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Kiefergelenk

Synonym: Articulatio temporomandibularis · Englisch: temporomandibular joint, TMJ

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Kiefergelenk ist das einzige im Körper vorkommende Gelenk, das gleichzeitig eine Dreh- und eine Gleitbewegung ausführen kann (Doppel-Ovoid-Gelenk). Es wird gebildet durch eine Grube im Schläfenbein und den Condylus des Unterkiefer-Gelenkfortsatzes. Diese beiden Knochen sind durch eine Gelenkscheibe (Discus) aus Faserknorpel voneinander getrennt. Dadurch besitzt das Kiefergelenk zwei Gelenkkammern:

Die obere Gelenkkammer wird durch die Fossa articularis begrenzt. Die untere Gelenkkammer wird durch den Kondylus (Caput mandibulae) begrenzt. Zwischen diesen beiden Kammern befindet sich der Discus. In der oberen Gelenkkammer erfolgt die Gleitbewegung, während in der unteren Kammer eine Rotationsbewegung stattfindet – um eine transversale Achse bei der reinen Mundöffnung und um eine Längsachse bei der Seitwärtsbewegung (Laterotrusion). Die Beweglichkeit in der oberen Kammer beträgt etwa 1,5 cm, in der unteren Kammer etwa 3,5 cm. Eine häufige Störung in der oberen Gelenkkammer ist die teilweise oder vollständige Verlagerung des Discus nach vorne (anterior).

Beim Öffnen des Mundes erfolgt zunächst eine reine Rotationsbewegung um die horizontale Scharnierachse. Bei weiterem Öffnen geht diese in eine kombinierte Dreh-Gleit-Bewegung über, die mit einer Gleitbewegung endet (Bennett-Bewegung).

Die Unterkieferbewegungen dienen nicht nur der Mastikation, also dem Kauen und Schlucken. Sie sind auch an anderen orofazialen motorischen Prozessen beteiligt, wie z. B. beim Sprechen, Singen, Gähnen oder bei mimischen Ausdrucksformen. Funktionelle Unterkieferbewegungen sind stets Kombinationen verschiedener Hauptbewegungen, wie der Öffnungs- und Schließbewegung (Abduktion und Adduktion), der Vor- und Rückschubbewegung (Protrusion und Retrusion) sowie der Seitwärtsbewegung (Laterotrusion).

Eine einwandfreie Stellung der Kiefergelenke setzt eine optimal funktionierende Okklusion und entspannte Kiefermuskulatur voraus. Fehlstellungen führen in der Regel zu Kiefergelenkbeschwerden.

Dem Kiefergelenk kommt in der neuromuskulären Steuerung des stomatognathen Systems eine bedeutende Rolle zu. Einige Wissenschaftler sind sogar der Meinung, dass Störungen in diesem komplexen Wechselspiel Auswirkungen auf die Statik der Körperhaltung haben können.