Weisheitszahn
Synonym: Dritter Molar, Achter, Retinierter Zahn, Weisheitszähne · Englisch: wisdom tooth, third molar
Der Weisheitszahn ist der letzte und am spätesten durchbrechende Zahn der Zahnreihe. Er gehört zu den dritten Molaren und tritt in der Regel zwischen dem 17. und 25. Lebensjahr in die Mundhöhle ein. Aufgrund eines häufig zu kleinen Kiefers kann der Weisheitszahn nicht oder nur teilweise durchbrechen, was als Retention bzw. Teilretention bezeichnet wird. Infolge einer evolutionären Gebissreduktion fehlen bei manchen Individuen einzelne oder alle vier Weisheitszähne vollständig.
Weisheitszahndurchbruch und Komplikationen Der Durchbruch eines Weisheitszahns kann, insbesondere im Unterkiefer, mit Beschwerden verbunden sein. Ein erschwerter Durchbruch (Dentitio difficilis) führt häufig zu:
- Lymphknotenschwellung,
- lokalen Entzündungen der Schleimhaut (bis hin zur eitrigen Perikoronitis),
- Schwellung mit Kieferklemme,
- uncharakteristischen Gesichts- oder Ohrenschmerzen, wenn der Weisheitszahn Druck auf die Wurzel des zweiten Molaren ausübt.
Nicht vollständig durchgebrochene Weisheitszähne können eine chronische Entzündungsquelle darstellen, die sich in parodontalen Taschen (> 4 mm Sondierungstiefe) mit pathogenen Mikroorganismen manifestiert. In solchen Fällen wird häufig eine prophylaktische Zahnentfernung empfohlen.
Operative Entfernung und Risiken Die Entfernung von Weisheitszähnen gehört zu den häufigsten oralchirurgischen Eingriffen. Sie wird als besonders anspruchsvoll angesehen, da:
- Weisheitszähne oft schwer zugänglich sind,
- ihre Wurzeln anatomische Anomalien (z. B. starke Krümmungen) aufweisen,
- enge Beziehungen zum Mandibularkanal bestehen, was das Risiko einer Schädigung des Nervus alveolaris inferior erhöht.
Mögliche postoperative Komplikationen sind:
-
Sensibilitätsstörungen: N. alveolaris inferior (0,4–4,4 %, „taube Lippe“) N. lingualis (0,06–1,1 %, „gefühl- oder geschmacklose Zunge“)
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Wundheilungsstörungen: Alveolitis (0,5–30 %) Wundinfektionen (1,5–5,8 %) Eröffnung der Kieferhöhle (ca. 11 %)
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Verletzungen angrenzender Strukturen: Risiko der Schädigung des zweiten Molaren (0,3 %) Seltene posttraumatische Kieferfrakturen
Eine routinemäßige prophylaktische Entfernung ist umstritten. Während eine Entfernung bei Symptomen oder zu erwartenden Komplikationen empfohlen wird, raten Fachgesellschaften wie die DGZMK dazu, eine vorsorgliche Entfernung kritisch zu betrachten. Besonders die Annahme, dass Weisheitszähne einen tertiären Engstand der Frontzähne verursachen, wird als wissenschaftlich nicht eindeutig belegt angesehen.
Die Wundheilung nach einer Weisheitszahnentfernung wird durch eine primäre Naht begünstigt. Eine antibiotische Prophylaxe ist in der Regel nicht erforderlich, sofern keine akuten Infektionszeichen bestehen. Die Entfernung sollte möglichst früh erfolgen, da mit zunehmendem Alter die Knochenstruktur dichter wird und das Wurzelwachstum abgeschlossen ist, was den Eingriff erschwert.
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