Überkappung
Englisch: pulp-capping
Überkappung Aufbringen von Medikamenten – meist auf der Basis von Calciumhydroxid-Präparaten oder Calciumsalicylat-Basis – mit dem Ziel der Vitalerhaltung einer infizierten oder gefährdeten Pulpa. Bei einem vitalen, klinisch unauffälligen Zahn ohne röntgenologische Veränderungen an der Wurzelspitze ist die Prognose gut. Ist die Pulpa irreversibel entzündet, ist die Vitalexstirpation das Mittel der Wahl. Die exakte Diagnose ist jedoch nicht klinisch, sondern nur histologisch möglich (s.u. "Folgende 6 Punkte ..."). Es werden zwei Arten unterschieden, die unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden: Direkte Überkappung (direct pulp capping) erfolgt bei einem durch Karies (Caries profunda) oder iatrogen bedingtem Freiliegen des Zahnnervs (Pulpa aperta): Nach Stillung der Blutung (i.d.R. mit H2O2) wird das Überkappungsmaterial auf den Zahnnerv aufgetragen und mit einer stabilen und dichten Unterfüllung überschichtet (z.B. Glasionomerzement). Als Goldstandard haben sich hierfür Calciumhydroxid-Präparate in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt. Man erwartet, dass sich durch regenerative Vorgänge des Zahnnervs neue Hartsubstanz (Tertiärdentin) bildet und diesen Defekt dauerhaft biologisch verschließt. Da dieses Vorgehen nicht immer erfolgreich ist, kann eine endgültige Versorgung des Zahnes mit einer Füllung oder Krone erst dann erfolgen, wenn eine periodisch durchgeführte Vitalitätsprüfung auch nach Monaten noch positiv ist. In jüngerer Zeit wird eine direkte Überkappung mit flüssigen Kunststoffen (ohne das klassische Calciumhydroxid, z.B. ein Bonding) ebenfalls mit Erfolg angewandt. Es werden Wartezeiten bis zu einem Jahr angegeben (s.u.). Erfolg und Misserfolg direkter Überkappungen hängen generell von verschiedenen Zahngruppen ab: So zeigen Frontzähne wesentlich bessere Erfolgsraten als Molaren. Nach 10 Jahren wird für die direkte Überkappung eine Misserfolgsrate von 80 % (!) angegeben (s. Abb.). Überkappungen mittels Bonding, eine Zeit lang propagiert, wurden u.a. wieder wegen einer hohen Allergisierungsrate durch das Monomer verlassen. Indirekte Überkappung (indirect pulp capping) ist die Grundlage der Caries profunda-Therapie. Das pulpennahe Dentin (der Nerv darf noch nicht eröffnet sein, sonst direkte Überkappung, oben) wird mit dem Überkappungsmaterial abgedeckt und mit Zement überdeckt (Unterfüllung), bevor die eigentliche Versorgung der Kavität mit einer Füllung oder Krone erfolgt. Erfolgsüberprüfung ebenfalls durch spätere Vitalitätsprüfungen. Zur Erfolgsquote sagen Untersuchungen, dass diese vom Frontzahn- zum Seitenzahnbereich kontinuierlich abnimmt. Die mittleren Schneidezähne hatten eine Erfolgsquote von 83,3 %, die Weisheitszähne eine von nur 38,9 %. Deutlich war die Alterabhängigkeit: In der Gruppe der 10- bis 19-Jährigen lag die Erfolgsquote bei 76,4 %, die der über 70-Jährigen dagegen bei nur 0 %. Interessant ist der Zeitpunkt des Auftretens von Misserfolgen: Mindestens 63,6 % der Misserfolge traten bereits im ersten Jahr nach der Überkappung auf. Folgende 6 Punkte können helfen, die Diagnostik "reversible oder irreversible Schädigung des Zahnnervs" zu untermauern und eine entsprechende Therapie (Vitalerhaltung bei "reversibel" oder Entfernung des Zahnnervs) einzuleiten:
- Was löst den Schmerz aus? Bei „kalt, süß, sauer“ liegt eine reversible, bei „Wärme“ eine irreversible Pulpitis vor.
- Wie lange hält der Schmerz an? Bei „ungefähr so lange, wie der Reiz besteht“ ist die Pulpitis reversibel, bei „Schmerz überdauert den Reiz“ irreversibel.
- Tritt Schmerz spontan auf? Nie = reversible Pulpitis, ja = irreversible Pulpitis.
- Ist der Schlaf nachts wegen Zahnschmerzen gestört? Falls ja = irreversible Pulpitis.
- Lindert Kälte den Schmerz? Falls ja = irreversible Pulpitis in den meisten Fällen.
- Wie lange bestehen die Schmerzen schon? Bei „1–3 Tagen“ liegt eine reversible, bei längerem Schmerz oder Schmerzen, gefolgt von schmerzfreien Intervallen, liegt in der Regel eine irreversible Pulpitis vor.