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Implantat

Synonym: Zahnimplantat, Künstliche Zahnwurzel, Dentalimplantat, Titanimplantat, Keramikimplantat, Implantate, Zahnimplantate · Englisch: dental implant, implant

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Ein Zahnimplantat ist eine künstliche Zahnwurzel, meist aus Titan, die fest im Kieferknochen verwächst und einen verlorenen Zahn dauerhaft ersetzen kann.

→ Mehr zur Behandlung: Zahnimplantat – Ablauf, Materialien und Patientenfragen

Fachliche Übersicht

Implantate, die in den Knochen des Ober- oder Unterkiefers eingebracht werden, können als Verankerung für herausnehmbaren oder festsitzenden Zahnersatz dienen. Die Anzahl der gesetzten Implantate in Deutschland ist erheblich gestiegen. Die geschätzte Zahl der Implantationen stieg von 200.000 im Jahr 2001 auf über 1 Million im Jahr 2010. Etwa 80 Prozent der Implantate werden von 20 Prozent der implantierenden Zahnärzte gesetzt. Im Jahr 2007 waren etwa 5 Prozent der prothetischen Neuversorgungen in Deutschland implantatgestützt. Damit hat die Implantologie einen geringen Anteil im Vergleich zur konventionellen Versorgung, obwohl die Nachfrage nach dieser Versorgungsform steigt.

Seit 2013 werden Implantate praktisch nur noch aus Titan hergestellt. Dieser Werkstoff, der auch in der Allgemeinmedizin sehr erprobt und vielseitig eingesetzt wird, bildet eine feste Verbindung mit dem Kieferknochen (Osseointegration) und gilt biologisch als besonders verträglich (Biokompatibilität). Heutzutage sind hauptsächlich Schraubenimplantate (engl.: screw-type implant) mit einer Länge von 8 bis 15 mm und einem Durchmesser von 3 bis 4 mm gebräuchlich. Die Auswahl der Implantatlänge und -breite hängt vom verfügbaren Knochengewebe und der erwarteten okklusalen Belastung ab. In Deutschland sind 2013 mehr als 100 verschiedene Implantatsysteme erhältlich, die vom Grundprinzip her ähnlich sind, sich jedoch im Implantatdesign, der Oberflächenbeschaffenheit und der Vielfalt der Aufbauten unterscheiden.

Man unterscheidet nach der Art der Bedeckung durch die Mundhöhle zwischen:

  • (halb-)offenen Implantaten, die in der Zahnheilkunde üblich sind,
  • geschlossenen Implantaten, die vielfach in der allgemeinen Medizin verwendet werden.

Es gibt auch Unterschiede in der Vorgehensweise und der Operationstechnik, wobei beide Formen zu den halboffenen Implantaten gehören:

Das Implantat kann in verschiedenen Positionen liegen:

  • im Knochen (Normalfall) = enossales Implantat,
  • unter der Knochenhaut, aber auf dem Knochen = subperiostales Implantat,
  • in der Schleimhaut = intramuköses Implantat.

Von der Länge her unterscheidet man zwischen:

  • Normalimplantaten ("Langimplantaten") mit einer Länge von ca. > 8 mm; Standardversorgung bei normalen anatomischen Verhältnissen,
  • Kurzimplantaten mit einer Länge von 6 bis 8 mm; Einsatz bei reduziertem Knochenangebot,
  • Ultra-Kurzimplantaten mit einer Länge von < 6 mm; Einsatz bei stark reduziertem Knochenangebot,
  • Miniimplantaten mit einer Länge zwischen 13 und 15 mm und einem Durchmesser von 1,8 bis 2,5 mm.

Vom Durchmesser her werden die durchmesserreduzierten Implantate (kleiner als 3,5 mm) von den normalen Implantaten unterschieden:

  • Bei engen Platzverhältnissen (z. B. im Frontzahnbereich) oder altersbedingter Reduktion des Kieferknochens können diese schmalen Implantate helfen, zusätzliche augmentative Maßnahmen mit den damit verbundenen Risiken und Kosten zu vermeiden. Diese Implantate weisen jedoch höhere Belastungswerte am kranialen Knochen auf, was zu marginalen Knocheneinbrüchen führen kann. Bei langjähriger Belastung kann es außerdem zu Ermüdungsbrüchen kommen.

Die Abformung eines Implantats zur Aufnahme der Suprakonstruktion kann grundsätzlich auf drei verschiedenen Wegen erfolgen.

Implantatmaterialien sind:

  • Metall, heutzutage meist Titan (Titan Grad 4). Allergische Reaktionen auf Titan sind äußerst selten, mit einer geschätzten Prävalenz von 0,6%. Es ist bekannt, dass Bakterien (z. B. Streptococcus sanguinis und Lactobacillus salivarius) in vitro in der Lage sind, Oberflächendefekte an exponierten Titan-Oberflächen zu erzeugen, was zu einer deutlichen Verschlechterung der mechanischen Eigenschaften des Implantats führen kann.
  • Aluminiumoxid-Keramiken, Zirkoniumdioxid-Keramiken (ZrO2). Frühere Keramiken neigten zu Brüchen oder mussten stark dimensioniert werden. Zirkoniumimplantate sollen diese Nachteile beseitigen, doch Langzeiterfahrungen liegen noch nicht vor, weshalb keine endgültige Empfehlung für dieses Material abgegeben werden kann. Metallfreie Suprakonstruktionen haben sich jedoch mittlerweile etabliert.
  • Kombinationen aus Titan und Keramiken.

Zur Frage der Bewährung von Zirkoniumdioxid als Implantatmaterial nahm Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang (Kiel) 2008 Stellung: Titan sei weiterhin der „Goldstandard“ für Implantate. Zirkoniumdioxid-Keramiken bezeichnete er als neue Hoffnungsträger, da das Material chemisch inert und dem Titan hinsichtlich Ästhetik und Plaqueresistenz überlegen sei, in vielen anderen Eigenschaften jedoch nicht.

Wissenschaftlich noch nicht endgültig abgeklärt ist die Frage der Implantatoberfläche: Nachgewiesen ist, dass eine raue Implantatoberfläche ideal für die frühere Belastbarkeit ist (z. B. bei TPS-Implantaten), da sich der neue Knochen dort am besten anlagern kann. Studien zeigen jedoch, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen den verschiedenen Implantatsystemen gibt. Der aktuelle Standard sind abtragend behandelte Oberflächen mit definierter Rauhigkeit im Submikronbereich, die hydrophil wirken und die Anlagerung knochenbildender Zellen fördern.

Der Teil des Implantats, der sich im Knochen befindet, sollte mindestens 10 mm lang und 3,75 mm im Durchmesser sein. Wenn die anatomisch verwertbare Knochendicke darunter liegt und mindestens 3 mm Knochendicke vorhanden sind, kann eine entsprechende Knochenbreite durch Bone-Splitting oder -Spreading (Augmentation, Knochenlager) versucht werden. In jüngerer Zeit werden „kurze und ultrakurze Implantate“ bei mangelndem Knochenangebot propagiert, deren Einsatz jedoch nur bei guter Knochenqualität und entsprechendem Implantatdesign erfolgreich sein kann.

Der Abstand vom Implantat zum (natürlichen) Nachbarzahn sollte mindestens 1,5 mm betragen und 5 mm nicht überschreiten; der Abstand zwischen Implantaten sollte mindestens 3 mm betragen.

Es fehlen noch Ergebnisse der evidenzbasierten Medizin, die die Wirksamkeit von Implantattherapien nach strengen wissenschaftlichen Kriterien beurteilen (Implantaterfolg und Tübinger Implantatregister).

Unabdingbar für eine lange Überlebensrate sind optimierte okklusale Verhältnisse der Suprakonstruktion und eine optimale Mundhygiene.

Implantate werden - bis auf wenige Ausnahmen - nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt oder bezuschusst (Stand 2013, Festzuschuss). Suprakonstruktionen sowie Reparaturen/Erneuerungen der Suprakonstruktion werden mit einem Festzuschuss bedacht.

Behandlung in der Praxis

Eine ausführliche Patienteninformation zum Zahnimplantat – Ablauf vom ersten Termin bis zur fertigen Krone, mit Vor- und Nachteilen, Materialwahl und häufigen Fragen – finden Sie auf der Behandlungsseite:

Zahnimplantat – Ablauf und Patientenfälle

Für spezielle Implantatkonzepte siehe auch:

Unser KI-Berater schlägt ein Implantat typischerweise vor, wenn ein einzelner Zahn fehlt und Sie eine festsitzende Lösung möchten, ohne die Nachbarzähne zu beschleifen.