Gebissreduktion
Englisch: dentition reduction
Entwicklungsgeschichtlich (phylogenetisch) bedingte Nichtanlage oder unvollständige Ausbildung einzelner Zähne, besonders der Weisheitszähne und der seitlichen oberen Schneidezähne (s. Abb.). Ursache der G. ist eine sich über viele Jahrtausende erstreckende Anpassung des menschlichen Gebisses an die veränderten Lebensbedingungen: Während z.B. die Steinzeitmenschen noch im wahrsten Sinne des Wortes ihre Nahrung zerkauten, essen wir heute fast nur noch aufbereitete Nahrung ("Vorgekautes"), d.h. mechanisch verkleinerte (Mehl statt Korn) oder gegarte Lebensmittel. Vergleicht man die Zahngrößen von Neandertalern, Jungpaläolithikern und heutigen Europäern, so beträgt das Verhältnis etwa 3:2:1. Rein rechnerisch reduzierte sich die Größe der Zähne alle 2000 Jahre um rund 1%. Aus unbekannten Gründen verdoppelte sich diese Zahl vor rund 10.000 Jahren auf ca. 2%. Vor ungefähr 2,4 Millionen Jahren wurde die kräftige Kau-Muskulatur - mehr oder weniger unbewusst - gegen ein Mehr an Gehirn ausgetauscht. Im Gegensatz zu allen anderen Primaten kann der Homo sapiens das Muskeleiweiß Myosin 16 nicht herstellen. Das entsprechende Gen ist funktionslos, und der Mangel führt zu einer vergleichsweise schwach ausgeprägten Kiefermuskulatur, die zugleich weniger Ansatzstellen benötigt. Das beeinflusst wiederum die Schädelform und schafft Platz für ein größeres Gehirn. Aplasie, Hypodontie, Megalognathie, Phylogenese, Selenodont, Trikonodont, Trituberculartheorie, vollbezahnt https://www.zm-online.de/archiv/2020/05/zahnmedizin/genetisch-bedingte-zahnnichtanlagen-erkennen-und-therapieren/ (zm, 2020) Fehlen der seitlichen Schneidezähne des bleibenden Gebisses.