Zum Hauptinhalt springen

Prothesenbasis

Englisch: denture base

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Die Prothesenbasis ist die der Mundschleimhaut anliegende Unterseite und der künstliche Zähne tragende Teil einer Prothese mit unterschiedlicher Ausdehnung. Zur optimalen Verteilung der Kaukräfte – besonders bei Vollprothesen – sollte möglichst viel von der Mundschleimhaut einbezogen werden (Prothesenlager). Aus hygienischen Gründen ist eine Politur der Prothesenbasis beidseitig angeraten. Als Material werden hauptsächlich (> 90 %) sogenannte "Prothesenkunststoffe" auf Methylmethacrylat-/Polymethylmethacrylat-Basis (PMMA) verwendet. In der Teilprothetik besteht die Prothesenbasis im nicht sichtbaren Bereich häufig aus Metall (Metallbasis) oder ist in Bereichen mit Kieferschwund mit einer dünnen, unterfütterbaren Kunststoffschicht belegt. Bei Vollprothesen ist dies selten der Fall; die früher üblichen Netzeinlagen gelten heute als obsolet. Die biologische Verträglichkeit der Kunststoffe hängt von einem hohen Polymerisationsgrad ab. Allergische Unverträglichkeiten durch Restmonomere werden auf nur 0,3 % geschätzt. Ursache sind nicht die Kunststoffe selbst, sondern unpolymerisierte Ausgangs- und Begleitstoffe wie Benzoylperoxid (Initiator), Hydrochinon (Inhibitor) oder Methylmethacrylat (MMA). Aufgrund chemischer Gleichgewichtsprozesse ist ein gewisser Restmonomeranteil in der fertigen Prothese unvermeidbar. Durch geeignete Polymerisationsbedingungen kann dieser auf ein Mindestmaß reduziert, aber nicht vollständig eliminiert werden. Als optimal gilt eine Langzeitaushärtung (10–15 Stunden) bei 95°C. Prothesenkunststoffe werden nach chemischer Zusammensetzung und eingesetzten Materialien unterschieden: heißhärtende Kunststoffe, die außerhalb des Mundes bei mindestens 65°C über mehrere Stunden polymerisiert werden, selbsthärtende (kalthärtende) Kunststoffe, die ohne erhöhte Temperatur direkt durch chemische Reaktion aushärten, wobei eine direkte Verarbeitung im Mund umstritten ist (Restmonomer, Unterfütterung), thermoplastisches Material (Polyplaste) in Kartuschen oder Pulverform, lichthärtende Kunststoffe (lichtinduzierte Polymerisation), mikrowellenhärtende Kunststoffe sowie flexible Kunststoffe wie Nylon-Kunststoffe (z. B. Flexonon™ oder Sunflex™). Historisch wurde auch Kautschuk verwendet. Verarbeitungstechnisch gibt es verschiedene Verfahren: Beim Stopf-Press-Verfahren wird eine teigartige Mischung aus Monomer und pulverförmigem Polymer (z. B. Paladon®) in eine Gipshohlform gestopft und gepresst. Nachteile sind Pressfahnen, eine mögliche Bisserhöhung und die fehlende Kompensation der Polymerisationsschrumpfung. Beim Injektionsverfahren wird Heiß- oder Kaltpolymerisat maschinell in eine geschlossene Küvettenhohlform injiziert, wobei durch Nachpressen die Schrumpfung kompensiert wird. Dieses Verfahren erfordert jedoch hohen technologischen Aufwand. Im Gießverfahren werden flüssige Kaltpolymerisate in eine Gießküvette gegossen und unter Druck bei etwa 50°C im Wasserbad polymerisiert. Nachteile sind eine relativ hohe Schrumpfung und mäßige Zeitersparnis. Beim Spritz-Guss-Verfahren wird ein auspolymerisiertes Thermoplast (meist PMMA) durch Erwärmung verflüssigt und unter hohem Druck in eine Spritzküvette eingebracht. Es entsteht keine Polymerisationsschrumpfung, der Restmonomergehalt ist äußerst gering, jedoch ist der technologische Aufwand hoch, und mechanische Retentionen sind nötig. Das Schmelz-Press-Verfahren (z. B. Luxene®) kombiniert das Stopf-Press- und das Injektionsverfahren. Vorpolymerisiertes, erwärmtes Gel wird in eine offene Küvette gestopft und nach dem Verschließen gepresst. Die endgültige Polymerisation erfolgt im Wasserbad. Im Oberkiefer beeinflusst die Ausgestaltung der Gaumenbasis die Sprachfunktion, da insbesondere „S“-Laute (Reibelaute) von der Ausdehnung und Oberfläche des Gaumenreliefs abhängen.