Zum Hauptinhalt springen

Sofortbelastung

Synonym: Sofortimplantation, sofortige Funktion, Sofortversorgung, direkte Belastung · Englisch: "immediate loading"

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Sofortbelastung von Implantaten, auch Sofortversorgung genannt, wird unterteilt in: “sofort funktionell belastet” (Immediate Functional Loading, IFL) und “sofort außer Okklusion belastet” (Immediate Non-Functional Loading, INFL). Es handelt sich um ein wissenschaftlich umstrittenes Verfahren (2010), das in Laienmedien häufig hervorgehoben wird. Dabei wird die bei konventionellen Verfahren übliche Wartezeit für das Einheilen (~ 3 Monate im Unterkiefer, ~ 5-6 Monate im Oberkiefer) ignoriert, was die Gesamtbehandlungszeit der Implantattherapie entscheidend verkürzt. Die konventionelle Wartezeit wurde von einem der Väter der modernen Implantologie, Prof. Per-Ingvar Branemark, mit dem Konzept der “unbelasteten Einheilung” definiert und gilt (2010) für viele Implantologen als Goldstandard. Allerdings scheint sich durch Fortschritte bei der Planung und besseren Kenntnissen der Einheilungsprozesse ein Umdenken anzubahnen. Offensichtlich sind jedoch die individuellen biologischen Gegebenheiten bei einer Sofortbelastung nicht vorhersehbar. Wenn angewandt, sollte das Verfahren der Sofortbelastung auf Rekonstruktionen ganzer Kiefer beschränkt bleiben (die Suprakonstruktion wirkt dann stabilisierend als Schienung) und das Implantat eine gute primäre Stabilität aufweisen (Insertions-Drehmoment von mindestens 30 Ncm). Die sofort belastete Suprakonstruktion sollte in diesen Fällen nur provisorisch zementiert oder verschraubt werden und keinesfalls vor Ablauf von 2 – 3 Monaten wieder abgenommen werden, da eine Manipulation an den frischen Implantaten deren Osseointegration erheblich beeinträchtigen kann. Nirgends definiert ist bisher (2006) die Zeitspanne für den Begriff “Sofort-”. In der Literatur tauchen dafür Zeiträume von einem Tag bis zu 14 Tagen nach Implantatinsertion auf. Auch erlaubt das bisher vorliegende Datenmaterial (2010) keine Rückschlüsse im Sinne einer Evidenz darauf, ob die Sofortbelastung dem konventionellen Vorgehen ebenbürtig, besser oder schlechter ist. Eine direkte Versorgung von Einzelzahnimplantaten mit unbelasteten provisorischen Kronen ist dagegen bei guter Knochenqualität unproblematisch, da diese Provisorien frei von okklusalen und funktionellen Belastungen sind. Korrekt sollte man hierbei aber nicht von Sofortbelastung sprechen, sondern von einem individuellen “Heilungsbehelf” (“healing abutment”). In Laienkreisen bestehen oft Begriffsverwechslungen zwischen Sofortbelastung und Sofortimplantation, wobei der Implantationszeitpunkt, die Osseointegration und andere Aspekte oft nicht klar voneinander abgegrenzt werden.