Erosion, Zahnschäden
Synonym: Erosions-bedingte Zahnschäden, Säureschäden · Englisch: erosion-related enamel defects
Mechanische Abnutzung von durch Säureeinwirkung erweichter Zahnhartsubstanz (Demineralisation) ohne Beteiligung von Bakterien, bevor diese in ausreichendem Maße durch die im Speichel vorhandenen Mineralien remineralisiert werden konnte. Verursacht i.d.R. durch Säuren aus Nahrungsmitteln: Saure Getränke, Soft- bzw. Erfrischungsgetränke, Früchte, Essig, Sauermilchprodukte, Acetylsalicylsäure, Eisenpräparate - = extrinsische Erosion - oder Bulimie, Sodbrennen (Reflux) usw. - = intrinsische Erosion. Das durch eine E. freiwerdende Dentin ist i.d.R. leicht bis stark empfindlich, da durch den chemischen Prozess im Gegensatz zur Abrasion keine Schmierschicht erzeugt wird, die die empfindlichen Dentinkanälchen verschließen könnte. Zur Beurteilung der E. schlagen Lussi et al. (Bern) den BEWE (auch: " Lussi-Index ") vor: vestibuläre Zahnflächen Grad 0: Keine Erosion. Schmelz glänzend, Verlust der Oberflächenstrukturen (Perikymatien) möglich Grad 1: Größerer flächenhafter Verlust von Schmelzsubstanz. Intakte Schmelzleiste zervikal des Defektes. Eindellungen, Stufenbildung. Schmelz zeigt Seidenglanz. Kein Dentinbefall Grad 2: Dentin liegt auf weniger als der Hälfte der betroffenen Zahnoberfläche frei Grad 3: Dentin liegt auf mehr als der Hälfte der betroffenen Zahnoberfläche frei okklusale und orale Zahnflächen Grad 0: Keine Erosion. Schmelz glänzend, Verlust der Oberflächenstrukturen (Perikymatien) möglich Grad 1: Schwach ausgeprägte Erosion. Gerundete Höcker, Schmelz seiden-glänzend, Füllungen höher als benachbarte Zahnsubstanz. Das Dentin ist nicht befallen Grad 2: Stark ausgeprägte Erosion. Zusätzlich ist das Dentin befallen Durch die Säureeinwirkung kommt es zu einer Zerstörung des kristallinen Gefüges der äußeren Schichten von säureexponiertem Zahnschmelz und Dentin, so dass die obersten Schichten der Zahnhartsubstanzen teilweise direkt in Lösung gehen. Diese demineralisierten Zahnoberflächen können dann beim Zähnebürsten (s.u.) oder beim Kauen von abrasiven Nahrungsbestandteilen noch verstärkt abgetragen werden. Das erosive Potential versch. Getränke und Nahrungsmittel ist sehr unterschiedlich und nicht immer aufgrund des Geschmacks zu vermuten. Ein verzögertes Zähneputzen nach dem Genuss derartiger Getränke/Speisen soll dazu dienen, die erweichten Zahnoberflächen durch Kalzium- und Phosphat-Ionen im Speichel zu remineralisieren, so dass die Zahnoberfläche wieder widerstandfähiger wird. Derartige Empfehlungen sind allerdings nicht überzeugend wissenschaftlich gestützt. Ebenso scheint kein Unterschied in der Verwendung von weichen oder harten Zahnborsten zu bestehen. Bedeutung kommt vielmehr der Zahnpasta zu: Je abrasiver die Zahncreme ist, desto größer ist auch der Gewebsverlust. In jüngerer Zeit wird der Einsatz von Zahnpasten, welche mit Natriumhexametaphosphat (IMP) angereichert sind, als anti-erosiver Schutz empfohlen. Vermutlich bildet dieser Wirkstoff eine, einige Stunden bestehend bleibende, schützende Pellikel auf der Zahnoberfläche. Als Abhilfe werden vorgeschlagen: Statt Fruchtsäfte zu trinken, Frischobst essen, da Obstsorten den Speichelfluss anregen und so durch Neutralisation dem Säureangriff entgegenwirken Nicht mit sauren Getränken "zur Erfrischung" den Mund umspülen Den gesundheitlichen Vorteilen einer vegetarischen oder auch gemüsebetonten Ernährung steht offenbar ein erhöhtes Risiko für säurebedingte Zahnschäden gegenüber. Kauen von "zahnpflegenden" Kaugummis, um den Speichelfluss und damit die Pufferkapazität zu erhöhen Keine sauren Lebensmittel (fest o. flüssig) während der Nacht verzehren Nicht unmittelbar nach dem Verzehr derartiger Lebensmittel die Zähne putzen - unbedingt vorher gut mit Wasser (Milch) den Mund gut durchspülen oder etwa ½ - 1 Std. warten. Derartige Empfehlungen sind allerdings nicht überzeugend wissenschaftlich gestützt Zahnpasten mit geringem Schmirgelanteil und/oder auf Bicarbonat-Basis (z.B. Signal Bicarbonat; erhöht den pH-Wert) anwenden Verwendung einer Bicarbonat-Zahncreme (z.B. "Signal-Bicarbonat"), da diese zur Erhöhung des pH-Wertesin der Mundhöhle beiträgt regelmäßige, hochdosierte Fluoridapplikationen (= Steigerung der Säureresistenz) bzw. das Putzen mit einer fluoridhaltigen Paste Die Zugabe von Mineralien wie Kalzium, Phosphor und Fluoride in säurehaltige Getränke lassen sich erosive Schäden an der Zahnhartsubstanz zwar nicht vermeiden aber deutlich vermindern. Zur Früherkennung der Zahnschmelzerweichung wenden Wissenschaftler die hochempfindliche Messmethode der " Nanoindentation " an. Dabei wird eine extrem feine Spitze, deren Radius etwa 1.000 mal dünner als ein Haar ist, in die Oberfläche des Zahnschmelzes gedrückt. Dann wird die Kraft gemessen, die der Schmelz der Spitze entgegensetzt. Mit der Methode gelingt es die Erweichung zu messen, die nach nur zwei Minuten Einwirkzeit von z.B. Soft-Drinks eintritt. So erkennen die Forscher Zahnerosionen lange bevor sie für den Zahnarzt sichtbar werden. Abrasivität, Bulimie, Ernährungsempfehlungen, Karies, keilförmige Defekte, pH-Wert, Reflux (Sodbrennen) Zahnbürste, Zahnpasta, Zahnhartsubstanzdefekte Metaanalyse aus China: Warten mit Zähneputzen nach erosiven Speisen ist unnötig (zm, 2020) Erosives Potenzial von Getränken, Speisen und Medikamenten (zm, 2019; mit ausführlicher Tabelle der Wirkung vieler Substanzen) So stark hilft die Verdünnung von Fruchtsäften gegen Erosionen (zm, 2020) Prävention von Erosionen - Tanninsäure erhöht die Schutzwirkung der Pellikel (zm, 2017) Rückseite der Oberkiefer-Schneidezähne einer langjährig Essgestörten Patientin, die regelmäßig erbrochen hat. Infolge intrinsischer Erosion liegt großflächig Dentin frei erosionsbedingte Zahnhalskaries - Wurzelkaries
Schlagwörter