Rezession
Synonym: Gingivarezession, entzündungsfreier Zahnfleischrückgang, Entblößung · Englisch: (gum) recession
Rezessionen treten meist auf der Außenseite (bukkal) bei prominent stehenden, ansonsten entzündungsfreien Zähnen auf. Es kommt dabei nicht zur Bildung von Zahnfleischtaschen, und erst im Spätstadium, bei entsprechendem Alveolarknochenabbau, sind leichte Zahnlockerungen erkennbar. Man unterscheidet zwischen einer singulären Rezession (bei einzelnen Zähnen) und einer generalisierten Rezession (Entblößung an allen Zähnen). Der Verlust von Zahnfleischgewebe mit erweiterten Zahnzwischenräumen und vergrößerter Kronenlänge kann besonders bei den oberen Schneidezähnen ästhetische und funktionelle Probleme verursachen. Ursachen sind falsche Zahnputztechnik, Parafunktionen wie Knirschen und Pressen, altersbedingter Rückgang von Zahnfleisch und Knochen ("Parodontose") sowie Zug durch tief ansetzende Lippen- oder Wangenbänder. Man unterscheidet zwischen gingivaler Rezession (nur die marginale Gingiva ist betroffen, meist bei Jugendlichen) und parodontaler Rezession (zusätzlich sind Alveolarknochen und Desmodont betroffen). Dabei beschränkt sich der Rückgang auf die vestibulären und oralen Anteile des Parodontiums, während Zahnfleischpapillen weniger betroffen sind. Jede Rezession wird vor der Therapie einer der vier Miller-Klassen zugeordnet, was der prognostischen Einschätzung des Therapieergebnisses dient. Neben der Behandlung empfindlicher freiliegender Zahnhälse mit hoch konzentrierten Fluoriden, Desensibilisierern und speziellen Lacken können chirurgische Maßnahmen wie eine Rezessionsdeckung mittels Bindegewebstransplantat (subepitheliales Bindegewebstransplantat, Schleimhauttransplantat, oft auf einzelne Zähne beschränkt) oder ein koronaler Verschiebelappen durchgeführt werden. Zusätzlich kann die Applikation von Membranen (z. B. Atrisorb) einzeln oder in Kombination erfolgen. Alternativ wird bei größeren Defekten die Anwendung einer azellulären dermalen Matrix (z. B. Alloderm®, LifeCell) empfohlen, die ein schonenderes Vorgehen ermöglicht. Eine Deckung bietet zudem den Vorteil, dass die kosmetisch störenden "langen" Zähne weniger negativ erscheinen. Alle chirurgischen Techniken reduzieren die Rezessionstiefe und verbessern das Attachmentniveau. Untersuchungen zufolge schneiden Techniken mit Bindegewebstransplantaten oder Schmelzmatrixproteinen (z. B. Emdogain) besser ab. Eine chirurgische Therapie zur Deckung der freiliegenden Wurzeloberfläche ist bei Rezessionen der Miller-Klassen I und II mit gutem Erfolg möglich. Bei Klasse-III-Rezessionen ist zumindest ein Teilerfolg zu erwarten, während bei Klasse-IV-Rezessionen eine chirurgische Deckung meist keinen Erfolg hat. Neuerdings wird versucht, Zahnfleischverluste mit gingivafarbenen partiellen Porzellan-Laminat-Veneers zu kaschieren. Folgende Verhaltensmaßnahmen können das Fortschreiten von keilförmigen Defekten und Rezessionen verhindern: Erlernen einer geeigneten Zahnputztechnik (z. B. Stillman-Technik), geringer Anpressdruck der Zahnbürste von etwa 150 Gramm (entspricht dem Gewicht einer Orange, Üben an der Küchenwaage), Verwendung einer weichen Zahnbürste und wenig abrasiver Zahnpasta, sowie der Einsatz einer elektrischen Zahnbürste. Zusätzlich kann bei Überbelastung durch Parafunktionen das Anfertigen und Tragen einer Aufbiss-Schiene hilfreich sein.