Bisphosphonate
Englisch: do.
Pyrophosphat-Derivate, wobei der Sauerstoff der P-O-P Bindung durch Kohlenstoff ersetzt wird. Dies bewirkt, dass im Körper keine enzymatische Hydrolyse stattfinden kann. Einsatz vor allem bei der unterstützenden Osteoporose-Behandlung und in höheren Dosen zur begleitenden Chemotherapie bei Knochentumoren, um die Knochen zu stabilisieren, Metastasenbildung am Knochen zu verhindern sowie Knochenschmerzen zu lindern (s.u.). Da sie die Wirkung der Osteoklasten hemmen, bewirken sie eine verminderte Knochenresorption und das Erscheinungsbild von denudierten (oberflächlich angegriffenen) Knochenoberflächen. B. verhindern die Erneuerung von altem und geschädigtem Knochen, wodurch er spröde wird und langfristig zu Frakturen neigt. Die Halbwertszeit der B. im Knochen beträgt viele Jahre (~ 10-15 J); bei den oral verabreichten Präparaten sollen die Halbwertzeiten geringer sein (bei intravenöser Injektion reichern sich B. im Knochen 143mal schneller an, als nach oraler Verabreichung). Auch nach Absetzen der B. hält der störende Einfluss noch lange nach - B. sind - besonders, wenn i.v. verabreicht - u.U. eine mögliche Kontraindikation in der Implantologie. In neuerer Zeit gelten B. der "zweiten Generation" (Pamidronat, Zoledronat) in höheren Dosen als Standardtherapie bei skelettalen Metastasen verschiedener Krebsarten sowie zur Prävention einer tumorbedingten Hyperkalzämie. Der so verlangsamte Knochenstoffwechsel findet besonders im Kieferknochen (mit Bevorzugung des Unterkiefers) statt ("die Inzidenz der Kiefernekrosen bei Bisphosphonattherapie liegt bei der Indikation Osteoporose bei unter eins zu 10.000"; Professor Bruno Allolio, Universität Würzburg beim Praxis Update 2009) und behindert u.U. aber auch die Einheilung von Implantaten. Es kann im Bereich des Kieferknochens zu einer sog. " Bisphosphonat-induzierten Osteonekrose " (BION) (Bisphosphonate Related Osteonekrosis (BRON)) kommen, verbunden mit einem erhöhten Vorkommen eines foetor ex ore (durch putride Exudation aus einem Fistelgang). Als Ursache für die Tatsache, dass der Kieferknochen ungleich höher als das übrige Skelett von gravierenden Heilungsstörungen betroffen ist, wird die hoch konzentrierte Keimkolonisierung im Mund - etwa bei der Sekundärheilung einer Extraktionsalveole - vermutet. Das bereits 2005 gegründete bundesweite Zentralregister zur Erfassung von Kiefernekrosen unter der Langzeittherapie mit B. an der Berliner Charité zeigt: Von den Osteoporose-Patienten entwickelt nur einer von 13.600 eine Kiefernekrose. Den Auswertungen zufolge sind unter den Osteoporose-Patienten besonders Raucher gefährdet sowie Diabetiker und Menschen, die unter chronisch-entzündlichen Erkrankungen leiden. Bei den Tumor-Patienten, wo die Dosierung beträchtlich höher liegt, sind wesentlich mehr Patienten betroffen - je nach Studie bei drei bis zehn Prozent der behandelten Fälle. Die Universität Heidelberg schreibt dazu: " Bisphosphonate sind osteotrope Medikamente, die in den letzten 40 Jahren zur Behandlung und Diagnostik metabolischer Knochenerkrankungen entwickelt wurden. Seit den 70er Jahren werden Bisphosphonate bei der Prävention und Behandlung skelettaler Komplikationen des Multiplen Myeloms und ossärer Metastasen unterschiedlicher solider Tumoren eingesetzt. Die Therapie mit Bisphosphonaten bei der postmenopausalen und Glukokortikoid-induzierten Osteoporose, sowie bei der Osteoporose des Mannes und der Behandlung der Osteogenesis imperfecta ist heute etabliert [1]. Nach der Aufnahme des Bisphosphonates in das Skelett erfolgt die erneute Freisetzung nur, wenn das betroffene Knochensegment umgebaut wird. Wiederholte Gaben führen zur Akkumulation von Bisphosphonat in der Knochenmatrix. Die Knochenhalbwertzeit ist von der jeweiligen Umsatzrate abhängig und wird beispielsweise für Alendronat beim Menschen auf über 10 Jahre eingeschätzt [2]. " Hinweise auf die Medikamenten-Zugehörigkeit zur Gruppe der Bisphosphonate liefert die Endung „-dronat“ oder auch „-dronsäure“ am Namen des Medikamentenwirkstoffs. Da es z.Zt. noch keine allgemeingültige Vorgehensweise gibt, derartige Komplikationen zu vermeiden, sollte versucht werden, existierende und potenzielle Infektionsherde schon vor Beginn der B.-Therapie zu beseitigen. Ist bereits freiliegender Knochen sichtbar, wird die Verabreichung von Langzeit-Antibiotika (Antibiotikaprophylaxe) und antimikrobiellen Spüllösungen empfohlen. BRONJ, Implantat: Risikofaktoren, Osteogenesis imperfecta, Osteoporose So behandeln Sie Bisphosphonat-Patienten (zm, 20) Die Früherkennung medikamentenbedingter Osteonekrose ist möglich! (zm, 2020) Medikamenten-assoziierte Kiefernekrosen (zm, 20) Osteoporose: Neue Medikamente bauen Knochen ohne Kiefernekrose-Risiko auf (20) Bisphosphonat induzierte Kiefernekrose (BRONJ) Behandlungsempfehlungen - Interdisziplinäre Sprechstunde für Risikopatienten unter Bisphosphonattherapie (2013) oder © Freudlsperger/Bodem Patientenbezogener Laufzettel "Überweisung / Konsil vor Bisphosphonat-Therapie" Der besondere Fall aus „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ Aus diesen Schäden wird man klug (zm, 2017) Pathogenese Bisphosphonat-assoziierter Osteonekrose (ZWP / 2014) Welche Bisphosphonate gibt es? (mit Nebenwirkungen und Einnahmevorschriften) (2017)