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Tetracyclin

Synonym: Tetrazyklin · Englisch: tetracaycline

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Tetracyclin ist ein kostengünstiges Breitbandantibiotikum mit einer hohen Resistenzentwicklung (2004). Aus zahnärztlicher Sicht sollte es jedoch in der Schwangerschaft und im frühen Kindesalter nicht angewandt werden. Dies liegt daran, dass Tetracyclin als Chelatbildner das für den Knochen- und Zahnaufbau notwendige Kalzium bindet und so die biologische Verfügbarkeit dieses Grundstoffes stark herabsetzt. Zusammen mit Kalzium bildet sich ein schwer abbaubares Tetrazyklin-Kalzium-Orthophosphat, das irreversibel in die Zahnhartsubstanz eingelagert wird und dort verschiedene Verfärbungen hervorruft.

In nicht antibiotisch wirksamer Dosierung kann das Präparat (Doxycyclin) lokal bei entzündlichen Zahnfleischerkrankungen eingesetzt werden. Der massive Einsatz von Tetracyclin geht über die Humanmedizin hinaus und findet auch Anwendung in der Veterinärmedizin, bei Schiffsanstrichen und anderen Bereichen.

Zur Prävalenz der Zahnstörungen wird angegeben, dass 50-70% der Zähne beider Dentitionen betroffen sind, wenn die Mütter während der Schwangerschaft Tetracyclin eingenommen haben. Dosisabhängige Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt, die Bauchspeicheldrüse, die Leber, die Niere und das Knochensystem. Allergische Reaktionen sind selten, jedoch können auch Photosensibilisierung oder Blutgerinnungsstörungen beobachtet werden. Zahnmedizinisch bekannt sind Mineralisationsstörungen bei hoher Dosierung über längere Zeiträume während der Wachstumsphase der Zähne. Diese äußern sich vorwiegend in kosmetisch störenden gelblichen bis bräunlichen Mineralisationslinien, die möglicherweise auch Flecken umfassen, die im UV-Licht fluoreszieren. Außerdem kann ein dadurch bedingter weicher Zahnschmelz (Hypoplasie) auftreten.

Aus diesem Grund besteht aus zahnmedizinischer Sicht eine Gegenanzeige für die Verordnung von Tetracyclin bei Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat bis zur vollständigen Ausbildung der Zahnkronen der bleibenden Zähne des Kindes (ca. 7-9 Jahre). Tetracyclin wird in der Zahnheilkunde überwiegend bei der Behandlung von Zahnfleischerkrankungen und als Medikamentenzusatz eingesetzt, wobei eine zunehmende Resistenzbildung zu beobachten ist.

Wer Tetracyclin oral einnimmt, sollte es keinesfalls mit Milch konsumieren, da der Kalziumgehalt der Milch mit dem Arzneistoff einen nichtlöslichen Komplex bildet, der vom Körper nicht verarbeitet werden kann.

Das 1967 eingeführte Minozyklin, ein semisynthetisches Tetracyclin-Derivat, bietet im Vergleich zu anderen Tetracyclinen Vorteile wie eine verbesserte Resorption, gesteigerte antimikrobielle Aktivität und reduzierte Phototoxizität. Es wird hauptsächlich zur Behandlung von Akne und Arthritiden eingesetzt und ist bekannt dafür, spontane Verfärbungen der Gingiva und der Mundschleimhaut auszulösen. Eine häufige Nebenwirkung sind auch Verfärbungen des Knochens und der Zahnhartsubstanzen. Die genaue Pathogenese dieser Veränderungen ist noch weitgehend ungeklärt. Es wird vermutet, dass das Molekül eine Bindung mit spezifischen Kollagenen eingeht und durch nachfolgende Oxidation einen schwarzen Farbton hervorruft. Andere Wissenschaftler vermuten eine Beteiligung von Eisen, Lipofuscin, Melanin oder Abbauprodukten des Minozyklins bei der Entstehung dieser Veränderungen. Der Rückgang der Veränderungen kann Monate bis Jahre dauern und ist im Falle von Zahnverfärbungen durch eine schlechte Rückbildungstendenz gekennzeichnet.