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MIH

Synonym: Kreidezähne · Englisch: Cheese Molars

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

MIH „nonfluoride hypomineralisation in permanent first molars“; Abk. für Molar-Incisor-Hypomineralisation, eine Hypomineralisation systemischer Ursache an 1 bis 4 bleibenden ersten Molaren, häufig assoziiert mit den (meist mittleren oberen) Schneidezähnen. MIH beschreibt das seit den 80er Jahren häufiger auftretende Symptom entwicklungsbedingter Strukturstörungen an den ersten großen Backenzähnen (Zähne 16, 26, 36, 46), das nicht selten mit symmetrischen Schmelzopazitäten an den oberen Schneidezähnen kombiniert ist. Geringgradig veränderte Zähne weisen einzelne weiß-cremige bis gelb-braune Verfärbungen im Bereich der Kauflächen und/oder der Höcker oder des oberen Kronendrittels auf. Schwerwiegender ist das Auftreten überwiegend fehlmineralisierten Zahnschmelzes, der alle Höcker mehr oder weniger erfasst, aber nur geringfügige Hypoplasien erkennen lässt. Schließlich treten noch Zähne mit defekter Kronenmorphologie auf, deren großflächige Mineralisationsstörungen mit ausgeprägten gelblich-bräunlichen Verfärbungen einhergehen. In der Literatur wird die Häufigkeit von MIH mit Werten zwischen 3 und 40 % (Brasilien) angegeben; der Barmer Zahnreport 2021 geht von mindestens 450.000 betroffenen Kindern in Deutschland im Jahr 2021 aus (entspricht rund acht Prozent aller Sechs- bis Zwölfjährigen). Die Ursachen dieser Erkrankung sind bis heute (2021) nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird beim Auftreten ein "prärachitischer" Vitamin-D-Mangel. Weiter werden gehäufte Medikamentenverabreichungen (z.B. Antibiotika) und Erkrankungen während der ersten drei Lebensjahre, ein Dioxineinfluss sowie Substanzfreisetzungen aus Kunststoffsaugerflaschen oder Nuckeln genannt (http://www.wissenschaft.de) – eine schlüssige Ursache ist bisher (2019) nicht bekannt. Da die Schmelzbildung dieser Zähne zwischen dem 8. Schwangerschaftsmonat und dem 4. Lebensjahr stattfindet, muss die Ursache in diesem Zeitraum liegen. Differentialdiagnostisch müssen erwogen werden: Amelogenesis imperfecta, Dentalfluorose, Tetrazyclinschäden, traumatische Zahnverletzungen im Milchgebiss (nur Schneidezähne), Fournier-Zähne sowie eine atypische Karies. Indiziert werden diese Erkrankungen in Deutschland überwiegend nach Wetzel und Reckel (1991) „Schweregrade fehlstrukturierter Sechsjahrmolaren“: Schweregrad 1: Einzelne weiß/cremig bis gelb/braune Verfärbungen/Opazitäten im Bereich der Kauflächen und/oder der Höcker/des oberen Kronendrittels (s. Abb.). Schweregrad 2: Überwiegend fehlmineralisierter, gelb-bräunlicher Zahnschmelz, der alle Höcker mehr oder weniger erfasst, aber nur geringfügige Hypoplasien erkennen lässt. Schweregrad 3: Großflächige Mineralisationsstörungen mit ausgeprägten gelblich-bräunlichen Verfärbungen und Defekten in der Kronenmorphologie aufgrund ausgeprägter Schmelzverluste.