Lokalanästhesie
Synonym: örtliche Betäubung, Regionalanästhesie · Englisch: local anesthesia
Lokalanästhesie in der ZHK wird untergliedert in die Infiltrationsanästhesie, Leitungsanästhesie, terminale Anästhesie, Oberflächenanästhesie, intraligamentäre Anästhesie, intraossäre Anästhesie, diagnostische Lokalanästhesie und Heilanästhesie. Die zahnärztliche Lokalanästhesie hat heute eine sehr hohe therapeutische Sicherheit; schwerwiegende Nebenwirkungen oder gar Todesfälle sind seltener als bei der Einnahme von ASS oder Paracetamol. So wurde auf der DGZMK-Jahrestagung (2003) berichtet: Bei der Untersuchung von Nebenwirkungen eines bestimmten Präparates (Ultracain, Lokalanästhetika) über 25 Jahre (1975-2000) wurden insgesamt 3.335 Nebenwirkungen nach 775 Millionen Injektionen mit möglichem Zusammenhang gemeldet, 357 davon wurden als schwerwiegend eingestuft; 5 Todesfälle könnten in einem Zusammenhang stehen. Somit beträgt die Inzidenz von unerwünschten, schwerwiegenden Ereignissen 0,77 bei einer Million Injektionen; die von möglichen Todesfällen 0,0065 bei einer Million Injektionen. Untersuchungen ergaben, dass zwar 82,5 % aller Patienten irgendeine Art der Schmerzausschaltung unbedingt wünschen, immerhin 52,5 % aber eine zahnärztliche Behandlung aus Angst vor einer Spritze verzögern oder gar ganz vermeiden. Der Wirkungseintritt bei den klassischen Injektionsmethoden (Infiltrationsanästhesie, Leitungsanästhesie) erfolgt in der Regel rasch (1-2 Minuten), wobei dieser im Oberkiefer schneller eintritt, da das Medikament leichter den (spongiösen) Knochen durchdringt. Im Unterkiefer, wo im Seitenzahngebiet eine andere Technik angewendet werden muss, der Einstichpunkt individuell verschieden liegt und der Nerveintritt in den Unterkieferknochen anatomische Variationen aufweist (Leitungsanästhesie), kann eine längere Verzögerung (5-10 Minuten) möglich sein; unter Umständen ist eine Wiederholung der Injektion an leicht verändertem Einstichpunkt und Einstichrichtung nötig. Alternative Methoden, wie die intraligamentäre Technik, zeichnen sich durch einen sofortigen Wirkungseintritt aus, sind jedoch nicht für alle Eingriffe (besonders chirurgische) geeignet. Medikamente und besonders Koffein (starker Kaffee vor der Behandlung) können die Tiefe der Wirkung individuell stark beeinträchtigen; echte Anästhesieversager sind extrem selten und können durch Wechseln auf ein anderes Medikament (Lokalanästhetikum) kompensiert werden. Die Wirkungsdauer beträgt in der Regel 30-90 Minuten bei abnehmender Tendenz der Wirkungstiefe; die unangenehmen Begleiterscheinungen (Taubheit der Gesichtsweichteile, "taube Lippe oder Backe") klingen etwa nach 3 Stunden ab. Während und nach einer Lokalanästhesie können – wenn auch sehr selten – allgemeine und örtliche Komplikationen auftreten. Dazu zählen: Unruhe, Zittern, Schwindelgefühl, Herzklopfen und Ohnmacht. Ernste Komplikationen stehen zumeist mit einer Grunderkrankung in Verbindung. Örtliche Komplikationen betreffen länger anhaltende Gefühlsstörungen oder Missempfindungen, Blutungen oder Blutergüsse, vorübergehende Lähmungen des Gesichtsnerven (Fazialislähmung), Kanülenbruch, Einatmen oder Verschlucken der Injektionskanüle. Allergische Reaktionen werden auf die früher beigemischten Konservierungsstoffe (Parabene) und nicht auf das Lokalanästhetikum selbst beobachtet – aus diesem Grund sind heute die meisten Standardpräparate parabenfrei. In der zahnärztlichen Praxis gelten als "klassische Methoden" die Infiltrationsanästhesie und die Leitungsanästhesie. In jüngerer Zeit kommt häufig noch die Schmerzausschaltung mittels intraligamentärer Anästhesie in Betracht. Während bei der Infiltrationsanästhesie örtlich die sensiblen Nervenendigungen durch Umspritzen des Behandlungsbereiches und Injektion direkt unter die Haut bzw. Schleimhaut ausgeschaltet werden, blockiert eine Leitungsanästhesie die Reizweiterleitung im Versorgungsgebiet des jeweiligen Nervs – dies ist in der Regel in der ZHK der Unterkiefernerv (N. mandibularis). Weiterhin kommen eine Ausschaltung der Nn. buccalis, mentalis, infraorbitalis, nasopalatinus und alveolares maxillares posteriores in Betracht. Als Nachteile der klassischen Methoden gelten allgemein primäre Anästhesieversager (bis zu 20 % bei Leitungsanästhesien im Unterkiefer), ein verzögerter Wirkungseintritt von 2 Minuten und länger, ein bis zu 4 Stunden anhaltendes "taubes Gefühl" mit entsprechenden Behinderungen beim Essen und Sprechen und in seltenen Fällen Nervschädigungen (Läsionen, Gefühlsstörungen usw.); unter Umständen unbeabsichtigte Aufbissverletzungen (Morsus). Die intraligamentäre Anästhesie kennt diese Nachteile nicht, kann aber nicht bei krankhaften Zahnfleischtaschen angewandt werden; ebenso sind chirurgische Eingriffe damit kaum möglich. Der früher beschriebene Druckschmerz nach Abklingen dieser Betäubungsart kann mittels moderner Injektionssysteme mit dosierbarem Druck weitgehend vermieden werden. Als eine Art "Antidot" zu den Lokalanästhetika existiert das Präparat "OraVerse ®", welches das Taubheitsgefühl etwa um die Hälfte verkürzt.
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