Osseointegration
Osseointegration, auch Implantatknochenverbund oder “ankylotische Verbindung” genannt, bezeichnet den direkten Verbund von funktionell belasteten Implantatoberflächen mit dem umgebenden Alveolarknochen ohne die Zwischenlagerung von Bindegewebe (“Neo-Periodont”) (Biointegration). Im Gegensatz zur “federnden” Aufhängung eines natürlichen Zahnes im Alveolarknochen, bei der der Zahn über das Desmodont federnd aufgehängt ist – die Federung erlaubt ein Nachgeben (“Intrusion”) des Zahnes bei einer vertikalen Belastung bis zu ca. 20 µm während des Kaudrucks – gibt die starre Implantatverankerung nur noch um ca. 2 µm im Alveolarknochen nach. Während man unter Osseointegration in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts allein die rein mechanische Verankerung des Implantates im Knochen verstand, wird diese Verankerung heute als fließender Prozess zwischen Knochen und Implantatoberfläche betrachtet. Eine gute Osseointegration trägt entscheidend zum Langzeiterfolg eines Implantats bei. Für eine regelrechte Osseointegration müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Passgenauigkeit zwischen Implantatbohrung im Knochen (“Implantatschacht”) und Implantat, primäre Stabilität (Knochenlager) und eine angepasste Belastung während der Einheilphase. Weiter muss ein bioinertes oder bioaktives Implantatmaterial vorliegen, und das Implantatdesign sowie die Mikromorphologie müssen für die Knochenanlagerung attraktiv (osteophil) sein. Bei therapierten Osteoporose-Patienten ist Folgendes zu beachten: Bisphosphonate wirken dem Knochenabbau entgegen, indem sie die Knochenresorption hemmen. Der so verlangsamte Knochenstoffwechsel behindert die Einheilung von Implantaten. Überbelastungen (“Overload”) führen aufgrund eines fehlenden Desmodontalspalts nicht zu einer funktionellen Anpassung des Organismus, sondern zu Beschädigungen des Implantats bzw. seiner Suprakonstruktion oder verhindern eine regelrechte Osseointegration. Beim Fehlen einer attached Gingiva besteht ein zehnfach erhöhtes Risiko für einen Implantatverlust. Deshalb muss das chirurgische Vorgehen immer so gewählt werden, dass nach dem Einbringen ein ausreichendes Maß an attached Gingiva vorhanden ist – ggf. muss diese chirurgisch geschaffen werden. Alle modernen Verfahren der Oberflächenaufrauung der Implantatoberfläche führen bei ungestörtem Heilungsverlauf zu einer Osseointegration innerhalb von 3-4 Monaten. Glatte Oberflächen (machined surface) haben eine wesentlich längere Osseointegration. Kommen mehrere Implantate nebeneinander zum Einsatz, sollte mit einem Abstand von mindestens 3 mm inseriert werden, da es sonst im Rahmen der Ausbildung der biologischen Breite zu sich überlappenden Knochenresorptionen kommt und sich keine Interdentalpapille ausbilden kann. Der Abstand vom Implantat zu einem natürlichen Nachbarzahn sollte mindestens 1,5 mm betragen und 5 mm nicht überschreiten, da sich sonst ebenfalls keine regelrechte Papille bildet. In der Forschung (Stand 2008) werden folgende Oberflächenmodifikationen von Implantaten – in der Regel auf Titanbasis – verfolgt, um eine optimale Osseointegration zu erreichen: Verstärkung der “Kristallinität” und/oder Dicke der Titanoxidschicht, Schaffung einer geeigneten Mikrostruktur der Titanoxidoberfläche und Anreicherung der Grenz(ober)flächen mit schnell löslichen Kalzium-Phosphaten und organischen Substanzen.