Mundflora
Synonym: Mundmikrobiom, orale Mikrobiota, Zahnbakterien · Englisch: mouth flora, oral flora
Mundflora bezeichnet die natürliche Ansiedlung zahlreicher (10^6/ml Speichel) und vielfältiger Mikroorganismen, die oft den ausschließlichen Standort für zahlreiche spezifisch angepasste Bakterienarten bilden. Sie ist auf den Zähnen, in der Mund- und vorderen Rachenhöhle anzutreffen und weist eine sehr große Artenvielfalt auf, die mindestens 500 – nach neuesten Schätzungen sogar 700 – verschiedene Bakterienarten umfasst. Der Speichel enthält etwa 10^8 Bakterien pro Milliliter, der dentale Biofilm zwischen 10^8 und 10^11 Bakterien pro Milligramm. Die Hauptfunktion der Mundflora ist der Schutz des Körpers vor Krankheitserregern. Zwischen den einzelnen Keimen der Mundflora herrscht in einer gesunden Mundhöhle ein biologisches Gleichgewicht. Häufig haben die Bakterien der Mundflora an ihrer Oberfläche Strukturen, die es ihnen ermöglichen, sich einerseits mit Rezeptoren an Zellen und Zähnen festzuhalten (z. B. Streptococcus mutans) oder andererseits mit Oberflächenstrukturen von diversen Bakterien zu interagieren (Zucker-Protein- oder Protein-Protein-Interaktionen). Auf diese Weise werden sie immobilisiert und können als Mischpopulation Biofilme und Mikrokolonien bilden. Eine sorgfältige Kontrolle der Mundflora ist eine wichtige Grundlage für die Prophylaxe und Behandlung von Karies und Zahnfleischerkrankungen. Am Zahn selbst werden hierfür im Wesentlichen mechanische Mittel eingesetzt, die auf die Beseitigung der Bakterien von der Zahnoberfläche abzielen. Die Tatsache, dass Schleimhäute und Zunge, die rund 80% der Oberfläche der Mundhöhle ausmachen, dabei nicht erfasst werden und potenzielle Quellen von Krankheitskeimen darstellen, muss deshalb chemisch behandelt werden. In diesem Zusammenhang sind Mundspüllösungen ein ideales Mittel zur lokalen Applikation von Wirkstoffen und aktiven Substanzen, die in der Lage sind, die Zusammensetzung der Mundflora zu kontrollieren und positiv zu verändern. Die Mundflora dient unter anderem der Verdauung, dem Gewebeschutz sowie der Stimulierung unspezifischer Abwehrfaktoren (Immunsystem). Die normalerweise nicht krankheitserregenden Mikroorganismen können bei Störungen des biologischen Gleichgewichts, z. B. durch Antibiotikazufuhr, übertriebene Mundhygienemaßnahmen oder eine Schwächung des Organismus durch Krankheit, Erkrankungen hervorrufen, die ihren Verlauf meist in der Mundhöhle nehmen.