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Kieferbruch

Synonym: Kieferfraktur · Englisch: broken jaw, jaw fracture

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Kieferbrüche können als einfach oder kompliziert klassifiziert werden. Bei einem einfachen Bruch ist der Kieferknochen gebrochen oder angebrochen (Infraktur), jedoch besteht keine Verbindung zur Mundhöhle oder zur Körperoberfläche. Ein komplizierter Kieferbruch liegt vor, wenn der Bruchspalt eine Verbindung zur Mundhöhle oder nach außen hat, innerhalb der Zahnreihe liegt oder ein Zahn in den Bruchspalt involviert ist. Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr ist bei einem komplizierten Bruch oft eine antibiotische Abschirmung notwendig.

Iatrogene Kieferbrüche entstehen durch ärztliche Eingriffe, meist bei der Entfernung von Weisheitszähnen, wenn übermäßige Kraft angewandt wird oder der Knochen bereits geschwächt ist. Tumoren, die den Kieferknochen angreifen, können ebenfalls zu Spontanfrakturen führen. Eine seltene Sonderform ist die Impressionsfraktur, bei der der Knochen durch äußere Gewalt, wie Schläge oder Stöße, flächenartig nach innen gedrückt wird.

Typische Symptome eines Kieferbruchs sind Beweglichkeit der Knochenfragmente, Fehlstellungen, Reibegeräusche (Krepitation), Schwellungen, Schmerzen und im Oberkiefer häufig auch Hämatome. Im Röntgenbild zeigt sich die Bruchstelle als scharf begrenzte Aufhellungslinie. Begleitend kann eine Gehirnerschütterung auftreten.

Laut einer Studie von S. Storzer (1999) mit 181 Patienten war das Durchschnittsalter 36,4 Jahre, wobei 76 % der Betroffenen männlich und 24 % weiblich waren. Häufigste Unfallursachen waren Verkehrsunfälle (41 %), Gewalt (16 %) und Unfälle im Haushalt oder Garten (13 %). Alkohol spielte bei 22 % der Fälle eine Rolle. Insgesamt wurden bei den 181 Patienten 338 Frakturen festgestellt, was durchschnittlich 1,9 Frakturen pro Person entspricht. Am häufigsten traten Jochbein-, Kiefergelenkshals- und Orbitabodenfrakturen auf.

Die Behandlung eines Kieferbruchs richtet sich nach dessen Art und Schwere. Konservative Therapien verwenden Kappenschienen, um die Bruchstücke für etwa 5–6 Wochen ruhigzustellen. Operative Eingriffe ermöglichen durch Reposition und Fixation mit Draht, Metallplatten oder Schrauben eine schnellere Wiederherstellung der Funktionen. Bei Kiefergelenksfrakturen kommen spezielle funktionelle Geräte zum Einsatz. In Notfällen kann eine provisorische Schienung, wie der Sauer-Notverband, erforderlich sein, um den Bruch zu stabilisieren, bis eine umfassende Behandlung erfolgt.