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Herpes

Synonym: Virusbedingter Bläschenausschlag, Fieberbläschen, Herpesläsion · Englisch: Herpes

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Herpes ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Infektionen, die durch verschiedene Typen des Herpes-Virus verursacht werden. Zur Familie der Herpesviren gehören über 90 verschiedene Virentypen. Allerdings sind die meisten davon nur bei Tieren negativ wirksam und für den Menschen ungefährlich. Für den Menschen führen hauptsächlich folgende vier Herpesvirus-Typen zu Erkrankungen:

  • Das Herpes-simplex-Virus-1 (HSV-1) verursacht vorwiegend den Herpes labialis ("Griebe"; Abb.),
  • Das Herpes-simplex-Virus-2 (HSV-2) verursacht vorwiegend den Herpes genitalis.
  • Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) führt beim Erstkontakt zu Windpocken und bei Reaktivierung zur Gürtelrose.
  • Das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht eine Mononukleose infectiosa, auch bekannt als "Pfeiffersches Drüsenfieber" oder "kissing disease". Es lässt sich auch in vielen Fällen bei einer aggressiven Parodontitis nachweisen und wird mit der Entstehung verschiedener Lymphome sowie epithelialer Malignome in Verbindung gebracht.
  • Das Zytomegalie-Virus (ZMV) ist eine intrauterine oder im frühen Kindesalter auftretende Virusinfektion.

Von Laien wird häufig eine Herpes-Simplex-Erkrankung (HSV-1) mit dem Vorkommen von Aphthen gleichgesetzt, obwohl die Erkrankungen – bis auf teils ähnliche Symptome – nichts miteinander zu tun haben.

Der Erstkontakt und eine Infektion mit HSV-1 erfolgen meist klinisch unauffällig schon im Baby- oder Kleinkindalter durch direkten Kontakt mit akuten Herpes-Trägern. Der Herpes-Virus wandert dann entlang der Nerven und setzt sich in einer "Schaltstelle" (Ganglion) fest, wo er jahre- bis jahrzehntelang "schlummern" kann. Bei verminderter Immunabwehr, Stress, grippalen Infekten (daher der Name "Fieberbläschen"), Sonnenbrand oder Ekel ("falscher Kuss") können die Herpes-Viren reaktiviert werden und im Verbreitungsgebiet des betroffenen Nervs – für die Lippe und Mundschleimhaut ist dies der Trigeminus-Nerv – entsprechende Ausschläge verursachen.

Der Verlauf ist bis auf HIV-Erkrankungen, bei denen die Infektion unter Umständen tödlich verlaufen kann, meist störend, aber nicht von einem schweren Krankheitsbild geprägt. Der Ausschlag bildet sich unter schorfiger Verkrustung nach 8-10 Tagen von selbst zurück.

Das Humane Herpesvirus 6 (HHV-6), der Verursacher des sogenannten Exanthema subitum, ist bei der Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung im Speichel vorhanden. In jüngerer Zeit wurde nachgewiesen, dass parodontalen Läsionen Nistplätze für Cytomegalie- und Epstein-Barr-Viren sind und einer Übertragung via Speichel Vorschub leisten. Es gilt als gesichert, dass das Hauptreservoir für Herpesviren im Speichel das Speicheldrüsengewebe und die Epithelzellen der Ausführungsgänge sind. Nach neueren Untersuchungen (2005) besteht eine Beziehung zwischen der Infektion mit Herpes-Simplex-Virus und dem Schweregrad parodontaler Erkrankungen. Möglicherweise spielen Koinfektionen mit mehreren Subspezies der Herpesvirus-Familie eine Rolle.

Als Behandlung werden vorbeugende Maßnahmen und eigentliche Therapien unterschieden:

Vorbeugend wird bei häufig wiederkehrenden Erkrankungen die Einnahme von Aciclovir (Virustatika) diskutiert. Auch die Vermeidung von Sonnenbrand, Stärkung des Immunsystems und Stressabbau bringen häufig gute Erfolge.

Im akuten Stadium erfolgt die Behandlung je nach Schweregrad mit Aciclovir-Tabletten. Der Erfolg von Aciclovir-haltigen Cremes wird wissenschaftlich negativ beurteilt. Gute Erfolge wurden mit einer konzentrierten Melissencreme (Lomaherphan™) erzielt, wenn diese frühzeitig auf die betroffene Stelle aufgetragen wird. Die moderne Heilpflanzenkunde erklärt diese Wirkung durch ein natürliches Blockiersystem, das die Virus-Eingänge an den Hautzellen verschließt, wodurch die Virenvermehrung gehemmt und der Herpes-Ausbruch unterbunden wird.

Bisher (2003) zeigten Substanzen aus der Gemeinen Brunelle im Tierversuch Erfolge bei Herpesinfektionen. Die bekannte Heilpflanze Prunella vulgaris enthält offenbar bestimmte Substanzen, die sehr effektiv gegen Herpesviren helfen. Diese so genannten Lignine konnten signifikant die Auswirkungen von Herpesinfektionen reduzieren.