Costen-Syndrom
Synonym: Otodentales Syndrom, Myofaziale Dysfunktion, Kiefer-Ohr-Schmerzsyndrom · Englisch: Costen's syndrome
Das Costen-Syndrom beschreibt einen Symptomenkomplex, der durch neuralgiforme Schmerzen im Kiefer-, Ohr- und Schädelbereich gekennzeichnet ist. Die Erkrankung wurde von James Bray Costen (1895–1962), einem HNO-Arzt aus St. Louis, USA, beschrieben. Zu den typischen Beschwerden zählen:
- Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks, der Schläfen und des Ohrs.
- Zungenbrennen (Glossodynie).
- Einschränkung der Hörfähigkeit.
- Schwindelgefühle und Tinnitus-artige Ohrgeräusche.
Mögliche Ursachen: Die genaue Ätiologie des Costen-Syndroms ist umstritten. Costen selbst vermutete, dass die Beschwerden durch:
- ein krankhaft verändertes Kiefergelenk oder
- eine falsche Bisslage (Bisssenkung) verursacht werden. Andere Hypothesen sehen die Ursache in einer Rückwärtsverlagerung des Kiefergelenksköpfchens (Condylus), das Druck auf den Nervus auriculotemporalis ausübt und somit die Symptome auslöst.
Aktuelle Einordnung: Der Begriff Costen-Syndrom ist heute veraltet und wird nicht mehr verwendet. Stattdessen werden solche Beschwerden unter dem Begriff Myoarthropathie des Kiefergelenks oder im Rahmen von kranio-mandibulären Dysfunktionen (CMD) eingeordnet. Die moderne Diagnostik betrachtet die Symptome als Teil eines multifaktoriellen Störungsbildes, das sowohl somatische als auch psychische Ursachen haben kann.
Bedeutung: Das Costen-Syndrom ist historisch bedeutsam, da es frühzeitig auf die komplexen Zusammenhänge zwischen Kiefergelenk, Okklusion und allgemeinen Beschwerden im Kopf-Hals-Bereich hinwies. Die Behandlung erfolgt heute interdisziplinär und umfasst zahnärztliche, physiotherapeutische und ggf. psychotherapeutische Ansätze.