Tmd
Synonym: Kiefergelenkserkrankung, Kiefergelenkprobleme, Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD · Englisch: temporomandibular dysfunktion
TMD steht für Temporomandibuläre Dysfunktion (TMJD), eine Funktionsstörung des Kiefergelenks, die verschiedene klinische Probleme des Kiefergelenks, der Kaumuskulatur und der umgebenden Strukturen umfasst. Typische Symptome der TMD sind Schmerzen und Geräusche im Kiefergelenk sowie eine eingeschränkte Mundöffnung. Die Einteilung erfolgt in Muskel-/Sehnenschmerzen, akuten Gelenkschmerz und Arthritis/Arthrose. Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren stellen den Hauptanteil der “TMD-Patienten”. Untersuchungen zeigen, dass TMD durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, wie Stress, parafunktionelle Aktivität, Trauma, okklusale Störungen und die Fähigkeit des Patienten zur Anpassung. Es ist jedoch unklar, welche Faktoren maßgeblich zur Entstehung der TMD beitragen. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und haben insgesamt wenig Evidenz. Eine neuere Ansicht (2004) besagt, dass der Einfluss der Okklusion auf TMD-Beschwerden größer ist als bisher angenommen und dass eine Schienenvorbehandlung (Aufbiss-Schiene) für die Abschätzung therapeutischer Erfolge nützlich ist. Einschleifmaßnahmen führen jedoch häufig nicht zum gewünschten Erfolg. Andere Studien zeigen, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen TMD und Freiendlücken oder dem Fehlen von Backenzähnen und Kiefergelenkschmerzen gibt. Bei chronischen Krankheitsverläufen gewinnt die Physiotherapie an Bedeutung. Sie ermöglicht dem Patienten einfache, häusliche Mitarbeit zur Reduzierung des Muskeltonus und Verbesserung der Mobilität. Der Patient wird zu gelenkschonendem Verhalten angeleitet, wobei parafunktionelle Aktivitäten und Habits bewusst wahrgenommen und entspannt werden sollen. Für die medikamentöse Behandlung der Gelenkschmerzen stehen verschiedene Wirkstoffe wie nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) und Antidepressiva zur Verfügung. Diese sind jedoch bei den häufigeren Myalgien unwirksam. Muskelrelaxanzien sind wirksam, können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit oder Suchtpotenzial haben. Der neue Wirkstoff Flupirtin (Handelsname: Katadolon®) hat einen anderen Mechanismus als die NSARs: Es wirkt als zentraler Kaliumkanalöffner, der die Schmerzverarbeitung in Nervenzellen hemmt, und hat zusätzlich muskelrelaxierende Effekte. Ein weiterer Ansatz ist die kognitive Verhaltenstherapie. Eine groß angelegte Studie in Pommern (1997–2006, “Study of Health in Pomerania”, SHIP) zeigte keinen Zusammenhang zwischen Zahnfehlstellungen und einem erhöhten Risiko für Kiefer- und Gesichtsschmerzen. Ein Zusammenhang wurde jedoch zwischen Schulbildung, Geschlecht und Kiefergelenksymptomen festgestellt. Gut ausgebildete Personen leiden doppelt so häufig und Frauen 1,5-mal häufiger an TMD. Interessanterweise können auch bestimmte Zahnfehlstellungen das Risiko für TMD senken, wie eine lückige Zahnstellung ohne Zahnverlust oder das Zähneknirschen. TMD ist auch die Abkürzung für die Tages-Maximal-Dosis (Menge eines Stoffes oder Pharmakons), die täglich verabreicht werden darf.