Tinnitus
Synonym: Hörsturz, Morbus Menière, Ohrensausen, Ohrgeräusche, Rauschen im Ohr, Töne im Ohr · Englisch: non-auditorischer Tinnitus
Tinnitus, da die Geräusche häufig nur vom Betroffenen gehört werden (endogene Schallempfindung), wird wissenschaftlich in objektiven und subjektiven (non-auditorischen) Tinnitus unterteilt. Bei der Beschreibung der Symptome werden grob die Kategorien "tonal" (z. B. Pfeifen, Klingeln, Summen, Zirpen) und "nicht-tonal" (z. B. Rauschen, Brummen, Surren, Knacken, Knistern, Rumpeln) unterschieden. Beide Formen können jedoch auch gemeinsam auftreten.
Man vermutet, dass in vielen Fällen fehlgerichtete Anpassungsvorgänge des Gehirns nach einer Hörschädigung für die quälenden Geräusche verantwortlich sind. Ähnlich wie beim Phantomschmerz, bei dem Patienten Schmerzen in einem amputierten, also nicht mehr vorhandenen, Körperglied empfinden, können Patienten selbst nach der Entfernung des Innenohrs weiterhin ein dauerndes, störendes Ohrgeräusch aus dem nicht mehr vorhandenen Ohr wahrnehmen.
Als Ursachen kommen Hörbeeinträchtigungen, Lärmschäden, Stress, Morbus Menière (Drehschwindel) und andere organische Erkrankungen in Betracht. Auch der Hörsturz (ein akutes Ereignis des "schlechter Hörens") ist oft mit einem Tinnitus verbunden. Probleme mit der Halswirbelsäule oder im Zahn-Mund-Kiefer-Bereich können auslösende oder verstärkende Ursachen sein.
Als therapeutischer Ansatz gilt, dass Tinnitus durch kognitive Therapieansätze und Retraining-Therapien auch wieder "verlernt" werden kann. Bei subjektivem Tinnitus kann eine Dekompressionsbehandlung der Kiefergelenke zur teilweisen Rückbildung der Erkrankung führen. Entscheidend für den Erfolg ist dabei vor allem der frühzeitige Therapiebeginn. Chronische sowie objektive Tinnituserkrankungen scheinen nicht durch die Therapie einer bestehenden craniomandibulären Dysfunktion positiv beeinflussbar zu sein. Bei subjektivem Tinnitus können sich jedoch die Symptome im Rahmen einer zahnärztlichen manuellen Funktionsdiagnostik in ihrer Qualität verbessern.
Neue Ansätze wie "Retraining" (die Betroffenen sollen lernen, sich nicht auf das Geräusch im Ohr zu konzentrieren, sondern sich daran zu gewöhnen und es weniger wahrzunehmen; Entspannungs- und Hörübungen sowie ein Hörgerät, das ein kompensierendes Rauschen überträgt, gehören zur Therapie) und Musiktherapie können helfen, mit dem Dauerton zu leben.
Tabelle nach M. Behr, Regensburg (in DZZ, 2009; 64 (3)):
Objektiver Tinnitus Ursachen:
Pulsierend: Carotis-Stenose, vaskuläre Anomalien, vaskuläre Tumore, Aortenstenose, andere Ursachen, die Turbulenzen im Blutfluss bedingen Muskulär oder anatomisch: Myoclonus der palatinalen Muskulatur, Spasmus des M. stapedius oder M. tensor tympani, Dysfunktion der Eustachiac-Röhre Spontan: Spontane otoakustische Emissionen Subjektiver Tinnitus Mögliche Ursachen:
Otologisch: Lärminduzierter Hörverlust, Otosklerose, Morbus Menière Neurologisch: Schleudertrauma, Akustikusneurinom, andere Kleinhirn-Brückenwinkel-Tumore Infektiös: Otitis media, Lyme-Erkrankung, Meningitis, Syphilis, andere entzündliche Erkrankungen, die das Hörvermögen beeinträchtigen Medikamentös: Nebenwirkungen von Salicylaten, nichtsteroidalen Antiphlogistika, Aminoglykosiden, Schleifendiuretika, Chemotherapeutika Kranio-mandibulär: Störungen der Funktion des Kiefergelenks, tonische Kontrakturen der Kaumuskulatur, Anomalien der Bisslage