Zahnreihe
Synonym: Zahnbogen, Zahnstellung · Englisch: dental arch
Die Zahnreihe bezeichnet die Gesamtheit aller sichtbaren bzw. in normaler Stellung durchgebrochenen Zähne eines Kiefers. Sie wird in verschiedene Zustandsformen unterteilt, abhängig von der Vollständigkeit und Funktionalität der vorhandenen Zähne.
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Geschlossene Zahnreihe (closed dental arch): Eine Zahnreihe, in der alle Zähne ohne Unterbrechung durch Lücken vorhanden sind. Wissenschaftlich gilt eine Zahnreihe bis zum ersten großen Backenzahn (Molaren) als ausreichend, wenn sie vollständig geschlossen ist.
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Lückige Zahnreihe (spaced teeth): Eine Zahnreihe, in der einzelne Zähne fehlen und Lücken sichtbar sind. Solche Lücken können funktionelle und ästhetische Probleme verursachen. Die Einteilung erfolgt oft nach dem Schema der Kennedy-Klassen, die die Lückenbildung systematisch klassifizieren.
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Verkürzte Zahnreihe (abbreviated or shortened dental arch, SDA): Eine verkürzte Zahnreihe entsteht, wenn die hinteren Backenzähne (Molaren) fehlen, wodurch die sogenannte Molarenstützzone reduziert wird. Diese Zahnreihe reicht üblicherweise nur bis zu den zweiten Prämolaren und umfasst zehn okkludierende Zahnpaaren (die „Golden Twenty“ oder „Top 20“), bestehend aus den Frontzähnen und den ersten und zweiten Prämolaren im Ober- und Unterkiefer.
Funktion und Bedeutung: Traditionell wurde angenommen, dass die vollständige Rekonstruktion einer Zahnreihe nach Zahnverlust notwendig sei, um die Stabilität des Gebisses zu sichern. Neuere Untersuchungen, unter anderem von Prof. Kerschbaum (Köln), haben jedoch gezeigt, dass die wichtigsten Funktionen – wie Abbeißen, Kauen, Sprechen, Okklusion und die Stabilität des Kiefergelenks – auch mit einer verkürzten Zahnreihe (den „Top 20“) zufriedenstellend erfüllt werden können, sofern diese Zähne gesund oder funktionstüchtig restauriert sind.
Die Frontzähne übernehmen primär ästhetische Aufgaben und das Abbeißen, während die Prämolaren die Kaufunktion und Okklusion sichern. Fehlen die hinteren Molaren, ist in der Regel keine unmittelbare Beeinträchtigung der Kiefergelenksfunktion zu erwarten.
Versorgung und Priorisierung: Aus finanziellen oder medizinischen Gründen kann zunächst auf die Wiederherstellung der Molaren verzichtet werden, ohne dass dies gesundheitliche Schäden verursacht. Eine Versorgung der Molaren sollte erst bei erkennbarer Notwendigkeit erfolgen. Wenn später bessere finanzielle Mittel verfügbar sind, können zahnlose hintere Kieferbereiche beispielsweise durch Implantate wiederhergestellt werden. Prof. Kerschbaum betont jedoch, dass eine vollständige Zahnreihe ein Plus an Lebensqualität bedeutet und die „Top 20“ lediglich das funktionelle Minimum darstellen.