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Schmerz

Englisch: ache, dolor, pain

Aus zahnärztlicher Feder, gepflegt von Dr. Louis Bahlmann, Zahnarzt in KölnStand: Fachlich geprüft von Dr. Louis Bahlmann am

Schmerz ist eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die mit akutem oder drohendem Gewebsschaden verknüpft ist oder mit diesem in Zusammenhang steht. Er wird durch Reizung von Nervenendigungen (Schmerzrezeptoren, Nozizeptoren) hervorgerufen und hat eine erhebliche seelische Komponente. Schmerz ist Ausdruck eines körperlich-seelischen, multifaktoriellen Geschehens, was bedeutet, dass das Schmerzerleben nicht nur durch die Art und Schwere einer bestimmten Organschädigung bestimmt wird, sondern auch durch die individuelle Schmerzverarbeitung. Aufgrund der unterschiedlich ausgeprägten Leidensfähigkeit von Menschen ist es praktisch unmöglich, Schmerz zu messen. Die Wahrnehmung von Schmerzen als "stärker" oder "schwächer" kann durch ein vorangegangenes Schmerzereignis entscheidend beeinflusst werden. Es wird angenommen, dass das Schmerzempfinden stark von genetischen Faktoren geprägt ist, was durch Ergebnisse von Zwillingsuntersuchungen unterstützt wird.

Schmerz wird nach einer Definition der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes als:

subjektives Phänomen: Eine Gewebeschädigung kann, muss aber nicht die Voraussetzung sein. körperliche Empfindung: Im Unterschied zum seelischen Leid wird Schmerz in der Sprache einer Schädigung beschrieben. Sinnes- und Gefühlserfahrung. Es werden folgende Dimensionen für die Schmerzentstehung und -beeinflussung als bedeutsam angesehen:

die somatische Dimension mit der Lokalisation und dem anatomischen Substrat des Schmerzes, die psychische Dimension mit der Persönlichkeit des Patienten und dessen biographischem Hintergrund, die soziale Dimension mit ihren psycho-sozialen Stressoren und dem Einfluss beruflicher und sozialer Probleme. Schmerzinformationen werden auf verschiedenen Ebenen verarbeitet. Rund drei Millionen "Schmerzsensoren" – spezialisierte Zellen (Nozizeptoren), die auf schmerzhafte Reize reagieren – sind an freien Nervenendigungen im Körper verteilt, besonders an seiner Oberfläche. Bei Kontakt mit Hitze, bestimmten Stoffen oder etwa einem spitzen Gegenstand werden die Sensoren erregt und senden elektrische Signale über Nervenfasern in das Rückenmark (motorische und sympathische Reflexe), den Hirnstamm (Kreislauf- und Atmungsregulation), Hypothalamus/Hypophyse (Hormonfreisetzung, Endorphine) und den Neokortex (affektive und kognitive Verarbeitung). Aktuelle MRT-Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Regionen des Gehirns bei gleichen Schmerzreizen unterschiedlich stark aktiv sind. Damit entscheidet nicht die Reizintensität, sondern die Reizprozessierung im Gehirn über die individuell empfundene Stärke des Schmerzes.

Analgetika können auf drei Ebenen wirken: Schmerzrezeptor, Rückenmark und Zentralnervensystem.

Nach der Lokalisation und Empfindung des Schmerzes unterscheidet man:

den meist gut lokalisierbaren Oberflächenschmerz (z.B. Zahnschmerzen); er wird über dicke A-δ-Fasern zum Gehirn geleitet, den ungenau lokalisierbaren, dumpfen Tiefenschmerz (z.B. nach Prellungen oder Quetschungen, Kopfschmerzen usw.); er wird über dünne C-Fasern langsam zum Gehirn geleitet, den zu Krämpfen neigenden Eingeweideschmerz (z.B. im Herz, Darm, Gallenblase), akute und chronische Schmerzzustände; dabei kommt dem Akutschmerz eine Warn- und Alarmfunktion zu. Von einem chronischen Schmerz spricht man, wenn das Schmerzerleben länger als 3 Monate andauert. eine Sonderform stellt der Phantomschmerz dar. Starke schmerzhafte Vorgänge können mit vegetativen Begleiterscheinungen verbunden sein, wie Blässe, Schweißausbrüchen, Erweiterung der Pupillen, Blutdruckschwankungen bis hin zum Kollaps. Schmerz löst gewöhnlich Abwehr-, Aggressions-, Angst- und Fluchtreaktionen aus; abzugrenzen davon ist ein überwiegend lustbetontes Schmerzerlebnis, wie es beim als abnorm geltenden Masochismus vorkommen kann.

Eine Klassifikation (Türp, Schindler, Staehle, 2003, Jahrestagung DGZMK) unterscheidet sieben Zahnschmerzformen:

"Dentin"-Schmerz: ausgehend vom Zahnnerv, bei gesunder Pulpa oder reversibler Pulpitis, "Pulpa"-Schmerz: ausgehend vom Zahnnerv, bei irreversibler Pulpitis, parodontaler Schmerz: ausgehend vom Zahnhalteapparat (ohne Knochenbeteiligung), alveolär-ossärer Schmerz: bedingt durch krankhafte Prozesse im knöchernen Zahnfach und seiner Umgebung, atypische Zahnschmerzen: atypische Odontalgie, Phantomschmerz, in die Zähne übertragener Schmerz – heterotroper Schmerz, idiopathischer Schmerz: psychisch bedingte Schmerzen. Eine repräsentative Studie unter 4.000 Bundesbürgern zu etwaigen Schmerzen in den letzten 6 Monaten ergab folgende Zahlen:

Schmerzfrei: 32 % Kopfschmerz (ohne Migräne): 34 % Schmerzen im Bewegungsapparat: 29 % Erkältung/Grippe: 24 % Zahnschmerzen: 7 % Menstruationsschmerzen: 6 % Migräne: 4 % Ohrenschmerzen: 2 % In der Zahnmedizin sind neben dem häufigsten Akutschmerz ("Zahnschmerzen"), der in der Regel durch Erkrankungen des Zahnnervs (Pulpitis), eitrige Prozesse an der Wurzelspitze (Parodontitis apicalis) und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis, Parodontitis marginalis) verursacht wird, auch vermehrt funktionelle Schmerzen wie temporomandibuläre Störungen anzutreffen. Für diese zum chronischen Übergang neigenden Schmerzzustände sind häufig Persönlichkeitsfaktoren verantwortlich.

Akute Zahnschmerzen werden durch zwei unterschiedliche Nervenbahnen über unterschiedliche Wege zu den verschiedenen Regionen des Gehirns weitergeleitet: mittels den schnell leitenden A-delta-Nervenfasern und den wesentlich langsamer leitenden C-Fasern.

Eine Schmerzausschaltung – Anästhesie – kann auf verschiedene Weise erfolgen:

an den peripheren Schmerzrezeptoren (Nervenendigungen) durch Lokalanästhetika (Lokalanästhesie), durch eine Unterbrechung der Schmerzleitung, durch Dämpfung/Ausschaltung des Schmerzzentrums/-bewusstseins im Gehirn mittels Analgetika ("Schmerztabletten", z.B. Ibuprofen oder Mefinaminsäure) bzw. Vollnarkose; im Extremfall durch eine operative Ausschaltung des Thalamus. Sollte mit normalen Schmerzmitteln kein befriedigender Erfolg erreicht werden, empfehlen Schmerztherapeuten den Einsatz von Opiaten, etwa Codein 30 mg-Tabletten, die über einen Zeitraum von ca. 4 Stunden zuverlässig wirken. Kurios, aber wahr: Wer sich in zahnärztliche Behandlung begibt, muss generell mit Schmerzen rechnen und hat deshalb keinen Anspruch auf Schmerzensgeld gegen den Zahnarzt. Solche Schmerzen sind nämlich durch die Einwilligung des Patienten in die Behandlung gedeckt. Damit wurde die Klage einer Patientin abgewiesen, die über Schmerzen beim Einsetzen von Kronen geklagt hatte. Dem Zahnarzt konnte kein Kunstfehler nachgewiesen werden. Es handelte sich vielmehr um Schmerzen, die häufig mit einer solchen Behandlung verbunden sind. (Amtsgericht Daun, Az.: 3 C 332/02)

Schmerzausschaltung kann auch durch Beeinflussung des Schmerzbewusstseins (Ablenkung, Hypnose, Narkose) herbeigeführt werden.