Speicheltest
Synonym: Speichelanalyse, Salivatest, Mundflüssigkeitsdiagnostik · Englisch: saliva analysis
Speicheltest: Unter Speicheldiagnostik oder Speicheluntersuchung versteht man die Bestimmung von Speichelproduktion (Fließgeschwindigkeit), Keimzahl und Pufferkapazität des Speichels. Diese Parameter werden unter anderem für eine (unsichere) Vorhersage der Kariesaktivität oder des Kariesrisikos herangezogen. Beispielsweise kann die Anzahl der Streptococcus mutans-Bakterien ein Hinweis auf eine Kariesgefährdung sein, ebenso wie die Anzahl der Laktobazillen, die auf falsche Ernährungsgewohnheiten schließen lassen. Dabei spielen jedoch individuelle Faktoren wie das Immunsystem, der Zustand der Mundhöhle (unversorgte Kariesfolgen, schlechte Füllungen und Kronen) sowie Mundhygiene und Essgewohnheiten eine wichtige Rolle und erschweren eine eindeutige Einschätzung. Wissenschaftlich wird heute eher die Stoffwechselaktivität der Kariesbakterien als Maß für das Kariespotenzial betrachtet, nicht nur deren Anzahl. Laut Literatur gelten Werte von über einer Million/ml an Streptococcus mutans-Bakterien und über 100.000/ml an Laktobazillen als Anhaltspunkt für ein erhöhtes Kariesrisiko. Die Laktatbestimmung mittels indikatorgetränkten Watteträgers und die daraus abgeleitete Einteilung in drei Risikogruppen (z.B. Cario L-Pop) stellt möglicherweise einen neuen Ansatz dar, da hierbei die Säureproduktion der Leitkeime S. mutans, Lactobacillus und zwei Actinomyces-Arten berücksichtigt wird. Es besteht jedoch eine enge Korrelation zwischen koloniebildenden Einheiten (CFU) und Laktatbildung. Als semiquantitative Methode hat der Test jedoch bislang keine ausreichende statistische Aussagekraft, und es fehlen valide Werte zu Sensitivität, Spezifität oder Vorhersagekraft. Speicheltests, die Rückschlüsse auf die Quecksilberbelastung des Organismus durch Amalgamfüllungen ziehen sollen, gelten heute als obsolet. Dazu schreibt G. Schmalz in Gesundheitsrisiken bei Füllungswerkstoffen (Quintessenz 2006; 57(5):555-565): „Voraussetzung für eine systemische Wirkung ist die Resorption. Etwa 25 % des durch Amalgamfüllungen freigesetzten Quecksilberdampfes werden inhaliert, davon wiederum ca. 80 % in der Lunge resorbiert und innerhalb von Minuten in die ionische Form (Hg²⁺) oxidiert. Die verbleibenden 75 % gelangen in gelöster Form mit dem Speichel in den Magen-Darm-Trakt, wo sie nur in geringem Umfang aufgenommen werden. Ionisches Quecksilber wird zu etwa 10 % resorbiert. Quecksilber aus Amalgampartikeln wird – wenn überhaupt – nur in äußerst geringem Umfang aufgenommen.“ Da die Oxidationsstufe bei der Messung der Quecksilberkonzentration im Speichel nicht erfasst wird und kleinste Amalgampartikel zu stark erhöhten Konzentrationen führen können, ohne resorbiert zu werden, ist die Quecksilberbestimmung im Speichel nicht aussagekräftig und obsolet. Zudem werden die WHO-Grenzwerte für die tolerierbare Quecksilberaufnahme sowie die Konzentrationen in Blut und Urin nicht erreicht. Das Risiko durch Amalgamfüllungen wird als gering und vertretbar eingestuft, insbesondere im Vergleich zu anderen Füllungswerkstoffen, die weniger gut untersucht sind.