Glasionomerzement
Synonym: GIZ, Glas-Polyalkenoatzement, Hybridionomerzement · Englisch: glass ionomer cement (GIC)
Glasionomerzemente (GIZ) sind dental gebräuchliche Füllungsmaterialien, die aus zwei Hauptkomponenten bestehen: einem Pulver aus gemahlenem, fluoridhaltigem, aluminiumreichen Silikatglas und einer Flüssigkeit, die aus bis zu 50 % wässrigen Lösungen von Polycarbonsäuren besteht (z. B. Acryl-, Methacryl-, Itacon- oder Maleinsäure). Das Material härtet durch eine Säure-Base-Reaktion aus, wobei eine vernetzte Matrix entsteht.
Eigenschaften und Verarbeitung: Die chemische Bindung von GIZ an die Zahnhartsubstanz erfolgt über eine Reaktion der Carboxylgruppen der Polysäure mit Calcium- und Aluminiumionen, die freigesetzt werden. Dies führt zu einer adhäsiven Verbindung mit Haftwerten von 2–4 MPa. Obwohl die Haftung geringer ist als bei Kompositen, wird sie durch die einfache Handhabung und Fluoridabgabe der GIZ ausgeglichen. Die Zugabe von Weinsäure kann den Abbindeprozess beschleunigen.
Einsatzbereiche: GIZ werden hauptsächlich bei Zahnhalsfüllungen (Klasse-V-Kavitäten), herkömmlichen Klasse-III-Kavitäten und als provisorisches Füllungsmaterial eingesetzt. Sie sind nicht für Klasse-II- und -IV-Kavitäten geeignet. In der Kinderzahnheilkunde kommen sie als Amalgamalternative für Milchzahnfüllungen zum Einsatz.
Klassifikation:
- Konventionelle GIZ: Standardanwendungen mit einfacher Fluoridabgabe.
- Antibakterielle GIZ: Zusatz von Chlorhexidin (CHX) zur antibakteriellen Verbesserung.
- Metallverstärkte GIZ: Cermet-Zemente (z. B. Ketac-Silver®) mit höherer Festigkeit und Radiopazität.
- Stopfbare GIZ: Hochviskose Varianten für leichteres Handling in der Milchzahnfüllung.
- Kunststoffmodifizierte GIZ: Hybridionomere mit lichthärtenden Eigenschaften für schnellere Aushärtung.
Vorteile und Grenzen: GIZ zeichnen sich durch Fluoridfreisetzung mit Depotwirkung aus, wobei die maximale Fluoridabgabe innerhalb der ersten 24 Stunden erfolgt und danach abnimmt. Sie sind ästhetisch akzeptabel, jedoch aufgrund der großen Silikatpartikel nur unzureichend polierbar. Mechanisch sind sie Kompositen unterlegen, was durch Weiterentwicklungen wie Hybridionomere und Kompomere teilweise kompensiert wurde.
Besonderheiten:
- Hybridionomere bieten eine schnellere Abbindung und bessere Stabilität, zeigen jedoch weniger Fluoridfreisetzung und eine erhöhte Schrumpfung.
- GIZ sind für Fissurenversiegelungen weniger geeignet und keine umfassende Amalgamalternative.
- Die Druckfestigkeit von GIZ kann durch Ultraschallbehandlung während des Abbindeprozesses erhöht werden.
Trotz der eingeschränkten mechanischen Eigenschaften stellen GIZ eine wichtige Option für bestimmte Indikationen dar, insbesondere in der Kinderzahnheilkunde und für provisorische Anwendungen.