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Nursing-Bottle-Syndrom

Synonym: NBS

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Nursing-Bottle-Syndrom im neueren Sprachgebrauch: early childhood caries (ECC), Nuckelflaschenkaries, NFK, Baby-Bottle-Syndrom, "Honig-Schnuller-Syndrom"; mit weiteren Namen wie "Honig-Schnuller-Karies" und "Zuckertee-Karies". Hierbei handelt es sich um eine (fehl-)ernährungsbedingte, ausgeprägte Glattflächenkaries, besonders der Oberkiefer-Schneidezähne, bis hin zur völligen Zerstörung dieser (siehe Abb.). Es hat sich herausgestellt, dass die unteren Frontzähne dem Säureangriff am längsten widerstehen. Die Puffer- und Remineralisationswirkung des Speichels wird hier ganz deutlich: Die Zähne profitieren vom unverdünnten Sekret der unmittelbar dahinter liegenden sublingualen Speicheldrüsen. Man geht davon aus, dass bei etwa 6 % der Kleinkinder ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes NBS zu finden ist. Ursachen sind eine ständige Zufuhr von gesüßter oder säurehaltiger Flaschennahrung (zuckerhaltige Tees bzw. Säfte, gesüßte Milch in Form des "Beruhigungsfläschchens", mit Honig benetzte Schnuller, Apfelsaft oder andere säurehaltige Fruchtsaftgetränke), besonders während der Nacht oder in Ruhephasen, wo der schützende Speichelfluss stark vermindert ist. Auch allein das Dauernuckeln/-saugen an Flascheninhalten aus reinem Wasser kann schädlich sein, da das Fortspülen des remineralisierenden Speichels schon genügt, um eine Zahnzerstörung einzuleiten. Nuckelflaschen aus Plastik begünstigen die Entstehung des N., da diese im Gegensatz zu Glasflaschen von den Kleinen leicht und über Stunden gehalten werden können. Neben den massiven Schäden am Gebiss hat die unkontrollierte Zucker- oder auch (Obst-)Säurezufuhr noch allgemein-körperliche Auswirkungen wie Babydicksucht, aber auch Essensunlust. Hinzu kommt, bedingt durch Eiterherde an den zerstörten Zähnen, eine Störung des allgemeinen Wohlbefindens und eine Belastung des Immunsystems. Ähnlich negative Effekte werden auch beim falschen Stillen beobachtet und als Stillkaries bezeichnet: Durch das Einschlafen an der Mutterbrust oder längere nächtliche Stillphasen werden die Zähnchen ähnlich wie bei der Nuckelflaschenkaries ständig Kohlenhydraten und/oder Säuren ausgesetzt und mit der Zeit schwer geschädigt. So sehr das Stillen generell aus ärztlicher und zahnärztlicher Sicht befürwortet wird, so schlecht sind länger dauernde Zufuhren von Nahrungsmitteln! Mahlzeiten sollten wie bei Erwachsenen in einem relativ kurzen Zeitraum aufgenommen werden und nie während der Nacht, wo in einer körperlichen Ruhephase der Speichelfluss – und damit die natürlich schützende Wirkung – stark herabgesetzt ist. In Deutschland sind nach Schätzungen aus 1993 (Prof. Wetzel) ca. 200.000 Kinder betroffen. Für die Schweiz wird ein Wert von 0,9 % und für die USA ein Wert zwischen 3 und 6 Prozent der Bevölkerung angegeben. Besonders betroffen sind Kinder zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr. Dabei dient die Nuckelflasche – unabhängig von der sozialen Schicht der Eltern – zur Beruhigung, Ablenkung, als Einschlafhilfe, zur Angstbewältigung oder aber nur zur Beschäftigung des Kindes.