Antibiotika Zahnfleisch
Synonym: unterstützende Antibiotikatherapie · Englisch: adjunctive antibiotic therapy
Mit dem Ziel einer Eliminierung krankhafter Keime aus der Zahnfleischtasche bzw. Mundhöhle. Der Einsatz von Antibiotika bei der Behandlung entzündlicher parodontaler Erkrankungen wird häufig und kontrovers diskutiert. Einige Studien zeigen in Abhängigkeit von der Applikationsform durchaus gute Ergebnisse, andere Meinungen raten grundsätzlich von ihrer Anwendung ab, nicht zuletzt aufgrund der Gefahr vor einer Verschleierung des Krankheitsbildes und möglicher Resistenzentwicklungen. Im Vorfeld des Einsatzes von Antibiotika sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen, am zweckmäßigsten mit sog. Gen-Sonden-Tests. Bei der überwiegenden Zahl der Parodontalerkrankungen (plaqueinduzierte Gingivitis sowie leichte und mittelschwere chronische Parodontitis bei systemisch gesunden Personen) hat die unterstützende Antibiose keinen zusätzlichen Nutzen. Da sich die meisten Keime in Biofilmen organisieren, ist eine vorherige mechanische Reinigung (Debridement) der Zahn-/Wurzeloberfläche unbedingt erforderlich, wenn eine befriedigende Wirkung der A. erzielt werden soll. Eine ausschließliche Antibiotika-Therapie ist nur auf die seltenen Fälle beschränkt, bei welchen sich wegen hochakuter Beschwerden/Schmerzen keine qualifizierten Maßnahmen am Zahn durchführen lassen. Hierzu zählen besonders im Sinne einer systemischen Therapie: Nekrotisierende ulzerierende Gingivitis (NUG) und Parodontitis (NUP) mit ausgeprägter Allgemeinsymptomatik Aggressive Parodontitis u. schwere chronische Parodontitis Therapie-unempfindliche Parodontitis Unterstützende Therapie bei Vorliegen spezifischer Keime Parodontalabszess mit Ausbreitungstendenz Um einer Resistenzbildungen durch eine ungeeignete Antibiotikaauswahl vorzubeugen, sollten nur bekannt wirksame Medikamente eingesetzt bzw. vorher eine Resistenzbestimmung durchgeführt werden. Eine weitere Standardtherapie bei akuten, aggressiven Parodontalerkrankung stellt der sog. Winkelhoff-Cocktail dar. Da bei einer systemischen Zufuhr auch gesunde Körperregionen mit dem Wirkstoff belastet werden, sollte auch immer geprüft werden, ob nicht geeignete lokale Antibiotika eingesetzt werden können. Zusätzlich ist eine begleitende antiseptische Therapie (Mundspüllösungen, spez. Mundduschen) mit Chlorhexidin angeraten. Die Verwendung von Antibiotika - speziell von Doxycyclin - bei der Behandlung von Rauchern, insbesondere bei Vorliegen schwerer parodontaler Schäden, kann die Erfolge deutlich steigern. Raucher sprechen im Gegensatz zu anderen Patienten schlecht auf die alleinige mechanische Entfernung (Scaling) der Zahnwurzelverunreinigungen an. In jüngerer Zeit (2013) wird bei der Einnahme von Blutverdünnern und Antibiotika zu besonders sorgfältigem Vorgehen bei der Auswahl der Präparate geraten, da das Blutungsrisiko um das Fünffache bei bestimmten Antibiotika erhöht sein kann (http://dx.doi.org/10.1160/TH13-09-0723). Antibiogramm, Antibiotika, Antibiotikaprophylaxe, Antimykotika, bakteriologische Identifizierungssysteme, Behandlungsschema bei Zahnfleischerkrankungen, lokale Antibiotikazufuhr, Markerkeime, Mundflora, PCR, PMIK ("antiinfektiöse Therapie"), Procalcitonin-Test, Propolis, Virustatika Special: Einteilung und Erscheinungsbilder von Zahnfleischerkrankungen.
Schlagwörter