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Strahlentherapie

Synonym: Radiotherapie, Bestrahlung, Röntgentherapie, Strahlentherapeutische Behandlung, Ionisierende Strahlung, Strahlenbehandlung, Strahlenmedizin, therapeutische Strahlung · Englisch: radiotherapy, radiation treatment

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Strahlentherapie bezeichnet die Therapie mit ionisierenden Strahlen, meist in Form von Röntgenstrahlen, zur Verminderung oder Ausschaltung des Zellwachstums bei bösartigen Geschwülsten. Sie wird entweder isoliert oder in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) eingesetzt. Besonders in der Tumortherapie, wie bei Mundhöhlenkarzinomen, gibt es wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten darüber, ob vor oder nach einer Operation bestrahlt werden sollte. Aus chirurgischen Gründen wird meist die nachträgliche Bestrahlung bevorzugt. Bei Patienten, die mit simultaner Radiochemotherapie behandelt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Speicheldrüsen (Strahlensialadenitis) im Mundbereich wesentlich erhöht, wobei diese Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Strahlendosis deutlich steigt. Patienten mit kombinierter Radiochemotherapie sind daher einem höheren Risiko ausgesetzt, infolge der onkologischen Behandlung und der damit verbundenen Störung der Speicheldrüsen (Sialadenitis) unter unangenehmer Mundtrockenheit (Xerostomie) zu leiden. Das Grundprinzip der Strahlentherapie besagt, dass durch Strahlen vorgeschädigte Zellen sich durch Reparaturvorgänge an DNA und RNA wieder erholen können. Durch die Zufuhr mehrerer kleinerer Einzeldosen (fraktionierte Bestrahlung) kann sich gesundes Gewebe besser erholen, während Tumorzellen weniger in der Lage sind, sich zu reparieren. Etwa 60 bis 70 Prozent der Krebspatienten erhalten im Laufe ihrer Behandlung Strahlentherapie. Dank rasanter technischer Entwicklungen ist inzwischen eine sehr präzise Planung der Behandlung möglich. Diese erfolgt intensitätsmoduliert und navigationsgesteuert, basierend auf bildgebenden Verfahren wie CT, Magnetresonanztomographie und Positronenemissionstomographie. Tiefgehende Eingriffe in die Körperbiologie haben immer Nebeneffekte, die oft irreversibel sind und eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität mit sich bringen. Die häufigste Begleiterscheinung im zahnärztlichen Bereich ist die Mukositis, deren Ausprägung von Art, Dosis und Dauer der Bestrahlung abhängt. Naturgemäß wird die gesunde Schleimhaut in der Umgebung des Tumors ebenso geschädigt wie das neoplastische Gewebe. Der Schweregrad reicht von leichten erythematösen Schleimhautreizungen über epithelialen Zusammenbruch bis hin zu schweren Ulzerationen, die starke Schmerzen verursachen können. Alle Stadien gehen mit einer entsprechenden Beeinträchtigung der Nahrungsaufnahme einher, und im Extremfall kann eine künstliche Ernährung notwendig werden. Speicheldrüsen sind hochgradig radiosensitiv. Auch zwei Jahre nach Ende der Strahlentherapie erholte sich die Speichelsekretion der Krebspatienten nicht nennenswert. Der Schweregrad dieses Schadens scheint ausschließlich von der verabreichten Gesamtstrahlendosis abzuhängen. Die durch Bestrahlung ausgelöste Unterfunktion oder permanente Schädigung der Speicheldrüsen und der daraus resultierende qualitativ und quantitativ veränderte Speichelfluss können zu rasch fortschreitender Karies, Parodontitis, Candidiasis, Geschmacksstörungen, Zungenbrennen, Kau- und Schluckbeschwerden sowie Attrition führen. Patienten, die mit simultaner Radiochemotherapie behandelt wurden, sind einem höheren Risiko ausgesetzt, unter sehr unangenehmer Mundtrockenheit zu leiden. Ein weiteres gefürchtetes Problem ist die Osteoradionekrose. Eine gründliche Mundhygiene durch den Patienten sowie professionelle zahnärztliche Maßnahmen und regelmäßige Überwachungen (z. B. professionelle Zahnreinigungen) können diese Nebenwirkungen erheblich reduzieren.