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Intraligamentäre Anästhesie

Synonym: ILA, intradesmodontale Anästhesie, Einzelzahnanästhesie, Über-druckanästhesie · Englisch: intra-ligamentary anesthesia, periodontal ligament anesthesia (PDL), single tooth anesthesia

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Intraligamentäre Anästhesie ist eine spezielle Form der örtlichen Betäubung, die ins Ligamentum circulare über den Sulcus gingivalis erfolgt. Ziel ist die Schmerzausschaltung eines Einzelzahns mit einer Wirkungsdauer von etwa 45 Minuten. 1903 wurde diese spezielle Form der örtlichen Betäubung erstmals vom Zahnarzt Granjeon in Frankreich angewandt. Bis heute (2012) hat sie jedoch keine allgemeine Verbreitung gefunden.

Es gilt folgendes Prinzip: Mit einer speziellen "Druckspritze" (Druckinjektor, z.B. HSW SOFT - JECT®) wird eine geringe Menge (ca. 0,2 ml) eines Betäubungsmittels mit gefäßverengendem Zusatz (Lokalanästhetikum) durch eine sehr feine Injektionsnadel in das Desmodont (intraligamental, auch Periodontalligament genannt) zwischen Zahn und Kieferknochen eingebracht. Die Injektion dauert etwa 20 Sekunden. Die Injektionskraft sollte weniger als 3 Newton betragen. Die Injektion selbst sollte langsam über etwa 20–60 Sekunden erfolgen.

Das Anästhetikum breitet sich entlang der Zahnwurzel, aber auch stärker durch den umgebenden Knochen aus. Dadurch werden schnell die Nervenendigungen des Zahnes desensibilisiert. Innerhalb von ca. 30 Sekunden erreicht das Anästhetikum die Wurzelspitze und betäubt den Zahnnerv an der Zahn-Eintrittsstelle (Foramen apikale). Es gibt praktisch keine Latenzzeit zwischen Injektion und Eintritt der Anästhesie. Zur Injektion des Anästhetikums ins Desmodont ist nur ein geringer Druck erforderlich; bereits eine Krafteinwirkung von 5 Newton kann zu einer Zahnauslenkung in der Alveole führen.

Als Kanülen wurden systemadaptierte ILA-Injektionsnadeln mit einem Durchmesser von 0,3 Millimetern und einer kurzen Länge von 13 Millimetern mit extra kurzem Anschliff ausgewählt. Injektionsnadeln für die ILA sollten eine Länge von mindestens 12 Millimetern und höchstens 16 Millimetern haben. Die Vor- und Nachteile sind folgende:

  • Nur eine geringe Menge an Betäubungsflüssigkeit (ca. 0,2 ml) wird zur Schmerzausschaltung benötigt; auch Risikopatienten können problemlos behandelt werden.
  • Es tritt nur ein sehr geringer Einstichschmerz auf, da extrem dünne Nadeln verwendet werden.
  • Die Wirkung setzt sofort ein.
  • Nur der Zahn wird betäubt; das umgebende Gewebe (Wange, Lippe) und die Nachbarzähne bleiben empfindlich – kein Taubheitsgefühl in Wange, Zunge und Lippen.
  • Das Empfindungsvermögen ist nach ca. 30 Minuten wieder uneingeschränkt vorhanden.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Iatrogen bedingte Aufbissempfindlichkeit des betäubten Zahnes bis zu 24 Stunden, da das Desmodont injiziert wird. Diese Nebenwirkung kann durch die Wahl des richtigen Instrumentariums und der richtigen Technik durch einen erfahrenen Anwender vermieden werden.
  • Es können kleine Schleimhautnekrosen im Bereich der Einstichstelle auftreten. Bei zu hoher Druckausübung in der Interdentalpapille kann es zu deren Nekrose kommen.
  • Bei parodontal entzündeten Zähnen oder tiefen Zahnfleischtaschen ist keine Anwendung möglich.
  • Diese Technik ist nicht bei länger dauernden und tieferen (chirurgischen) Eingriffen anwendbar.
  • Wegen einer möglichen Gefahr der Bakteriämie gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Auffassungen zur Anwendung bei Patienten mit Endokarditis-Risiko (Antibiotikaschutz als Prophylaxe).

Die Hauptanwendungsgebiete der ILA sind:

  • Entfernung von Milchzähnen und kleinere chirurgische Eingriffe.
  • Präparationen an einzelnen Zähnen.
  • Differentialdiagnose örtlich nicht genau bestimmbarer Schmerzen, da mit dieser Technik nur ein einzelner Zahn betäubt wird.
  • Ergänzung der herkömmlichen Lokalanästhesie, wenn diese nicht ausreichend tief wirkt.
  • Behandlung von Risikopatienten, bei denen nur eine geringe Menge Anästhesie-Lösung injiziert werden soll (z.B. nach Herzinfarkten, kardialen Bypässen oder bei kreislauflabilen Patienten, aufgrund der deutlich geringeren erforderlichen Anästhetikamengen).
  • Entfernung von erkrankten Zahnnerven (Endodontische Behandlungen, Vitalexstirpation).

Zur sprachlichen Einordnung:

  • "Intraligamental" beschreibt die Richtung, in die das Anästhetikum appliziert wird und ggf. auch die Technik für diese Injektion.
  • "Intraligamentär" bezeichnet die Ausbreitung und Wirkung der Anästhesie.