Endokarditis
Synonym: Herzinnenhautentzündung, Endocarditis · Englisch: endocarditis
Endokarditis bezeichnet eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokard), insbesondere der Herzklappen. Unbehandelt führt diese Erkrankung nahezu immer zum Tod. Selbst unter Behandlung weist die durch Streptokokken verursachte Endokarditis lenta (klassische Endokarditis) eine Letalität von 5–10 % auf, während bei aggressiven Formen durch Staphylokokken die Sterblichkeit bis zu 75 % betragen kann. Die Inzidenz der bakteriellen Endokarditis liegt zwischen 20 und 60 Fällen pro 1 Million Einwohnern pro Jahr.
Pathophysiologie: Die Voraussetzung für die Entstehung einer Endokarditis ist das Eindringen von Keimen in die Blutbahn (Bakteriämie). Dabei kann bereits das Zähneputzen eine kurzzeitige Bakteriämie mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 % auslösen, allerdings mit geringer Keimlast. Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleisches, wie infizierte Zahnwurzeln oder Zahnfleischentzündungen, stellen hingegen signifikante Risikofaktoren dar.
Eine Studie aus dem Jahr 1998 gibt Aufschluss über die Ätiologie der bakteriellen Endokarditis:
- 15,1 % wurden durch orale Erkrankungen oder deren Therapie verursacht.
- 15,5 % durch Bakterien, die nicht aus der Mundhöhle stammen.
- 14,5 % durch (allgemein-)medizinische Eingriffe.
- 5,5 % durch Drogenkonsum.
- In 52,5 % der Fälle blieb die Ursache ungeklärt.
Endokarditisprophylaxe: Früher wurde aus forensischen Gründen bei sämtlichen zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen eine antibiotische Endokarditisprophylaxe durchgeführt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt dies heute nur noch für Patienten mit einem besonders hohen Risiko, wie z. B.:
- Träger von Klappenprothesen,
- Patienten nach überstandener Endokarditis,
- Personen mit zyanotischen angeborenen Herzfehlern oder Gefäßendoprothesen.
Das Risiko wird wie folgt eingeteilt:
- Hohes Risiko: Klappenprothesen, zyanotische Herzfehler, überstandene Endokarditis, Gefäßendoprothesen.
- Erhöhtes Risiko: Angeborene Herzklappenfehler, erworbene rheumatische und nicht-rheumatische Herzklappenfehler, Zustand nach Herztransplantation.
- Ohne oder unsicheres Risiko: Herzschrittmacher, Zustand nach Bypassoperation, operierte Herzfehler ohne Restbefund.
Die Notwendigkeit einer Antibiotikaprophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen wird zunehmend kritisch betrachtet und auf Risikogruppen beschränkt.