Allerdings sollte nur in gut begründeten Fällen abgewichen werden, da Gerichte und Gutachter bei Streitfällen zunehmend auf die bestehenden Leitlinien verweisen und bei Nichtbeachtung einen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht unterstellen könnten. Bei einem behaupteten Behandlungsfehler bleibt die Beweislast weiterhin beim Patienten, auch wenn der Arzt von den Leitlinien abweicht. Der Arzt muss jedoch plausibel darlegen, warum er einen anderen Weg gewählt hat.Um mehr Klarheit zu schaffen, hat die Bundeszahnärztekammer 1999 folgende Definition verabschiedet: "Leitlinien sind systematisch entwickelte Darstellungen und Empfehlungen, die Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine angemessene gesundheitliche Versorgung unterstützen sollen. Die Entscheidung, ob einer bestimmten Empfehlung gefolgt wird, trifft der Zahnarzt unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten des Patienten und der verfügbaren Ressourcen. Damit unterscheiden sich Leitlinien von Richtlinien. Richtlinien sind im Gegensatz zu Leitlinien verbindlich, und ihre Nichtbeachtung kann Sanktionen nach sich ziehen."