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Xerostomie

Synonym: Mundtrockenheit, Hyposalivation, Oligosialie · Englisch: mouth dryness, xerostomia

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Xerostomie bezeichnet eine pathologisch verminderte Speichelproduktion, die mit einem subjektiven Gefühl der Mundtrockenheit einhergeht. Zahnmedizinisch ist sie relevant, da sie das Risiko für Zahnhalskaries, orale Infektionen und eine verstärkte mechanische Abnutzung der Zähne (Attrition) erhöht. Bei Xerostomie kann sich eine Karies bis zu 15-mal schneller entwickeln als unter normalen Speichelbedingungen.

Ursachen Xerostomie kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein:

  • Erkrankungen der Speicheldrüsen (z. B. Sjögren-Syndrom, Sialadenitis)
  • Medikamente (v. a. Psychopharmaka, Antihistaminika, Antihypertensiva, Diuretika, Zytostatika)
  • Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich (irreversible Schädigung der Speicheldrüsen ab Dosen >50 Gy)
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Sjögren-Syndrom mit lymphozytärer Infiltration der Speicheldrüsen)
  • Dehydrierung (ungenügende Flüssigkeitszufuhr, extreme Hitzeexposition)
  • Zentrale und periphere neurologische Störungen (Alters-Mundtrockenheit, Stress, Radiojodtherapie)

Speichelfluss-Klassifikation

  • Normal (physiologisch): 2,0 ml/min (bei Stimulation), 0,3–0,4 ml/min (Ruhe)
  • Oligosialie (eingeschränkter Speichelfluss): 0,5–2,0 ml/min (Stimulation), <0,3 ml/min (Ruhe)
  • Xerostomie: <0,5 ml/min (Stimulation), <0,2 ml/min (Ruhe), oft hohe Viskosität und schaumige Konsistenz
  • Aptyalismus (Asialie): vollständiges Fehlen der Speichelproduktion
  • Polysialie (Ptyalismus): übermäßiger Speichelfluss

Folgen der Xerostomie

  • Beeinträchtigtes Kauen, Schlucken und Sprechen
  • Geschmacksstörungen
  • Erhöhte Anfälligkeit für orale Infektionen (insbesondere Candida-Befall)
  • Fehl- und Mangelernährung durch Umstellung auf weiche, kalorienreiche Kost
  • Erhöhtes Kariesrisiko durch verminderte Remineralisation und reduzierte Spülwirkung des Speichels

Therapie Die Behandlung der Xerostomie ist symptomatisch und zielt darauf ab, den Speichelfluss zu stimulieren oder zu ersetzen:

Allgemeine Maßnahmen:

  • Erhöhte Flüssigkeitszufuhr (Wasser, Tee)
  • Speichelstimulation (zuckerfreie Kaugummis, saure Lebensmittel – mit Vorsicht wegen Zahnerosion)
  • Luftbefeuchtung zur Reduktion der Mundtrockenheit

Medikamentöse Therapie:

  • Pilocarpin (2,5 mg 3× täglich, wenn Restaktivität der Speicheldrüsen vorhanden)
  • Physostigmin-Mundspray (Cholinesteraseinhibitor)

Speichelersatz und neue Therapiekonzepte:

  • Speichelersatzmittel (z. B. auf Enzymbasis)
  • Medikamentenreservoirs in Tiefziehschienen (Saliprotect®)
  • Herausnehmbare Befeuchtungssysteme mit kontrollierter Speichelersatz-Freisetzung

Ernährung:

  • Speichelanregende Lebensmittel (harter Käse, Nüsse, faserreiche Kost)

Strenge Mundhygiene:

  • Fluoridhaltige Zahnpflegeprodukte zur Kariesprophylaxe
  • Antimikrobielle Spüllösungen zur Reduktion oraler Infektionen

Die frühzeitige Diagnostik und konsequente Therapie der Xerostomie sind essenziell, um gravierende Folgeschäden wie Strahlenkaries, Infektionen und funktionelle Beeinträchtigungen zu vermeiden.