Haltbarkeit von plastischen (zahnfarbenen) Füllungen
Synonym: Haltbarkeitvon plastischen (zahnfarbenen) Füllungen · Englisch: longevity (durability) of plastic (tooth colored) fillings in the posterior tooth area
Haltbarkeit von plastischen (zahnfarbenen) Füllungen im Seitenzahnbereich. In Anbetracht der hohen Kosten, die für die konservierende Versorgung anfallen, ist es von großem Interesse zu wissen, welche durchschnittliche Überlebenszeit für die verschiedenen Restaurationsformen erwartet werden kann. Allerdings differiert die klinische Einschätzung, ob eine Restauration erneuerungsbedürftig ist, oft zwischen den verschiedenen Nachuntersuchern und reflektiert die Aussagekraft, die derartigen Bewertungen zugrunde liegen kann. So zeigt die Befunderhebung bei Patienten oft Füllungen, die eigentlich den strengen Anforderungen an klinisch einwandfreie Füllungen nicht mehr entsprechen, die aber durchaus noch weiter ihren Zweck erfüllen können und nicht unbedingt sofort ausgetauscht werden müssen. Hinzu kommt, dass in den verschiedenen Untersuchungen nichts über die Füllungsgröße oder den -umfang ausgesagt wird und dass die Untersuchungen sich auf verschiedene Handelspräparate beziehen, die untereinander nicht vergleichbar sind.
Komposite Vor allem die negativen Auswirkungen der Polymerisationsschrumpfung kompositbasierter Restaurationsmaterialien, die auch bei neueren Kompositen immer noch 1,3–3,5% beträgt, zeigen sich klinisch in Randspalten, Schmelzrissen, postoperativen Beschwerden und langfristig in verfärbten Füllungsrändern und Sekundärkaries. Eine schwedische Studie (Mjör) ergibt einen Medianwert von 6 Jahren für die Überlebenszeit von 537 Kompositfüllungen, die von Zahnärzten in Schweden gelegt wurden. Neben dem Auftreten von Sekundärkaries (38%), Füllungsfrakturen (16%), Randeinbrüchen (4%) und Verfärbungen (12%) waren insuffiziente anatomische Konturen (9%) und Zahnfrakturen (13%) Gründe für den frühzeitigen Verlust. Eine andere Studie von Barnes konnte eine Überlebensrate von 90% für Ful-Fil-Füllungen (Dentsply, Milford, USA) nach 5 Jahren und von 77% nach 8 Jahren feststellen. Hauptursachen für frühzeitigen Füllungsverlust waren Sekundärkaries und starker Verschleiß. Ähnliche Ergebnisse mit einer Überlebensrate von 88,9% für P-50-Füllungen (3M) nach 5 Jahren wurden von Helbig dokumentiert. Raskin berichtet eine 10-Jahres-Verlustquote von 40–50% für Occlusin-Füllungen in Klasse-I- und -II-Kavitäten. Verschleiß im okklusalen Anteil während der ersten 5 Jahre und ein Verlust der Approximalkontakte gegen Ende der 10-Jahres-Studie waren für die meisten Füllungsverluste verantwortlich. Die mediane Überlebenszeit nach einer großen Studie (Van Nieuwenhuysen JP, D'Hoore W et al, 2003) betrug für Komposites 7,8 Jahre, für Amalgam 12,8 Jahre und für Kronen mehr als 14,6 Jahre.
Die Gründe für die begrenzte Haltbarkeit haben sich im Laufe der Jahrzehnten verändert. Übermäßiger Verschleiß, welcher die Konturen der okklusalen Anatomie, aber auch der Approximalkontakte stark beeinträchtigt, und Materialdegradation waren die Hauptprobleme in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Optimierungen in der Füllkörpertechnologie haben zu Veränderungen in den Versagensmustern geführt, ebenso wie der stetig sich verstärkende Trend, Komposite nicht nur in kleinen Kavitäten im kaubelasteten Seitenzahnbereich einzusetzen. In neueren Studien zeichnen sich Verschleiß, Frakturen, Randunregelmäßigkeiten, Randverfärbungen und Sekundärkaries als Hauptursachen für den Verlust ab. Das relativ häufige Auftreten von Sekundärkaries bei Kompositmaterialien wird unter anderem auf eine signifikant höhere Anzahl von Streptococcus mutans Bakterien an den Rändern von Kompositfüllungen im Vergleich zu Amalgam zurückgeführt. Prämolaren zeigten in vielen Studien günstigere Bedingungen als Molaren. Die Kavitäten sind tendenziell kleiner und – als Konsequenz daraus – der Effekt der Kaukräfte ist weniger stark.
Kompomere Das Haupteinsatzgebiet der Kompomere liegt in der Versorgung defekter Milchzähne. Insofern können Vergleiche zu den vorgenannten Kompositen nur schwer angestellt werden. Vorliegende Untersuchungen zeigen Überlebensraten von über 90% nach drei Jahren. Wie nicht anders zu erwarten, spielte die Größe der Füllung eine entscheidende Rolle.