Aphthe
Synonym: auch (nicht korrekt): Aphte, Afte, Mundschleimhautgeschwür · Englisch: aphtha, aphthous ulceration
Meist rundliche, äußerst schmerzliche Verletzung der Mundschleimhaut von hellgrau bis gelblicher Verfärbung (je nach Reifestadium) mit einem schmalen roten Rand (s. Abb.) und festhaftendem fibrinösem Belag (Pseudomembran); einzeln oder auch in Mehrzahl (Aphthosis) auftretend. Die nicht infektiösen A. werden unterteilt in die chronisch rezidivierende, benigne Aphthose (RBA), welche die seltene malignen Art (Morbus Behçet) abgrenzen. A. sind eine der häufigsten Mundschleimhauterkrankungen mit einer Prävalenz zwischen 10 u. 20 %. A. sind bei Frauen häufiger als bei Männern, bei Nichtrauchern mehr als bei Rauchern vorkommend. I.d.R. kommt es zu zwei bis vier Erscheinungen/Jahr, welche mit zunehmenden Alter abnehmen. Lokalisation in absteigender Reihenfolge: Lippen, Wangenschleimhaut, Zunge, Mundumschlagfalte, Mundboden, weicher Gaumen (alles Stellen, wo die nicht verhornte Schleimhaut nicht durch das Periost fixiert ist) Klinisch werden drei Erscheinungsformen der RBA unterschieden: Minor Typ (Mikulicz-Aphthe), auch: chronisch rezidivierende Aphthen – häufig (~ 80 % der Betroffenen); kleine Ulzera (weniger als 5 mm Durchmesser) in der beweglichen, nicht verhornten Schleimhaut; selten an der Gingiva, dem Gaumen oder auf dem Zungenrücken. Zentral besteht eine grauweiße Pseudomembran mit einem schmalen erythematösen Rand (Halo). Abheilung innerhalb von 7 - 14 Tagen, keine Narbenbildung. Behandlung: örtlich mit Antiseptika, wie z.B.: Chlorhexidin 1% (Chlorhexidin Fluid ®), Chiniofon 3% (MuKO-Norm®); zur Schmerzstillung Lokalanästhetika (z.B.: Dynexan Gel®, Subcutin N®) Major Typ (Sutton-Aphthe) – rel. selten (10 - 15 %), gilt als schwere Form. Solitär vorkommende wenige, große Ulzera (bis 3 cm), jede Lokalisation inkl. Zungenrücken und hartem Gaumen ist möglich; gelegentlich auch als Aphthosen im Genitalbereich. Heilung innerhalb von 2 - 8 Wochen mit Narbenbildung. Behandlung: örtlich mit Kortikosteroiden (z.B. Volon A Haftsalbe ®) und/oder Antiseptika, wie z.B.: Chlorhexidin 1% (Chlorhexidin Fluid ®), Chiniofon 3% (MuKO-Norm®); zur Schmerzstillung Lokalanästhetika (z.B.: Dynexan Gel®, Subcutin N®) Herpetiforme Ulzera – selten, multiple (bis zu 100) kleine schmerzhafte Ulzera, die zusammenfließen und zerklüftete Ränder bilden. Gleicht klinisch einer Herpes-simplex-Infektion. Abheilungszeit ca. 14 Tage. Behandlung: systemisch (s.u.; durch Internisten); zusätzliche lokale Maßnahmen wie bei den anderen Formen Die Entstehung ist bisher unklar, jedoch wird ein gehäuftes Vorkommen im Frühjahr/Herbst, bei Essen von saurem Obst, unter Stress (Prüfungen), bei traumatischen Eingriffen (Zahnarztbesuch), während der Menstruation, bei Verdauungsstörungen, Empfindlichkeit auf bestimmte Nahrungsmittel, als Begleitsymptom bei schweren (Viren-)Erkrankungen individuell sehr unterschiedlich beobachtet. Wenn Eltern an RBA leiden, kommt es auch zu etwa 90% zu einem Auftreten bei deren Kindern. Häufig werden Virenerkrankungen diskutiert; ein wissenschaftlicher Beweis fehlt allerdings für diese These. Man geht heute überwiegend davon aus, dass es sich um eine umschriebene Fehlregulation der Blutgefäße, bedingt durch lokale Nervenirritationen handelt, was zu einer Mangelversorgung des betroffenen Gebietes führt. Daneben existieren noch aphthenähnliche Veränderungen bei versch. Systemerkrankungen oder als Folge einer Therapie mit Medikamenten. Von Laien wird häufig eine A. mit dem einer Herpes-Simplex-Erkrankung gleichgesetzt, obwohl die Erkrankungen - bis auf z.T. ähnliche Symptome - nichts miteinander zu tun haben. Zur Behandlung werden eine Vielzahl von Therapien vorgeschlagen, die ebenso wie das Vorkommen individuell unterschiedlich anschlagen können: Bepinseln mit Oberflächenbetäubenden Mitteln Spülungen mit desinfizierenden Medikamenten (Chlorhexidin) Cortison-Salben Melisse-Konzentrate (z.B. Lomaherpan™) Behandlung mit Cystus, einem Cistrosengewächs und altem griechischem Volksheilmitte. Allerdings sind viermal täglich Spülungen mit einem bitteren, scharfen Geschmack zu tolerieren. Neu auf dem Markt (2004) ist das rezeptfreie Präparat Aftab™ mit dem Wirkstoff Triamcinolonacetonid. Achtung: Die Anwendung von Triamcinolon in den ersten 5 Monaten der Schwangerschaft sollte unterbleiben, da Tierversuche Hinweise auf teratogene Wirkungen (Fehlbildungen) ergeben haben und Erkenntnisse über die Sicherheit einer Anwendung in diesem Zeitraum für den Menschen nicht vorliegen. am wirksamsten von den systemischen Präparaten hat sich bisher Thalidomid erwiesen - wegen einer Teratogenität (angeborene Fehlbildungen) ist der Einsatz allerdings begrenzt auch ohne den Einsatz der oben beschriebenen Methoden erfolgt eine spontane Abheilung - i.d.R. nach ein bis zwei Wochen Kälte verringert, auf eine A. appliziert, durch lokale Vasokonstriktion den Flüssigkeitsstrom im Gewebe und die Ausschüttung von Schmerz- und Entzündungsfaktoren. Zudem vermag Kälte die Leitungsgeschwindigkeit und Aktivität oberflächlicher Nerven zu vermindern. Prof. Dr. Michael Meurer gab 2004 auf einem Kongress nachfolgende Therapieempfehlungen: Zur Schmerzlinderung empfiehlt er die häufig wiederholte Anwendung von Myrrhentinktur (Inspirol P forte®), Lidocaingel (Dynexan®, Kamistad®-Gel N), Tetracainlösung (Legased®) oder Triamcinolonhaftsalbe (Volon®-A). Zur Förderung des Heilungsprozesses können darüber hinaus Dexpanthenol (z.B. Bepanthen®), Triamcinolon als Haftsalbe und Tetrazyklinlösung (500 mg in 50 ml) zum Einsatz kommen. Haben diese Methoden nicht den gewünschten Erfolg, stellt das über die internationale Apotheke erhältliche Amlexanox (Apthasol® 5%-Paste) eine weitere Option dar. Eine gut abdeckende Haftsalbe, die auch über Nacht einwirken und mit schmerzlindernden Substanzen versetzt werden kann, ist nach Angaben von Meurer sehr zu empfehlen: Geeignet ist eine 40% Hypromellose-Haftpaste (NRF 7.8.) bestehend aus 8,0 g Hypromellose 2000 mit 20,0 g hydrophobem Basisgel DAC. Für den Fall, dass eine Steroidtherapie notwendig ist, würde Meurer über fünf Tage mit viermal täglich 0,1-0,2%iger Triamcinolonlösung und mit 30-40 mg/d Prednisolon behandeln und die Steroidtherapie anschließend für eine Woche alle zwei Tage in einer Dosis von jeweils 20 mg fortführen. Außerdem sollte auf Zahnpasten mit Natriumlaurylsulfat und Zahnbürsten mit harten Borsten verzichtet sowie bei Mundtrockenheit auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Zur lokalen Rezidivprophylaxe bieten sich Antiseptika, Kamillenextrakt und auch tägliche Mundspülungen mit Distel- oder Sonnenblumenöl an. Mit Präparaten zur systemischen Prophylaxe liegen zum Teil wenig Erfahrungen vor, daher warnt Meurer hier vor nicht unerheblichen Risiken. Aphthoid, Aphthosis, Bednar-Aphthen, Hand-Fuß-Mund-Exanthem (Krankheit), Herpes, Morbus Crohn, Mundschleimhauterkrankung, Natriumlaurylsulfat, Stomatitis, Virustatika S2k-Leitlinie, Diagnostik und Therapieoptionen von Aphthen und aphthoiden Läsionen der Mund- und Rachenschleimhaut; Stand: November 2016 Gültig bis: November 2019 A. unter der Zunge A. auf der Zungenspitze großflächige A. im Gaumenbereich.