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Kaukraft

Synonym: Kaudruck, Beißkraft · Englisch: occlusal force, chewing pressure

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Kaukraft ist eine unterschiedlich starke Kraft, die von der Zahl der okkludierenden Zahnpaare abhängt und weniger vom Alter. In der Literatur gibt es eine sehr uneinheitliche Verwendung der Begriffe Kaukraft, Kaudruck, Kieferschlusskraft und Kaulast. Zudem existiert eine Vielzahl von Maßeinheiten hierfür. Die Messung erfolgt entweder elektromyographisch unter Funktion oder statisch als isometrische Kraft zwischen den Kauflächen. Während Männer ihr Kaukraftmaximum mit etwa 45 Jahren erreichen und ca. 20 % mehr Kraft als Frauen ausüben, ist bei Frauen das Maximum bereits mit 35 Jahren erreicht. Bei älteren Patienten mit beidseitig verkürzter Zahnreihe ergibt sich eine Verminderung von etwa 50 % im Vergleich zu vollbezahnten Patienten. Bei Vollprothesenträgern halbiert sich dieser Wert nochmals.

Die aktive Leistung aller Kaumuskeln beträgt etwa 400 kg. Davon gelangt jedoch nur ein geringer Teil - abhängig von der Kautätigkeit - zwischen die Zähne (Kaudruck). Beim täglichen, normalen Kauen (ca. 40 min/Tag) werden Kräfte von etwa 20-30 Newton gemessen (ein Gewicht von 1 kg entwickelt einen Druck oder Zug von 9,8 Newton). Bei Knirschern und Pressern (Bruxismus) sind die gemessenen Kräfte ("Endkaudruck") zwischen den Zähnen wesentlich höher und können bis zu 800 Newton und mehr betragen - das bis zu über 30-fache! Dies kann bei längerem Anhalten zu schweren Schädigungen des Zahnhalteapparates, zu erheblichem Materialverlust der Zahnkauflächen, keilförmigen Defekten, Schmelzabsplitterungen oder -sprüngen, übermäßiger Abnutzung von Zahnersatz und zu Kiefergelenkserkrankungen führen.

Bei den enormen Belastungen verformen sich unter dem großen Druck kleine Bereiche der Zahnoberfläche. Wissenschaftler haben beobachtet, dass Eiweißmoleküle eine zentrale Rolle bei der Verformung und Selbstheilung des Zahnschmelzes spielen. Diese Moleküle sorgen dafür, dass sich die Atome nur in klar abgegrenzten Bereichen des Zahnschmelzes verschieben, während andere Regionen unbeschädigt bleiben. Sobald der äußere Druck nachlässt, wird die Verschiebung der Atome in der Nähe der Eiweißmoleküle wieder rückgängig gemacht, sodass nach einiger Zeit der gesamte Kristall wieder intakt ist. Auf diese Weise stellt der Zahnschmelz seine ursprüngliche Struktur wieder her.