Osteoporose
Synonym: Knochenschwund, Osteopenie (im Frühstadium) · Englisch: osteoporosis
Osteoporose: Die genauen wissenschaftlichen Zusammenhänge sind jedoch noch nicht geklärt. Bei sonst normalem Allgemeinzustand (Vorsicht bei Diabetes, Alkohol- oder Nikotinabusus, Immunerkrankungen) ist keine Kontraindikation für eine Implantation gegeben (Cave: Bisphosphonate in der Osteoporose-Therapie). Die Ursachen einer relativen Unempfindlichkeit der Kieferknochen könnten auch entwicklungsgeschichtlich bedingt sein. Fast das gesamte Kopfskelett wird aus mesenchymalen Vorläuferzellen gebildet, die sich direkt in knochenbildende Osteoblasten differenzieren. Im Gegensatz dazu bilden sich Langknochen oder die Wirbelsäule über eine indirekte Osteogenese mit knorpeligen Zwischenschritten. In Deutschland (2008) hatten 7,8 Millionen Menschen über 50 Osteoporose, davon 6,5 Millionen Frauen und 1,3 Millionen Männer. Jede vierte Frau über 50 ist betroffen, und jeder zweite Mensch über 75 hat Knochenschwund. Eine häufige Komplikation sind Hüftknochenbrüche. Panoramaaufnahmen von Ober- und Unterkiefer – routinemäßig in Zahnarztpraxen bei Risikogruppen durchgeführt – könnten als Osteoporose-Screening dienen. Patienten mit niedriger Knochendichte könnten auf diese Weise möglicherweise identifiziert werden. Eine endgültige wissenschaftliche Stellungnahme zur generellen Tauglichkeit solcher Untersuchungen steht jedoch noch aus (2005). Bei der Behandlung von Patienten mit Osteoporose stehen Kalzium (Ca) und Vitamin D im Vordergrund. Die Kombination dieser beiden Elemente gehört zur Basistherapie, auch wenn zusätzlich mit spezifischen Osteoporose-Therapeutika wie Bisphosphonaten erfolgreich behandelt werden kann. Bisphosphonate, die auch als Standardtherapie für skelettale Metastasen bei verschiedenen Krebsarten gelten, wirken dem Knochenabbau entgegen, indem sie die Knochenresorption hemmen. Der verlangsamte Knochenstoffwechsel kann beispielsweise die Einheilung von Implantaten verhindern, besonders bei Patienten, die Stickstoff enthaltende Bisphosphonate wie Pamidronat und Zoledronat intravenös erhalten haben. Besonders problematisch ist die lange Halbwertszeit der Bisphosphonate, die etwa 12 Jahre beträgt. Marktübliche Bisphosphonate (2005, mit Wirkstoffen in Klammern) sind: Actonel (Risedronat), Aredia (Pamidronsäure), Bondronat (Ibandronsäure), Bonefos (Clodronsäure), Clodron Didronel (Etidronsäure), Fosamax (Alendronsäure), Ostac (Clodronsäure), Skelid (Tiludronsäure) und Zometa (Zoledronsäure). Da es derzeit keine allgemeingültige Vorgehensweise gibt, um derartige Komplikationen zu vermeiden, sollte versucht werden, existierende und potenzielle Infektionsherde schon vor Beginn der Bisphosphonat-Therapie zu beseitigen. Bei freiliegendem Knochen wird die Verabreichung von Antibiotika und antimikrobiellen Spüllösungen empfohlen. Bei Patienten mit einer oralen Bisphosphonatbehandlung von über 3 Jahren und einer begleitenden Behandlung mit Corticoiden sollten zusätzliche Tests und Therapien vor einer Implantation im Vordergrund stehen. “Die Inzidenz der Kiefernekrosen bei Bisphosphonattherapie liegt bei der Indikation Osteoporose bei unter eins zu 10.000”, Professor Bruno Allolio, Universität Würzburg, beim Praxis Update 2009. Weitere Quellen: Osteopetrose, Osteoporose: Neue Medikamente bauen Knochen ohne Kiefernekrose-Risiko (2018), Osteoporose – Wenn der Knochen schwindet (ZM, 2016), Implantat: Risikofaktoren, Parodontitis-Risiko, Patientenbezogener Laufzettel “Überweisung / Konsil vor Bisphosphonat-Therapie”, Pathogenese der Bisphosphonat-assoziierten Osteonekrose (ZWP / 2014). Weitere Informationen unter www.osteoporose.org und www.aerztezeitung.de. Bisphosphonattabelle (Medikamente; © Schleswig-Holsteinisches Ärztblatt 3/2009).