Trigeminusneuralgie
Synonym: Gesichtsschmerz, Nervenschmerz, Neuralgie des Trigeminusnervs · Englisch: trigeminal neuralgia
Trigeminusneuralgie, selten auch Prosopalgie genannt, bezeichnet einseitige, kurzdauernde Schmerzattacken im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Äste des Nervus trigeminus. Diese werden meist durch einfache Reize an bestimmten Gesichtsstellen (“Triggerpunkte”) wie Waschen, Rasieren, Rauchen, Zähneputzen oder Hautberührungen ausgelöst, können jedoch gelegentlich auch ohne äußere Reize auftreten. Häufig sind die Schmerzen mit einem Zusammenziehen der mimischen Muskulatur im betroffenen Bereich verbunden (Tic douloureux). Die symptomatische Trigeminusneuralgie wird durch Grunderkrankungen wie z. B. Multiple Sklerose verursacht, während die idiopathische Form offenbar auf eine vaskuläre Kompression des Nerven zurückzuführen ist. Die “International Headache Society” definiert die klassische Trigeminusneuralgie anhand folgender Kriterien: A: Paroxysmale Schmerzattacken von Sekundenbruchteilen bis zu 2 Minuten Dauer, die einen oder mehrere Äste des Nervus trigeminus betreffen und die Kriterien B und C erfüllen. B: Der Schmerz weist mindestens eines der folgenden Charakteristika auf: starke Intensität, scharf, oberflächlich, stechend; ausgelöst durch eine Triggerzone oder Triggerfaktoren; völlige Beschwerdefreiheit zwischen den Episoden. C: Die Attacken folgen beim einzelnen Patienten einem stereotypen Muster. D: Klinisch ist kein neurologisches Defizit nachweisbar. E: Die Schmerzen sind nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen. Trigeminusneuralgie tritt bei etwa 1–2 % der Patienten mit Multipler Sklerose auf, während die Prävalenz in der Gesamtbevölkerung bei etwa 0,04–0,06 % liegt. Die medikamentöse Therapie erfolgt in der Regel mit Antikonvulsiva wie Carbamazepin (300–1200 mg) oder Oxcarbazepin (300–1800 mg). Andere wirksame Medikamente sind Gabapentin, Lamotrigin, Phenytoin, Topiramat und Baclofen sowie das Neuroleptikum Pimozid. Bei Therapieversagen kommen invasive Verfahren wie die Injektion hochprozentigen Alkohols in den betroffenen Nerv, die chirurgische Entfernung oder Durchtrennung des Nervenastes (z. B. nach der Frazier-Methode) oder moderne radiologische Verfahren wie die Gamma-Knife-Therapie zum Einsatz. Die operative Therapie birgt jedoch Risiken und ein relativ hohes Rezidivrisiko. Neuere Ansätze (ab 2007) vermuten als Ursache eine zu enge knöcherne Durchtrittsstelle des Nervus trigeminus, die durch Einlegen von Gore-Tex- oder Teflonmaterial zwischen Blutgefäß und Nerv entlastet wird.