Periimplantitis
Synonym: Peri-Implantitis, Implantatentzündung
Periimplantitis bezeichnet krankhafte Veränderungen des Implantat-umgebenden Gewebes, unterteilt in: periimplantäre Mukositis bei Vorliegen einer Entzündung des Weichgewebes um das Implantat herum, welche in der Regel reversibel ist; Periimplantitis marginalis bei zusätzlich vorhandenem und fortschreitendem Knochenabbau, welche in der Regel nicht reversibel ist und durch chirurgische Interventionen nur bedingt zu beherrschen ist; retrograde Periimplantitis, bedingt durch verbliebenes Narben- und Granulationsgewebe an der Empfängerstelle (Implantatbett). Diese seltene Komplikation ist in der Regel gut durch eine Kürettage des betroffenen Gebiets (gegebenenfalls unter zusätzlicher Verwendung von Knochenersatzmaterialien) zu beherrschen. Behandlungsbedürftige Entzündungen des umgebenden Gewebes wurden nach einem Bericht des "Tübinger Implantatregisters" (2010) bei 20 Prozent der Implantate festgestellt. Die Fortschritte in der Entwicklung enossaler Implantate haben lange Überlebenszeiten der Implantatversorgungen möglich gemacht. Dennoch führen entzündliche Veränderungen des umgebenden Gewebes und Knochenabbau bei der marginalen Periimplantitis zum Verlust dieser künstlichen Zahnwurzeln. Unbehandelt führt die Periimplantitis zum Verlust des Implantats; die dadurch entstandenen Knochendefekte (manchmal erheblich) machen eine Neu-Implantation ohne knochenaufbauende Maßnahmen (Augmentation) meist unmöglich. Zu den auslösenden Faktoren (Ätiologie) bestehen noch Unsicherheiten. Die Periimplantitis wird als ein multifaktorielles Geschehen angesehen, wobei neben bakteriellen Infektionen bei verminderter Abwehrlage und unzureichender Implantatpflege vor allem biomechanische Faktoren bei ungünstigen Knochenverhältnissen ("Implantatbett"), ungünstiger (statischer) Anzahl und Platzierung, schlechter Passung der Suprakonstruktion und Parafunktionen als Ursachen angesehen werden. Als zusätzliche Risikofaktoren einer Periimplantitis gelten eine bestehende bzw. nicht kontrollierte Parodontitis, Nikotingenuss, nicht eingestellter Diabetes, Fehlen von befestigter Gingiva und mangelnde Mundhygiene. Das wichtigste Ziel bei der Behandlung einer Periimplantitis ist die Beseitigung der Erreger, die die Oberfläche des Implantats und umliegendes Gewebe besiedelt haben. Hierzu werden meist mechanisches Debridement und antiseptische Maßnahmen (Spülungen, lokale Chemotherapeutika) eingesetzt. Ebenso werden CO2- oder Er:YAG-Laser, die aufgrund der spezifischen Wellenlänge das Implantat nur geringfügig erhitzen, oder UV-Strahlung mit einer Intensität von 49 µW cm-2 zur Stimulation der Implantatoberfläche angewendet. Untersuchungen zeigen, dass die Applikation von Doxycyclin in Form resorbierbarer Depot-Präparate (z.B. Atridox®) zusätzlich zu einer lokalen Debridment-Entfernung bei einer Periimplantitis einen verbesserten Attachmentlevel und geringere Sondierungstiefen der betroffenen Gewebe bewirkt. Gleichwohl sind die Erfolge bei der Behandlung der Periimplantitis als nicht befriedigend anzusehen.