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Knirschen

Synonym: Knirschen · Englisch: grinding

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Knirschen ist ein unbewusst ablaufender Kontakt, bei dem die Zähne des Unterkiefers an denen des Oberkiefers aneinandergereiht werden. Dies ist häufig mit Spannungskopfschmerzen und Muskelverspannungen im Nackenbereich verbunden. Weltweite Studien zeigen, dass bis zu 70 % aller Menschen Anzeichen funktionaler Störungen aufweisen, wobei etwa 15 % krankhafte Befunde entwickeln. Laut der Bundeszahnärztekammer (BZÄK, 2011) knirschen in Deutschland etwa 8–15 % der Frauen und 3–10 % der Männer. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen.

Knirschen tritt meist nachts in der sogenannten REM-Schlafphase (rapid eye movement) auf und wird häufig als Folge von "intellektuellem Stress" angesehen. Direkte Kontakte zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers beschränken sich normalerweise auf den Kau- und Schluckvorgang. Beim Kauen, das etwa 40 Minuten pro Tag dauert, wirken Kräfte von etwa 20–30 Newton, wobei die Kaumuskulatur ausreichend Erholungszeit hat. Beim Knirschen sind die Belastungen jedoch deutlich höher und können bis zu 950 Newton betragen. Dies kann bei längerem Anhalten zu schweren Schädigungen des Zahnhalteapparats, erheblichem Materialverlust an den Zahnkauflächen (Abrasion), keilförmigen Defekten, übermäßiger Abnutzung und Beschädigung von Zahnersatz sowie zu Kiefergelenkserkrankungen führen.

Die Ursachen für das Knirschen sind wissenschaftlich bisher nur unzureichend erforscht. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt. Eine Stresskomponente und/oder ein gestörter Zusammenbiss ("okklusale Disharmonie") der Zahnreihen gelten als Hauptauslöser. Auch psychische Problembilder, wie beispielsweise eine krankhafte Unterdrückung von Aggressionen, werden als mögliche Ursachen vermutet. Hier sollte auch die eigentliche Behandlung ansetzen, etwa durch Antistresstherapien oder die Herstellung eines ungestörten Zusammenbisses. Bei Kindern ist das Knirschen hingegen eher als normal anzusehen. Es tritt oft im Zusammenhang mit der Verarbeitung vieler neuer Eindrücke auf und kann bis zum Zahnwechsel oder der Pubertät als Parafunktion bestehen bleiben.

Patienten, die sowohl nachts als auch tagsüber knirschen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, orofaziale Schmerzen zu entwickeln, im Vergleich zu Personen ohne diese Angewohnheit. Auch das Kauen von Fingernägeln erhöht das relative Risiko.

Erste Hilfe bieten aus Kunststoff gefertigte, okklusionsadaptierte Schienen (sogenannte Knirscherschienen oder biteguards). Diese entlasten die Zähne und das Kiefergelenk und lindern so die Beschwerden, beseitigen jedoch nicht die eigentlichen Ursachen.