Kauakt
Synonym: Mastikation · Englisch: chewing act, mastication
Kauakt Der Kauvorgang bereitet den Bissen auf das Schlucken und die erleichterte Verdauung vor. Dabei wird feste Nahrung vor dem Schlucken auf wenige Quadratmillimeter zermahlen. Das Kauen und Schlucken von Nahrung ist ein höchst komplexer Vorgang, der durch Rhythmusgeber im Hirnstamm gesteuert wird und zahlreichen Rückkopplungsmechanismen unterliegt. Nach der Zerkleinerung der Nahrungspartikel durch die Mastikation gliedert sich der eigentliche Schluckakt in eine orale (Mund), pharyngeale (Rachen) und ösophageale (Speiseröhre) Phase.
Typischerweise verläuft der Kauvorgang (engl. masticatory cycle) in vier Phasen, dem sogenannten "Vier-Phasen-Biss":
Öffnung des Unterkiefers leicht zur Seite hin und Erfassen der Speise mit den Schneidezähnen Weitere Öffnung zur Kauseite hin und Abbeißen Überführung in einen Balancekontakt und Zerquetschen der Nahrung auf der Kauseite Zurückführung in die Ausgangslage Die Strukturen, die am Kauvorgang beteiligt sind, umfassen den Ober- und Unterkiefer mit den Zähnen, die Kaumuskulatur, die Zunge, die Wangen, den Mundboden und den Gaumen. Während des Kauzyklus wird die Nahrung mit den Frontzähnen zerschnitten oder zerrissen. Der Bissen wird dann nach distal befördert und mit den Molaren zermahlen. Gleichzeitig wird der Bolus eingespeichelt und mit Enzymen versetzt.
Die Oberflächenvergrößerung der Nahrung verbessert dabei die enzymatische Aufschlüsselung. Sobald die Nahrung eine bestimmte Konsistenz erreicht hat, wird mit der Zunge ein Bolus geformt, der reflektorisch geschluckt wird. Der Kauvorgang beginnt primär willkürlich, erfolgt jedoch im weiteren Verlauf weitgehend unbewusst. Berührungsreize der Speisepartikel an Gaumen und Zähnen steuern die Kaubewegungen unwillkürlich. Ein Kauzyklus dauert etwa 0,6 bis 0,8 Sekunden, wobei Kräfte von bis zu 1900 N im Molarenbereich entwickelt werden können. Die durchschnittliche Beanspruchung beträgt etwa 300 bis 700 N. Diese Kräfte werden als Zugkräfte über die Parodontalfasern auf den Knochen übertragen, was zu einer direkten Belastung des Knochens, insbesondere des Alveolarkamms, führt. Gleichzeitig erfolgt eine funktionelle Beanspruchung des stomatognathen Systems über die Muskulatur.
Menschliche Zähne leisten täglich Enormes. Im Laufe eines Lebens kaut ein Mensch durchschnittlich 18 Tonnen Nahrungsmittel. Das entspricht umgerechnet 45 Schweinen, für Vegetarier einem Brot in der Länge von viereinhalb Kilometern oder für Geflügelliebhaber 10.000 Hähnchen. Außerdem werden im Durchschnitt 40 Tonnen Flüssigkeit geschluckt.
Die im Text genannten Entwicklungen zur Kernspintomographie und deren Anwendung haben keinen direkten Bezug zum Thema Kauvorgang. Dieser Abschnitt könnte separat betrachtet oder entfernt werden.