Lokalanästhesie-Geschichte
Synonym: Anästhesiegeschichte, Lokalanästhesiechronik, Entwicklung der Lokalanästhesie · Englisch: history of the local anesthesia
Die Geschichte der Lokalanästhesie weist zwei bedeutende Höhepunkte auf: 1884 mit der Einführung des Kokains und 1905 mit der Entdeckung des Procains. Im Jahr 1844 führte der amerikanische Zahnarzt Horace Wells die erste Zahnentfernung in Allgemeinnarkose mit Lachgas durch. Zwei Jahre später entfernte der Chirurg John Warren im Massachusetts General Hospital in Boston schmerzfrei einen Tumor am Kieferwinkel, wobei sein früherer Kollege, der Bostoner Arzt William Morton, Äther als Narkotikum verwendete. Im Jahr 1847 führte der englische Gynäkologe James Young Simpson Chloroform in die Allgemeinchirurgie ein, doch schwerwiegende Nebenwirkungen und tödliche Komplikationen dämpften die anfängliche Begeisterung für diese neuen Medikamente. 1866 berichtete der Londoner Zahnarzt Benjamin Ward Richardson über seine Erfolge mit örtlich versprühtem Äther. Am 20. Oktober 1884 nutzte der in New York tätige Zahnarzt Morgan J. Howe Kokainlösung zur Betäubung vor einer Zahnextraktion, knapp drei Wochen nach der Erstbeschreibung. Zur gleichen Zeit setzte John P. Carmichael aus Milwaukee Kokain zur Schmerzausschaltung bei der Spaltung von Abszessen oder beim Einpassen von Kronenringen ein. Die oberflächliche Anwendung von Kokain wurde bald durch methodische Neuerungen erweitert, was besonders für Zahnärzte von Bedeutung war. 1885 führte der in New York arbeitende Chirurg William Stewart Halsted die Leitungsanästhesie ein. Durch das Umspritzen von Nervenstämmen mit Kokain in Tierversuchen erreichte er die Ausschaltung des gesamten Versorgungsbereichs. Seine ersten Anwendungen erfolgten im Bereich der Zahnmedizin, wobei die Mandibularanästhesie eine entscheidende Methode zur Verbesserung der therapeutischen Möglichkeiten darstellte. Neben Oberflächen- und Leitungsanästhesie entwickelte sich die Infiltrationsanästhesie als dritte Säule in der Anwendung von Kokain. 1888 berichtete der Genter Arzt Camille Redard über den Einsatz des Chloräthylsprays. Der Leipziger Chirurg Heinrich Braun verlängerte 1903 durch die Beigabe von Adrenalin die Wirkdauer und -tiefe der Anästhesie. Zwischen 1904 und 1905 synthetisierte Alfred Einhorn Procain, das über Jahrzehnte als Standardanästhetikum in der Zahnheilkunde galt. 1914 entwickelte Guido Fischer ein praktikables Injektionsgerät, was zum Durchbruch der Lokalanästhesie in der Zahnmedizin führte. In den folgenden Jahren wurden weitere wichtige Lokalanästhetika entwickelt: 1930 Tetracain, 1943 Lidocain, 1957 Mepivacain, 1960 Prilocain, 1963 Bupivacain und 1969 Articain.