Quecksilber
Synonym: Hydrargyrum, Merkur, Quecksilberdämpfe, Amalgam · Englisch: mercurial, mercury, quicksilver
Quecksilber (lat.: hydrargyrum, etwa „flüssiges Silber”) ist ein chemisches Element, das bei normaler Temperatur flüssig ist und bei Raumtemperatur – für den Organismus giftig – durch Verdampfung in die Atemluft übergeht. Es sollte daher immer in geschlossenen Behältern oder unter Wasser aufbewahrt werden. Seine (ungiftigen) Legierungen mit anderen Metallen, mit Ausnahme von Eisen und Platin, werden als Amalgame bezeichnet. Wie giftig Quecksilber ist, hängt stark davon ab, in welcher Art chemischer Verbindung es vorliegt. In der Natur entsteht aus vielen Quecksilberverbindungen das besonders gefährliche Methylquecksilber, das sich in der Nahrungskette anreichert und vor allem Meerestiere belastet. Die Hauptzufuhr in der menschlichen Nahrung erfolgt durch Fisch, ohne dass bisher aus Ländern mit traditionell hohem Fischkonsum (z. B. Japan) eine Vergiftung der Bevölkerung eingetreten ist. Daneben spielt der Quecksilbergehalt der Atemluft, bedingt durch Industrie, Regenwaldrodungen, Vulkane, Chlorproduktion, Müllverbrennungsanlagen und Kohlekraftwerke, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Aufnahme von Quecksilber aus korrekt verarbeiteten Amalgamfüllungen wird von Fachleuten jedoch als äußerst gering und unbedenklich angesehen. Zum Vergleich: Der weltweite jährliche Vulkanausstoß enthält geschätzte 50.000 Tonnen Quecksilber, und die Verdampfung aus den Weltmeeren etwa 9.000 Tonnen. Das meiste menschlich beeinflussbare Quecksilber wird von Fabriken ins Abwasser abgegeben, wo es anschließend von Fischen aufgenommen wird. So gehören die Inuit in Grönland, die sich überwiegend von Fisch ernähren, zu den weltweit am meisten belasteten Völkern, abgesehen von den Anwohnern der Goldminen in Entwicklungsländern, wo Quecksilber zur Gewinnung des Edelmetalls verwendet und danach meist ins Wasser abgelassen wird. Die weltweite Produktion und Verarbeitung von Quecksilber ist in den letzten 20 Jahren gesunken. Dieser Trend ist auch in der Zahnheilkunde zu beobachten: So sank der Verbrauch in den USA von 44 t (1990) auf 31 t (1996) und in Dänemark von 3,1 t (1982) auf 1,2 t (2001). In der zahnärztlichen Praxis kann laut Untersuchungen durch konsequenten Einsatz von Filtersystemen (“Amalgamabscheider”) der Quecksilberanteil im Abwasser um 91–99% reduziert werden. Verhalten nach einem Quecksilber-Unfall (aus der Ärztezeitung): Schritt 1: Kontakt mit quecksilberhaltigem Material vermeiden, Handschuhe verwenden, Plastiküberzieher für Schuhe nutzen, alle Fenster öffnen. Schritt 2: Den kontaminierten Bereich absichern, nicht über den verseuchten Boden laufen und verhindern, dass Material verschleppt wird. Schritt 3: Material vorsichtig aufnehmen, nicht mit einem Staubsauger – dessen Abluft verbreitet das Quecksilber im Raum –, und wenn vorhanden, Absorbermaterialien benutzen. Schritt 4: Den Bereich kontrollieren, mit einer Taschenlampe kontaminierte Stellen absuchen, Handschuhe und kontaminierte Gegenstände (auch Plastiküberzieher) in einen sicheren Behälter geben. Schritt 5: Kontaminierte Materialien bei Recyclinghöfen oder ähnlichen Entsorgungsstellen abgeben.