Gesichtsspalte
Synonym: fissura facialis, Prosoposchisis · Englisch: facial cleft
Ein- oder doppelseitige Hemmungsfehlbildung (zu den " kraniofaziale Dysplasien " bzw. " dysgenetischen Fehlbildungen " gehörend; mit einem Anteil von 11 - 15% an 2. Stelle der angeborenen Fehlbildungen). Beim Menschen wachsen die einzelnen Abschnitte des Gesichts - wie Lippe, Kiefer und Gaumen - in der Regel in der sechsten bis neunten Schwangerschaftswoche zusammen. Wenn dieser Prozess gestört abläuft, kann es zu Spaltbildungen kommen. Neben der Beeinträchtigung des Aussehens leiden die Betroffenen häufig an ausgeprägten Störungen des Gesichtsschädelwachstums, der Sprache und des Gehörs. Ihre Häufigkeit wird in Mitteleuropa auf 1 - 2 pro 1.000 Neugeborene geschätzt (es besteht keine Meldepflicht); jährlich werden in Deutschland rund 1.800 Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte geboren. Isolierte Gaumenspalten sowie rechtsseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalten treten häufiger bei Frauen auf, während linksseitige Spalten öfter bei Männern beobachtet werden. Weiter ist bekannt, dass unzureichende Einnahme von Folsäure in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko von Spaltenbildungen der linken Lippe einhergeht, während ein familiärer Diabetes das Auftreten isolierter Gaumenspalten zu begünstigen scheint. Im Schnitt sind in den ersten Jahren drei bis fünf Operationen erforderlich, um die Fehlbildungen zu korrigieren und dafür zu sorgen, dass die Kinder schlucken, kauen und sprechen können; bei den meisten Patienten sind später weitere Eingriffe zur Stabilisierung bzw. endgültigem Verschluss und aus kosmetischen Gründen nötig. (siehe vergleichende Abbildungen rechts) Die Ursachen sind bis heute nicht genau geklärt, aber es scheinen viele Faktoren eine Rolle zu spielen. Sicher ist, dass bei etwa jedem 5. Kind eine Vererbungskomponente besteht, die auch einige Generationen zurückliegen kann; diskutiert werden weiter Schädigung in der Frühschwangerschaft (Vitamin- o. Sauerstoffmangel (z.B. starkes Rauchen der Mutter); Virusinfektionen der Schwangeren oder allgemeine Umweltbelastungen; psychische Belastung und Stress scheinen dagegen nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Statistisch treten bei Kindern sehr junger und eher älterer Mütter häufiger Spaltbildungen auf. Während des Wachstums des Kindes im Uterus kommt es zwischen der 5. und 9. Woche entweder zu einer fehlenden Vereinigung oder einem Wiedereinreißen von Gewebe, aus dem sich später Nase, Lippe und Oberkiefer entwickelt. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt die Entwicklungsstörung auftritt und wie schwerwiegend sie ist, entstehen verschiedene Spaltformen (ein- oder beidseitige Lippenspalten, Lippen-Kiefer-Spalten, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bzw. vollständige Gaumenspalten und isolierte Spalten des weichen Gaumens) mit unterschiedlichem Ausprägungsgrad. In sog. "Spaltzentren" ist es durch die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachgebiete heute möglich, die Gesichts- und Kieferstrukturen der Kinder frühzeitig zu normalisieren und Sprach- und Hörfehlern vorzubeugen. Von zahnmedizinischer Bedeutung sind folgende Formen: Lippenspalte (sog. " Hasenscharte ") Kieferspalte Lippen-Kieferspalte Gaumenspalte (Anteil ca. 30% aller G.) Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (sog. " Wolfsrachen "; Anteil 50 - 70% aller G.) Wangenspalten International wird klassifiziert: Spalten des vorderen embryonalen Gaumens (Lippen-, Lippen-Kieferspalten) Spalten des vorderen und hinteren embryonalen Gaumens (Lippen-Kiefer-Gaumenspaltenspalten) Spalten des hinteren embryonalen Gaumens (Gaumenspalten im harten und/oder weichen Gaumen) seltene Spalten, wie horizontale, mediane und schräge Spalten (z.B. Makrostomie, Meloschisis) Die Fehlbildungen betreffen fast immer den Oberkiefer und die Oberlippe. Zwischen 21 und 37% der Kinder mit G. weisen zusätzlich eine begleitende Fehlbildung oder Störung auf (obere und untere Extremitäten, Wirbelsäule, Herz, zentrales Nervensystem, Urogenitalsystem). Die Behandlung "in mehreren Schritten" befasst sich nicht nur mit einem kosmetischen Langzeiterfolg, sondern strebt eine gute Funktion bei der Nahrungsaufnahme und Sprachentwicklung an. Die bald nach der Geburt (ca. 5 Kg Gewicht des Babys; ~ möglichst während der ersten 4 Lebenswochen) beginnenden chirurgischen und später kombiniert chirurgischen/kieferorthopädischen Behandlungen erzielen heute durch das Zusammenwirken von Kieferchirurgen, und -orthopäden, Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Kinderärzten, Logopäden, Psychologen und Zahnärzten beachtliche Erfolge. U.U. ist im Alter von 16 oder 17 Jahren eine weitere Operation erforderlich, da die Nase von Kindern mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte manchmal nicht gerade wächst und daher (kosmetisch und funktionell) korrigiert werden muss. ADAM-Komplex, Distomie, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Logopädie, Makrostomie, Robin-Syndrom, Unterlippenspalte einseitige LKG Doppelseitige LKG linksseitige G. nach erfolgreicher Operation im Erwachsenenalter Behandlungskonzept.
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