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Streptococcusmutans

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Streptococcus mutans, das “Kariesbakterium”, ist der Hauptbewohner der dentalen Plaque und wird oft als DER Kariesverursacher bezeichnet. Diese Eigenschaft beruht darauf, dass Streptococcus mutans drei Eigenschaften kombiniert, die bei anderen Bakterien im Mund nicht vorkommen: Es haftet mit Hilfe von klebrigen, zuckerartigen Substanzen selbst auf völlig glatten, unbeschädigten Zahnoberflächen und bildet Kolonien (Biofilm), die nur durch gründliche Zahnreinigung entfernt werden können. Damit ist es der Hauptbesiedler der dentalen Plaque. Weiterhin produziert das Bakterium große Mengen an Säure mit einem sehr niedrigen pH-Wert, die die Zahnstrukturen demineralisieren. Es spaltet Kohlenhydrat-Eiweiß-Verbindungen, wie sie in der Plaque und im Speichel reichlich vorkommen, in komplexe Kohlenhydrate. Streptococcus mutans ist nicht von Geburt an in der Mundhöhle vorhanden, da zu diesem Zeitpunkt noch keine Zähne vorhanden sind. Es wird erst während des ersten Zahndurchbruchs durch infizierte Bezugspersonen übertragen: Mittels Löffel, Schnuller oder Kuss (“kissing disease”) erfolgt die natürliche Infektion meist durch die Mutter zwischen dem 19. und 31. Lebensmonat (primär-primär-Prophylaxe). Dabei gilt: Je höher der Streptococcus mutans-Befall der Mutter, desto größer ist auch die Anzahl dieser Karieserreger beim Kleinkind. Weitere Einflussfaktoren sind Kaiserschnittentbindung (Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, bekommen den Karies-Erreger etwa 12 Monate früher als vaginal geborene), hoher DMF-T der Mutter, Geschlechtskrankheiten (STD-Infektionen) und niedriges Familieneinkommen. Je später diese Übertragung erfolgt, desto größer ist die Chance für andere, harmlosere Bakterien, sich dauerhaft in der Mundhöhle einzunisten und den schädlichen Kariesbakterien den Platz streitig zu machen. Zwischen dem Streptococcus mutans-Befall mit behandlungsbedürftiger Karies der Mutter und dem Auftreten aktiver Milchzahnkaries beim Kind lässt sich eine eindeutige Korrelation herstellen. Eine Studie aus 2003 zeigt, dass bei hohem Zuckerkonsum und aktiver Karies der Mutter das Kariesrisiko des Kindes jeweils um das Vierfache erhöht ist. Bei mehr als 50 Kolonien Streptococcus mutans in der mütterlichen Speichelprobe ist die Wahrscheinlichkeit für manifeste Karies beim Kind etwa elfmal höher. Die mütterliche Übertragung lässt sich bei hoher Besiedlungsdichte effektiv durch regelmäßige Behandlung der mütterlichen Zahnoberflächen mit Chlorhexidinlack eindämmen, während Ernährungsmaßnahmen oder die mechanische Plaqueentfernung (z.B. Zähneputzen) für eine langfristige Reduzierung nicht ausreichen. Eine hohe Anzahl an Streptococcus mutans-Bakterien in der Mundhöhle, die z.B. durch einen Speicheltest festgestellt werden, bedeutet nicht automatisch ein erhöhtes Kariesrisiko. Sie dient zwar als Indikator, kann aber in ihren Auswirkungen aufgrund eines individuell sehr unterschiedlichen Immunsystems sehr verschieden sein. Eine Impfung gegen Streptococcus mutans-Befall ist – entgegen anderer Behauptungen – bisher (2010) nicht möglich. Genmanipulationen, bei denen neue Streptococcus mutans-Bakterien gezüchtet werden, denen die Anhaftungseigenschaft fehlt und die die kariesverursachenden natürlichen Bakterienstämme ersetzen (sog. “replacement therapy”), zeigen bisher (2010) hoffnungsvolle Tendenzen, aber keine praktischen Auswirkungen. Weiter besteht die Hoffnung, dass in Zukunft nitrithaltige Mundspülungen oder Gels entwickelt werden könnten, die die orale pH-Kontrolle erleichtern und Karies sowie Erosionen vorbeugen. Mögliche Nebenwirkungen müssten jedoch noch ausgiebig abgeklärt werden. Andere Ansätze zielen im Rahmen der Nanotechnologie auf eine Imprägnierung der Zahnoberfläche mit Antihaftmitteln ab, um einen “easy to clean effect” zu erzielen.